Zwischenfälle in Cattenom: Informationswege nach Trier ziemlich lang und lahm

Cattenom · Wie schnell erfahren die Behörden in Trier, wenn es im französischen Kernkraftwerk Cattenom zu einem Störfall oder einer Panne kommt? Im Zweifelsfall recht spät. Drei Fälle von Anfang Februar zeigen, dass die Leitung von Cattenom nach Trier ziemlich lang ist. Ein Großteil des Kreises Trier-Saarburg würde im Fall einer Katastrophe wie in Tschernobyl oder Fukushima im Katastrophenbereich liegen.

 AKW Cattenom - Saarland und Frankreich uneinig. Foto:Cristophe Karaba/Archiv

AKW Cattenom - Saarland und Frankreich uneinig. Foto:Cristophe Karaba/Archiv

9. Februar 2012, 16.30 Uhr: An einer Pumpstation im französischen Atomkraftwerk Cattenom tritt Rauch aus. Bei der ADD in Trier erfährt man erst fünf Stunden später davon - um 21.22 Uhr. Die Kreisverwaltung Trier Saarburg, zuständig für den Saargau, der in der Region dem Atomkraftwerk am nächsten liegt, erfährt sogar erst um Mitternacht davon.

Dieser Vorfall, aber auch zwei weitere im französischen Kernkraftwerk zeigen: Es dauert ziemlich lange, bis in der Region alle Stellen, die im Falle einer Katastrophe handeln müssten, bei einem Zwischenfall im Bild sind.

Die Informationen von einem Rauchaustritt in einem Technikraum in Cattenom am 11. Februar erreichten Trier knapp sechs Stunden später. Von einem Defekt an einem Stromgenerator am 10. Februar erfuhren die Behörden in Trier sogar erst neun Stunden später.

Wie verschlungen die Informationswege von Cattenom nach Trier sind, ergeben die TV-Nachfragen bei der ADD und der Kreisverwaltung: Passiert in Cattenom etwas, informiert das Kraftwerk zunächst die zuständige Regionalverwaltung in der Präfektur in Metz. Auch nach Luxemburg an die für Zivil- und Katastrophenschutz verantwortlichen Stellen und an die saarländische Landespolizeidirektion in Saarbrücken erfolgt eine Meldung - per Mail in französischer Sprache.

Von dort geht die Information an das Polizeipräsidium Trier, dieses faxt die in französischer Sprache verfasste Nachricht nach telefonischer Vorankündigung an die Rufbereitschaft der für den Katastrophenschutz in Rheinland-Pfalz zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und gleichzeitig an die Leitstelle der Trierer Feuerwehr und das Lagezentrum des rheinland-pfälzischen Innenministeriums.

Die Leitstelle informiert unter anderem die Kreisverwaltung Trier-Saarburg, die im Katastrophenfall unmittelbar betroffen wäre.

Dass die Öffentlichkeit informiert wird, ist übrigens erst im Katastrophenfall vorgesehen.

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