Wie leger darf Kleidung sein?

Wie leger darf Kleidung sein?

Was versteht man unter dem Dresscode "casual"? Sobald eine Bekleidungsvorschrift gegeben wird, erscheint es verhältnismäßig einfach, die richtige Wahl zu treffen. Sowohl für "dunkler Anzug", "Smoking" und "Frack", aber auch "Cut", "Stresemann" und selbst für "halboffizielle" und "hochoffizielle" Geschäftskleidung ist alles recht eindeutig und für jeden unmissverständlich festgelegt.

Die tatsächliche Stilsicherheit erkennt man dann zwar immer noch im Detail, aber so wirklich falsch machen kann man wenig, wenn man sich an die klassischen Vorgaben hält.

Viel schwieriger ist es, Stil und Eleganz in der Freizeit zu beweisen. Erst am Wochenende, wenn Uniformen nicht gefragt sind, wird sie offenkundig. Nun ist es in den letzten Jahren immer häufiger so, dass in Einladungen zu verschiedenen offiziellen Anlässen, wie runden Geburtstagen und Gartenfesten, die elegante Freizeitkleidung den Gästen in kodierter Form als Kleidervermerk vorgegeben wird. Da ist für diejenigen, die in solchen Fragen kein gutes Händchen haben, guter Rat teuer. "Business casual", "smart casual" oder nur "casual" sind die häufigsten Kodes, die es dann zu entschlüsseln gilt. Zwar soll den Gästen damit eigentlich mehr Spielraum gegeben werden, aber das macht die Gefahr, overdressed oder underdressed zu erscheinen, keinesfalls geringer. Diese Bezeichnungen sind nämlich lediglich "neumodische" Begriffe, für die es gar keine eindeutige Definition gibt.

Der beste Berater ist und bleibt die Überlegung, ob es eine berufliche oder private Situation, ein offizielles oder ein inoffizielles Ereignis ist, mit welchen Personen man zusammen sein wird und in welcher Rolle man selbst dort auftritt. Nur daraus abgeleitet kann man entscheiden, was korrekt ist. Sobald im Bekleidungsvermerk das Wort "casual" auftaucht, ist eine elegante Freizeitkleidung gemeint - immer ohne Krawatte. Die Betonung liegt auf elegant, so dass keinesfalls T-Shirt, kurze Hosen oder Latschen gemeint sind. Vielmehr ist der gebotene Freiraum nicht allzu großzügig zu interpretieren. Die Empfehlung für Männer: - langärmeliges, sportliches Oberhemd, gerne Button-down-Kragen - ohne Krawatte!, eventuell Poloshirt oder Pullover - Navy-Blazer, Sportjacke aus Leinen oder Tweed, eventuell aus Cord -Flanell- oder Wollhose, eventuell Chinos oder Cordhosen, keine Jeans - Brogues, eventuell auch in braunem Wildleder, eventuell Loafer, Monkstrap-Schuhe Die Empfehlung für Frauen: Kostüm, Hosenanzug eventuell aus hochwertiger Baumwolle, aber nicht das Kostüm und der Hosenanzug aus dem Büro, Etuikleid, Jackenkleid, Bluse, eventuell Twinset, Kaschmir-Pullover oder Poloshirt, Navy-Blazer, Sportjacke aus Leinen oder Tweed, eventuell aus Cord - Wollhose, eventuell Chinos oder Cordhosen, keine Jeans, Rock, eventuell aus Baumwolle oder Leinen, dezente Strümpfe, Pumps, Slingpumps, eventuell Loafer, Ballerinas, Mules oder Stiefel Bei den Farben ist mehr Wahlmöglichkeit gegeben, selbst Braun und Beige sind möglich.

Und neuerdings ist auch der Kleidervermerk "Come as you are" zu finden, "Kommen Sie so, wie Sie gerade sind". Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, falls Sie einen freien Tag haben. Vielmehr ist die branchentypische Businesskleidung gemeint. Je nach Branche ist das zwar unterschiedlich, doch weder an den Blaumann noch an Jeans wird bei dieser Kleiderordnung auch nur gedacht. Die Krawatte wird in diesen Situationen selbstverständlich anbehalten, wenn Sie sie mit einem Anzug tragen. Salka Schwarz: Renaissance der Höflichkeit, Dom Publishers, 38 Euro.

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