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Datum: 30. September 2011 | Mehr aus diesem Ressort: Tagestouren
Autor: Sarah-Lena Gombert Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Mechernich-Kommern Drucken

Knarzende Windmühlen, duftendes Backwerk

Ein Besuch im Freilichtmuseum Kommern in Nordrhein-Westfalen ist wie eine Reise in die Vergangenheit
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Sie fällt sofort auf, wie sie mit ihrer altertümlichen Kleidung, den groben Wollsocken und den klobigen Holzschuhen am Wegesrand hockt. Ursula Opielka sammelt Eicheln für die Weideschweine. Die Tiere brauchen viel Futter, und von den Früchten gibt es in diesem Jahr zum Glück besonders viele.

Mit einem grob geflochtenen Weidenkorb und einer Harke arbeitet sich die junge Frau, die ihre Haare sittsam unter einem Kopftuch verbirgt, langsam vom Gasthof auf den zentralen Platz der Siedlung zu – und freut sich, wenn sie angesprochen wird.

Wenige Kilometer von der Autobahn entfernt
 
Ursula Opielka ist Mitarbeiterin des Besucherservice im Freilichtmuseum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) im nordrhein-westfälischen Mechernich-Kommern. Hier – nur wenige Kilometer von der A1 entfernt – taucht der Besucher in eine andere Welt ein.

Auf dem 95 Hektar großen Gelände sind zurzeit 65 Bauwerke aus der ehemaligen preußischen Rheinprovinz zu sehen, die ältesten davon stammen vom Ende des 15. Jahrhunderts. Die Häuser wurden an ihren ursprünglichen Standorten abgebaut und in Kommern Stein für Stein wieder sorgfältig zusammengesetzt.

Stereotype Dörfer
 

„Wir haben hier vier verschiedene Baugruppen“, erklärt Ursula Opielka, die seit neun Jahren im Freilichtmuseum arbeitet. So wirkt das ganze Museum wie eine Ansammlung von stereotypen Dörfern: Es gibt den Westerwald, das Bergische Land, den Niederrhein und die Eifel. Die Häuser, denen der Geruch und das Flair ihrer Zeit anhaftet, sind nach ihrer Herkunft in diese kleinen Siedlungen einsortiert.
 
Skeptisch beäugt ein kleines Mädchen den dunklen Eingang der alten Scheune, die selbst am helllichten Tag ganz schön finster wirkt. Nur durch das gute Zureden ihrer Mutter lässt sich die Kleine dazu überreden, das Gebäude zu betreten.

Schlafkammern wirken düster

Auch die Schlafkammern in den Wohnhäusern, die sich häufig mit Tierstallungen unter einem Dach befinden, wirken düster: Die Fenster, durch die im Winter viel Wärme verloren gehen kann, sind klein. Künstliches Licht gibt es in den alten Häusern kaum – höchstens, um eines der zum Teil skurril wirkenden Ausstellungsstücke zu beleuchten.
 
Eines davon ist das meterhohe Rad, das im „Heyerhof“ installiert ist, der ursprünglich in Korschenbroich bei Mönchengladbach stand. Es ist ein Hundelaufrad, das an ein Butterfass angeschlossen ist. „Ich liebe es, den Leuten zu erklären, welche Gerätschaften wir hier haben und wie man sie benutzt hat“, sagt Ursula Opielka mit leuchtenden Augen. Ihr Liebling ist aber kein kleines Werkzeug aus Holz, sondern ein großes: die Bockwindmühle.

Nicht nur die Mühlenflügel drehen sich
 
Das Gebäude ist etwa 230 Jahre alt und stammt aus dem Raum Düren. Das Besondere an der Mühle: Nicht nur die Mühlenflügel, sondern der komplette Bau kann gedreht werden, um den Wind optimal zu nutzen. Als zentrales Stützelement dient ein alter, dicker Baumstamm, auf dem die gesamte knarzende Holzkonstruktion aufsitzt. „Wer baut heute schon noch solche Häuser?“, schwärmt Ursula Opielka.
 
