Recht: Vorerst wohl keine Kundgebungen in Kandel

Recht : Vorerst wohl keine Kundgebungen in Kandel

(dpa) Mehr als ein Jahr nach dem tödlichen Messerangriff auf eine 15-jährige Schülerin in Kandel ist ein Ende der umstrittenen allmonatlichen Demonstrationen in der südpfälzischen Stadt in Sicht.

„In Kandel gibt es jetzt erstmal keine Demo mehr“, sagte der Wortführer der oft als rechtspopulistisch kritisierten Gruppe „Frauenbündnis Kandel“, Marco Kurz, in einem auf Facebook veröffentlichten Video. Als Grund nannte er eine große, länger andauernde Baustelle im Stadtzentrum, die die Proteste erschwere.

Eine Sprecherin der Initiative „Kandel gegen Rechts“ begrüßte die Ankündigung. „Das bedeutet zumindest eine Atempause und macht Hoffnung. Wir werden selbstverständlich auch keine Demonstrationen in Kandel durchführen, solange das „Frauenbündnis“ der Stadt fernbleibt“, sagte Sarah Boos.

Eine Sprecherin der Kreisverwaltung Germersheim bestätigte, dass im Unterschied zu den vergangenen Monaten bisher für Februar keine Kundgebung angemeldet worden sei. Wegen der Baustelle und dem damit verbundenen Rettungskonzept könne der Kreis in Kandel keine Demonstrationszüge zulassen. Die vom Landesbetrieb Mobilität seit längerem geplanten Arbeiten dauern demnach bis zu zwei Jahre.

Parallel zu den Demonstrationen des „Frauenbündnisses“ hatten in dem Ort mit rund 9500 Einwohnern oft Gegenveranstaltungen bürgerlicher und linksgerichteter Organisationen stattgefunden. Allein im vergangenen Jahr waren der Kreisverwaltung zufolge für Kandel rund 100 Versammlungen angemeldet, wovon etwa 60 stattfanden. Bewohner der Gemeinde fordern seit Langem ein Ende der polarisierenden Proteste.

Kurz kündigte die nächste Kundgebung des Bündnisses nun für den 2. Februar im benachbarten Wörth an. „Wir bleiben in der unmittelbaren Umgebung von Kandel.“ Es werde aber auch in Kandel weiter Aktionen im kleineren Rahmen geben. Zuvor hatten mehrere Medien über das Video berichtet. An der bisher letzten Kundgebung der Gruppe in Kandel hatten der Polizei zufolge rund 200 Menschen teilgenommen.

In Kandel hatte ein vermutlich aus Afghanistan stammender Flüchtling Ende Dezember 2017 seine Ex-Freundin Mia erstochen. Ein Gericht verurteilte ihn deshalb nach Jugendstrafrecht wegen Mordes rechtskräftig zu acht Jahren und sechs Monaten Gefängnis.

(dpa)