Worte wie Waffen

Worte wie Waffen

Vor 150 Jahren starb der beliebte und gefürchtete Dichter Heinrich Heine Dachte er an Deutschland in der Nacht, dann war er um den Schlaf gebracht. Eine echte Hassliebe verband Heinrich Heine (am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren, gestorben am 17. Februar 1856 in Paris) mit seinem Heimatland.

Dachte er an Deutschland in der Nacht, dann war er um den Schlaf gebracht. Eine echte Hassliebe verband Heinrich Heine (am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren, gestorben am 17. Februar 1856 in Paris) mit seinem Heimatland. Der Dichter des Lieds von der Loreley, von "Deutschland. Ein Wintermärchen", von "Atta Troll" und zahlreichen Reisebildern krankte an seiner Heimat. "Eine große Vorliebe für Deutschland grassiert in meinem Herzen, sie ist unheilbar", sagte er einst. Der Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki bezeichnet den Juden, der später zum protestantischen Glauben übertrat, als "ein Genie der Hassliebe", das geradezu einen wollüstigen Genuss dabei verspürt habe, allen die Wahrheit zu sagen.Die Vaterlandsliebe beginnt an der Grenze

Ob Deutsche oder Engländer, ob Juden oder Christen, ob Politiker oder Poeten - sie alle bekamen bei Heine ihr Fett weg. So schoss sich Heine, der Deutschland 1831 verließ und nach Paris zog, immer wieder auf seine Heimat ein: "Es ist eine eigene Sache mit dem Patriotismus, mit der wirklichen Vaterlandsliebe. Die deutsche Vaterlandsliebe beginnt erst an der deutschen Grenze, vornehmlich aber beim Anblick des deutschen Unglücks in der Fremde."

Als freier Schriftsteller, Journalist, Frankreichkorrespondent und Feuilletonist scheute er sich nicht, deutliche Worte zu finden, was dazu führte, dass seine Werke immer wieder der Zensur zum Opfer fielen: Biss, Polemik, Ironie, Witz und Zynismus sind charakteristisch für sein Werk, sie waren seine liebsten Waffen.

"Seitdem es nicht mehr Sitte ist, einen Degen an der Seite zu tragen, ist es durchaus nötig, dass man Witz im Kopfe habe. Vor dem Übermut des Reichtums und der Gewalt schützt euch nichts - als der Tod und die Satire", erklärte Heine. Der gelernte Kaufmann und promovierte Jurist, der von der Romantik geprägt war und zugleich als Überwinder der Romantik galt, entrümpelte die poetische deutsche Sprache und schaute gerne dem Volk auf den Mund. Er wollte nicht nur von Gelehrten rezipiert werden, er wollte besonders für das Volk schreiben. Heine habe "der deutschen Sprache so sehr das Mieder gelockert, dass heute alle Kommis an ihren Brüsten fingern können", beschrieb sein Schüler Karl Kraus später. Mit seiner Wortwahl und seinem Wortwitz stieß Heine längst nicht nur auf positive Resonanz, es hagelte auch Kritik. "Gott weiß, wie Beschmeißungen mit Dreck mir wenig anhaben können. Ich bin kotfest", zeigte sich der große deutsche Dichter sehr selbstbewusst. "Ich hätte viel zu tun, wenn ich mit einer Fliegenklatsche hinter jeder Lüge einherlaufen müsste, welche ausgebrütet von der Rachsucht, durch den leidigen Neid expediert wird an die Konfratres der Mittelmäßigkeit, die überall eng verbrüdert sind im Geheimkampf gegen den Genius."

Der Meister der göttlichen Bosheit

Heine, nach dem die Universität seiner Heimatstadt Düsseldorf seit 1989 benannt ist, war sich der Sprengkraft seiner Worte durchaus bewusst. Gezielt setzte er mit ihnen zum Schuss an. "Mein Verbrechen war nicht der Gedanke, sondern die Schreibart, der Stil. Mein Freund Heinrich Laube hat einst diesen Stil ein literarisches Schießpulver genannt. Es war in der Tat eine gute Erfindung, und die nachwachsende Generation, welche dieses Pulver nicht erfunden, hat wenigstens tüchtig damit knallen gelernt." So freute er sich über die Durchschlagskraft seiner Werke, die sowohl die deutsche Literatur als auch den Journalismus nachhaltig prägten.

Und auch an die Adresse seiner Kritiker entsandte er Sätze mit Knalleffekt: "Kritiker - wie Lakaien vor der Saaltüre bei einem Hofball, sie können schlecht gekleidete und unberechtigte Leute abweisen und gute einlassen, aber sie selbst, die Türsteher, dürfen nicht hinein." Seine offenen Worte stießen aber auch immer wieder auf Bewunderung: So schwärmte beispielsweise der Philosoph Friedrich Nietzsche: "Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich Heine gegeben. Er besaß jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag." Und auch Heines Zeitgenosse Friedrich Hebbel erkannte dessen Fertigkeiten. "Heine lässt die Weltkugel zwar nicht im hellen Sonnenschein auf der Fingerspitze tanzen wie Goethe, sondern er zerschlägt sie, aber er tut es nur, um den einzelnen Stücken dann den reinsten Schliff zu geben. Dabei kommt noch immer Lust und Leben heraus", ließ Hebbel verlauten.

Mehr von Heines literarischer Schärfe gibt es im Heinejahr zu dessen 150. Todestag nicht nur im Buchhandel, sondern auch im Theater Trier. Am 19. Februar beleuchtet der Schauspieler Peter Singer im Foyer den noch immer hochaktuellen Literaten zwischen politischem Anspruch und Poesie.

Monika Kewes