Ungewöhnlich auch das Schul- und Backhaus aus Löhndorf: Wenn der Dorfbäcker im Keller seine Brote in den Ofen schiebt, heizt er damit gleichzeitig das kleine darüber liegende Klassenzimmer. Netter Nebeneffekt: Es duftet im ganzen Haus nach frischem Backwerk.

Romantische Reetdachhäuser

So romantisch die Siedlungen mit ihren Höfen und Reetdachhäusern zum Teil auch aussehen mögen, so verzückend der Gedanke an frisches Brot aus dem alten Ofen auch ist: Man kann keinesfalls behaupten, dass das Museum das Leben in der Vergangenheit in einer verklärenden Weise darstellt. Auf Tafeln wird erklärt, wie hart es für die Leute in der Eifel gewesen sein muss, durch den Winter zu kommen.

Wer im Hochmoor, dem Hohen Venn, kein Torf gestochen hat, um damit zu heizen, musste frieren. Der Arzt Dr. Jonas, der im 18. Jahrhundert in Monschau lebte, damals Montjoie, schreibt: „Montjoye ist, im Ganzen genommen, ein sehr unangenehmes, unfruchtbares, bergisches Land.“

Kleidung ist zweckmäßig und bequem
 

Für dieses harte Leben waren die Eifeler jedoch bestens gerüstet, weiß Ursula Opielka. „Die Kleidung der Dorffrauen war sehr zweckmäßig und bequem“, sagt sie, und zupft an ihrem langen Rock, der auch im 21. Jahrhundert noch seine Vorteile mit sich bringt. „Wenn es regnet, bleiben meine Beine trocken. Mit einer Jeanshose hingegen wird man sofort nass.“
 
Das LVR-Freilichtmuseum in Kommern ist eine bis ins kleinste Detail durchkomponierte Reise in die Vergangenheit. Dazu gehören der alte, niederländische Nougatwagen, an dem man die im Museum produzierten Backwaren kaufen kann.

Die metallene Registrierkasse im Tante-Emma-Laden in der Westerwaldsiedlung. Die auf dem Gelände lebenden Tiere, die von Mitarbeitern in historischen Kostümen versorgt werden. Dennoch wirkt das Ganze zu keinem Zeitpunkt wie ein Freizeitpark, sondern bleibt stets informatives Museum. Dafür sorgen die Infotafeln – und hilfsbereite Mitarbeiter wie Ursula Opielka.
 
 

Service

Anfahrt: Das LVR-Freilichtmuseum liegt in Mechernich-Kommern, Eickser Straße, und ist über die A 1 gut zu erreichen. Einfach Abfahrt „Kommern/Wißkirchen“ nehmen und der Beschilderung folgen. Vor Ort gibt es genügend Parkplätze für Reisebusse und Autos. Die Parkgebühr beträgt 2,50 Euro pro Tag. Vom Parkplatz zum Museumseingang muss man noch einen kurzen Fußmarsch zurücklegen

Eintritt: Der Eintritt ins Freilichtmuseum kostet 5,50 Euro für Erwachsene. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben kostenlos Zutritt. Für Studenten, Auszubildende und Schwerbehinderte kostet der Eintritt 3,50 Euro. Für größere Gruppen gibt es einen Preisnachlass.

Öffnungszeiten: Das Museum hat von April bis Oktober von 9 bis 18 Uhr geöffnet, von November bis März von 10 bis 16 Uhr. An Weihnachten, Silvester und Neujahr sind die Öffnungszeiten verkürzt. Einen Ruhetag gibt es nicht.

Essen und Trinken: Auf dem Museumsgelände gibt es beispielsweise die Gastwirtschaft „Zur Post“, die rustikale Speisen anbietet. Wer mag, kann sich auch sein eigenes Picknick mitbringen. Bänke und Tische für eine Rast sind auf dem ganzen Gelände vorhanden. Ausstellungen: Neben den historischen Bauten gibt es ständig Ausstellungen im Freilichtmuseum Kommern. So läuft noch bis März 2012 die Ausstellung „Verborgene Schätze“ anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Museums. Außerdem gibt es das ganze Jahr über verschiedene Mitmach-Aktionen.

Weitere Informationen zum Museum und zum Jahresprogramm gibt es im Internet unter www.kommern.lvr.de


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Knarzende Windmühlen, duftendes Backwerk
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