Bowie lässt zehn mal die Luke beben

Trier · Zehn Bands, zehn Minuten, ein Coversong: Der jährliche Tribute-Konzertabend „Ten Bands, Ten Minutes“ widmet sich in diesem Jahr dem verstorbenen David Bowie. Neben eigenen Kompositionen mussten die regionalen Bands einen Song des großen Musikers zum Besten geben. hat sich zu einem verlässlichen Publikumsmagneten um den Jahreswechsel entwickelt. Dieses Jahr lauschten rund 200 Zuhörer in der ausverkauften „Lucky's Luke“ in Trier den Liedern von David Bowie.

Das große Elend des Jahres 2016, das Wegsterben kultisch verehrter Künstler, begann am 10. Januar mit der Nachricht "David Bowie ist tot". Punkt. Ein Satz, in seiner Direktheit so brutal wie lächerlich: Als marsianischer Rockmessias Ziggy Stardust dreht der Thin White Duke vielleicht ein paar Runden durchs All mit Major Tom - aber tot? Das geht doch gar nicht.

Das haben auch die Veranstalter von "Ten Bands, Ten Minutes" so gesehen - und dafür gesorgt, dass wenigstens die Lieder des nun doch wohl tatsächlich irgendwie verstorbenen Briten lebendig bleiben - als Schwerpunkt der alljährlichen Tribute-Revue.

Wie in den Vorjahren durften dabei zehn Bands aus der Region für je zehn Minuten auf die Bühne, wo wenigstens ein Coversong zu spielen war. Bisher standen dabei etwa Madonna, Bruce Springsteen oder die Beach Boys auf dem Programm - jetzt galt es erstmals, auch noch einem praktisch frisch Verflossenen eine besondere letzte Ehre zu erweisen. Bands wie Vandermeer, Sternenstaub, Candy Apple Grey oder die Popperklopper ließen sich nicht lange bitten.

Nun sehen manche Rockfans Coversongs ja eher kritisch - vor allem, wenn bei Arrangement oder Sound gegenüber dem Original allzu viele Freiheiten genommen werden.

In der Luke wäre aber wohl auch der Puls des verbohrtesten Bowie-Fans nur vor Freude gestiegen: Zwar drückten die Bands Klassikern wie "Life On Mars" oder "Heroes" jeweils den Stempel ihres eigenen Sounds auf - aber das ist wohl legitim bei einem Künstler wie David Bowie: Der hat sein Image und seinen Klang schließlich auch über die Jahrzehnte immer neu variiert, indem er in die Rollen aufwendig ausgestalteter Kunstfiguren schlüpfte.

Überhaupt: Als "Hello Spaceboy" von Kramsky gespielt wurde - basierte das auf dem Single-Mix, den Bowie mit den Pet Shop Boys aufgenommen hat? Oder doch eher auf der Ur-Version vom düsteren Konzeptalbum "Outside" von 1995?
Ganz ausgefuchst die Hardcore-Band Insane Asylum: Die hatte sich mit Here Comes The Night gleich einen Song ausgesucht, den Bowie seinerseits nur gecovert hatte. Das klang am Ende weder nach Bowie noch nach Van Morrison - gefiel dem Publikum aber trotzdem sehr, vor allem wegen der energiereichen Performance.

Die lieferten auch Ichor - und zugleich die krasseste Transformation eines Bowie-Songs, nämlich China Girl aus der gelösten und recht mondänen 80er-Jahre-Phase: Den geradlinigen Popsong erkannte man kaum wieder im Death-Metal-Kleid, das die Trierer Band ihm übergestülpt hatte.

Aus der gleichen Bowie-Ära stammt "Let's Dance", das sich das Elektro-Trio Anderland vorgenommen hatte. Auch hier musste man eher zweimal hinhören, um in der effektlastigen Interpretation das spiegelglatte Original zu erkennen. Und obwohl die Stimmung in der ausverkauften Luke durchaus gut war und Anderland ebenso kräftig applaudiert wurde, wie den anderen Bands, blieb die Aufforderung zum Tanzen doch weitgehend unbeantwortet. Das lag sicher auch an den vielen Unterbrechungen, die die ständigen Bandwechsel auf der kleinen Bühne mit sich brachten: So gab es eher aufmerksames und höfliches Zuhören, wenn gerade mal nicht umgebaut wurde. Ausgelassene Stimmung kam da aber selten auf.

Eine der überzeugendsten Cover-Versionen kam dann ausgerechnet von den rotzigen "Popperkloppern". Passend zu ihrem Namen hielten sie Sicherheitsabstand zu Bowies Disco-Phase - und überzeugten lieber mit ziemlich geradelinigen Versionen der punkig lärmenden Songs Rebel Rebel und Suffragette City.

A Hurricanes Revenge beschlossen schließlich mit Heroes einen Abend, den man auch als kleinen Ersatz für das Bunker-Bebt-Festival sehen kann. Die Leistungsschau der Trierer Muckerszene, die sonst immer am Jahresanfang steigt, kann derzeit wegen der anstehenden Umbaumaßnahmen im Exhaus nicht stattfinden. So liefert "Ten Bands" wenigstens eine Möglichkeit, gleich eine ganze Latte an lokalen Bands an einem Abend zu hören. Fortsetzung folgt sicherlich.

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