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Wittlich
Von Südamerika bis zum Judentum

In der deutschen Sprache gibt es viele verschiedene Dialekte. teilweise verstehen sich noch nicht mal Deutschsprechende aus unterscheidlichen Regionen. Auch das Hunsrücker Platt wird oftmals nicht verstanden.
In der deutschen Sprache gibt es viele verschiedene Dialekte. teilweise verstehen sich noch nicht mal Deutschsprechende aus unterscheidlichen Regionen. Auch das Hunsrücker Platt wird oftmals nicht verstanden. FOTO: Fritz-Peter Linden / TV
Wittlich. Hunsrücker Platt wird nicht nur in der Region gesprochen, sondern auch in Südamerika. Im 19. Jahrhundert sind viele Hunsrücker ausgewandert. Die Brasilianerin Isabel Pitz hat zu diesem Thema einen eigenen Blog.

Isabel Pitz lebt in Santa Catarina in Brasilien. Ihre Vorfahren sind vor knapp 200 Jahren vom Hunsrück nach Brasilien ausgewandert.

In dem südamerikanischen Land gibt es mehrere Gemeinden, in denen heute noch das Hunsrücker Platt des 19. Jahrhunderts gesprochen wird. Pitz betreibt eine eigene Internet-Seite über Deutsch-Brasilianer, um das zu dokumentieren.

Die Hunsrücker Vorfahren der jungen Frau hießen 1828 noch Pütz und gehörten damals zu den Gründern von São Pedro de Alcântara, Das war die erste deutsche Kolonie der Region. Noch heute wird dort auf Hunsrückisch das Kartenspiel Zwicker gespielt.

Die Hunsrücker Mundart hat viele unterschiedliche Ausprägungen. Die Hunsrücker Mundart ist eine Unterform des Moselfränkischen. Die Besonderheiten sind, dass es keinen Genitiv gibt: Statt, dessen Buch‘ sagt man ,dem sein Buch‘.

Der Dialekt unterscheidet sich deutlich von den übrigen deutschen Mundarten. Moselfränkisch wird von anderen Deutschsprechenden außerhalb der moselfränkischen Sprachgruppe nur schwer oder überhaupt nicht verstanden.

Großen Einfluss auf das Moselfränkische hatte auch das Jiddische, die Sprache, die sich im Hochmittelalter aus dem Mittelhochdeutschen entwickelte. Sie wurde vor allem von jüdischen Händlern und Kaufleuten gesprochen.

Da insbesondere der Viehhandel über Jahrhunderte hinweg in jüdischen Händen lag und die ländliche Bevölkerung traditionell mit den Juden Geschäfte machte, musste sich die Bevölkerung, wollte sie beim Geschäftemachen nicht übervorteilt werden, mit der Sprache vertraut machen.

So gelangten viele jiddische Sprachelemente in das Moselfränkische. Jiddischen Ursprungs sind zum Beispiel die moselfränkischen Wörter: schofel für link oder hinterhältig; acheln für essen; mo‘uscheln und beschummeln für mogeln oder betrügen; Schlunze für Geliebte oder Buhei für Lärm oder Aufwand sowie nicht ganz kouscher für nicht ganz geheuer.

Weitere noch zu hörende Wörter sind zum Beispiel Tacheles reden für Klartext reden, Reibach für Gewinn, Zores für Ärger oder Krach und Schlamassel für Unglück.

  • Haben auch Sie Beispiele für Wörter, die es im heutigen Platt noch gibt und die aus dem Jiddischen stammen? Senden Sie und diese Wörter mit der Angabe Ihres Namens und ihrer Adresse an redaktion@die-woch.de
Isabel Pitz aus Santa Catarina kann Hunsrücker Platt und Portugiesisch.
Isabel Pitz aus Santa Catarina kann Hunsrücker Platt und Portugiesisch. FOTO: Isabel Pitz
Brasilien
Brasilien FOTO: Pixabay / TV
Die Vorfahren der Brasilianerin Isabel Pitz stammen aus Deutschland. Die Bloggerin selbst lebt im Bundesstaat Santa Catarina.
Die Vorfahren der Brasilianerin Isabel Pitz stammen aus Deutschland. Die Bloggerin selbst lebt im Bundesstaat Santa Catarina. FOTO: Pixabay / TV