Whisky: Das Wasser des Lebens

Whisky: Das Wasser des Lebens

Whisky - ein Getränk mit Mythen und Geheimnissen. Bis zu 25 Jahren lagert das Getränk in Fässern, um seinen Geschmack zu entfalten.

Schottland ist voller Mythen und Geheimnisse, Ort gruseliger Geschichten und dramatischer Erzählungen. Hier hat Macbeth gemordet, hier haben die Highlander für ihre Unabhängigkeit gekämpft, hier sind die Moore tief und die Schlösser alt. Und in Schottland werden die besten und edelsten Whiskys der Welt gebrannt: Single Malt Whiskys.

Nun mag die ursprüngliche Bedeutung des gälischen Wortes "uisge beatha ab" - "Wasser des Lebens" - ein wenig seine Bedeutung eingebüßt haben, aber Lebensgeister weckt ein guter Whisky immer noch. Unverfälschte, reine Produkte, um deren Herstellung sich sorgfältig gepflegte Mythen ranken. Die werden natürlich am besten an einem knisternden Torffeuer erzählt - bei einem Glas Single Malt Whisky.

Single Malt Whiskys werden in traditionellen "stills" (Destillen) gebrannt. Diese aus Kupfer gefertigten Brennapparaturen sind das Herzstück der Whiskykunst. Dort wird aus dem bierähnlichen Vorprodukt in zwei Brennvorgängen das eigentliche Lebenswasser gebrannt. Puristen behaupten, dass die Form der stills ausschlaggebend für die Charakteristik des Whiskys sei. Jede Beule und Verformung in den handgefertigten stills soll für eigene Nuancen des Geschmacks verantwortlich sein.

Nach dem Brennen heißt es aber erst einmal: Ruhe bewahren und Geduld zeigen. Denn der fertig gebrannte Whisky kommt ins Fass, wo er - je nach Hersteller und Sorte - bis zu 25 Jahre lagert. Erst im Fass erhält der Whisky seinen eigentlichen Charakter. Meist wird er in gebrauchten Bourbonfässern gelagert, einige Abfüller spendieren ihren Whiskys auch Ausflüge in gebrauchte Sherry- oder Portweinfässer. Während der Lagerung nimmt der Whisky die Aromen der Fässer und der Umgebung auf. So werden die Fässer der Laphroaig-Brennerei auf der Insel Islay unmittelbar am Meer gelagert, bei Hochwasser stehen sogar etliche Fässer unter Wasser. Kein Wunder also, dass der Laphroaig unter anderem für seine Meeresaromen nach Algen, Salzwasser und angeblich sogar "Schiffstau" berühmt ist. So gibt es in der Welt der Whiskyverkostung mitunter abenteuerlich anmutende Geschmacksbeschreibungen, die jenen von Weinen in nichts nachstehen. Gegerbtes Leder, Schiffstau, Schokolade und sogar "phenolische Aromen" sind die Vergleiche, die bemüht werden, um den Geschmack von Whiskys zu beschreiben.

Es geht aber auch einfacher. Eine grobe Unterteilung der Single Malt Whiskys orientiert sich an den schottischen Regionen. Je näher die Brennereien am Meer sind, desto torfiger wird ihr Geschmack. Dies liegt vor allem an der Isle of Islay, einer kleinen Insel der Inneren Hebriden, auf der alleine acht Brennereien beheimatet sind. Torf ist dabei ein wichtiger Bestandteil des Herstellungsprozesses, denn das Quellwasser fließt durch massive Torfschichten, und die Gerste wird beim "Mälzen" über Torffeuern gebrannt. So kommt das typische Torfaroma zustande, das jeder Schottland- und Irlandtourist noch Tage nach seinem Urlaub in der Nase hat. Die Whiskys aus der Region Speyside sind generell etwas milder, süßlicher und vor allem für Einsteiger besser geeignet. Dazwischen bieten sich fast alle Bandbreiten des Geschmacks.

Nach der Reifung im Fass wird der Whisky in Flaschen abgefüllt und in der Regel verdünnt. Im Fass hat der Whisky zwischen 60 und 70 Volumenprozent Alkohol, was für die Flasche in der Regel auf rund 40 Prozent verdünnt wird. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, Whiskys in "Fassstärke" sind besonders intensiv und vollmundig. Dennoch empfiehlt sich auch bei diesen Whiskys ein winziger Schuss Wasser, um weitere Aromen freizusetzen.

Wer es besonders pur mag, greift zur Flasche unabhängiger Abfüller. Diese Firmen kaufen gezielt einzelne Fässer bei den Brennereien und bauen diese nach eigenen Vorstellungen aus. Da kommt dann schon mal ein nur fünf Jahre alter, sehr torfiger Whisky in die Flasche, in dessen über 60 Prozent Alkohol sogar noch verkohlte Holzstückchen aus dem Fass schwimmen, weil der Abfüller auf eine Filtrierung verzichtet hat. Wer sich an diesen gewöhnungsbedürftigen "Peat Reek" (Torfstinker) herantraut, wird mit sehr gegensätzlichen Geschmackserlebnissen belohnt. Beim ersten Schluck hat der Trinker das Gefühl, in frisch ausgestochenen Torf zu beißen und wird im Abgang mit sanften, honigsüßen Aromen belohnt. Mit sehr jungen fünf Jahren hat der Whisky auch noch alle Ecken und Kanten, die bei anderen Whiskys erst durch mindestens zehn Jahre Lagerung abgeschliffen werden.

Gute Single Malt Whiskys bieten - wie auch Weine oder Obstbrände - eine große Fülle von Geschmackserlebnissen, die erkundet werden wollen. Schließlich wecken Whiskys auch im durchschnittlichen deutschen Genießer den Highlander, und der mag nach einem schottischen Sprichwort nur zwei Dinge nackt. Eines davon ist Malt Whisky.