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Im Holz liegt Wahrheit

Untersuchung liefert den Beweis: Ehemaliges Vogthaus in Bettingen ist eines der ältesten Wohngebäude der Eifel

(Bettingen) Der Förderkreis Bettinger Geschichte wollte es wissen: Weil es bei der Burg in Bettingen keine eindeutigen Hinweise auf das Alter der ehemaligen Festung gibt, hat der Verein das benachbarte Vogthaus wissenschaftlich untersuchen lassen. Das Ergebnis der Forschung ist eine kleine Sensation: Das Wohnhaus wurde wahrscheinlich bereits 1428 errichtet.

03.12.2014
Uwe Hentschel
Bettingen. Der Graf von Luneville war kein Guter. Zumindest kommt er im Tagebuch des Bitburger Stadtschöffen Johann Philipp Schweisdal nicht gut weg. "22. July 1647 hatt der conte de Luneville durch seine truppen die freiheitt Bettingen sampt dem schloß thun plündern, haben mher als 400 pferdt, 1000 stück rindtfehe, 3000 schaff sampt allem gutt von 12 oder 14 dorffern bekommen. 10 häuser in der freiheit verbrenet und dermasen insoltenz verübet, vermeinten die türcken hetten es nicht erger machen konnen. Dis konnen die Lothringer", schreibt Schweisdal in seinen Chroniken. Der Graf von Lineville hat also arg gewütet. Und das unter anderem in Bettingen.
Gut 367 Jahre später erinnert an diesen Raubzug des Grafen so gut wie nichts mehr. Ein paar Zeitzeugen gibt es allerdings schon noch. Und dazu zählt zum einen die alte Burgruine in Bettingen und zum anderen das davon nicht weit entfernte sogenannte Vogthaus. Letzteres wurde nachweislich zwischen dem frühen 17. Jahrhundert und dem Beginn des 18. Jahrhunderts baulich verändert. Und es spricht vieles dafür, dass der Auslöser dieser umfassenden Veränderung die Zerstörung durch die Truppen des Grafen war.
Heute leben in dem Haus Antonia Steffes, die das historische Gebäude von ihrem Großvater geerbt hat, ihr Lebenspartner Ralf Mischker und Sohn Luca. Die Familie ist seit ein paar Jahren dabei, das Haus umfangreich nach den strengen Vorgaben des Denkmalschutzes zu renovieren. Und als damit angefangen wurde, gingen Antonia Steffes und Ralf Mischker davon aus, dass der Ursprung des Gebäudes im späten 16. Jahrhundert zu finden ist. So ist es auch in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier festgehalten. Nun aber steht fest, dass diese Datenbank überarbeitet werden muss. Denn das Haus in der Bettinger Burgstraße ist deutlich älter. Und diese Erkenntnis verdankt die Familie nicht zuletzt dem Förderkreis Bettinger Geschichte.Der Verein hat nämlich im Zuge der Renovierung ein Labor für Dendroarchäologie aus Trier damit beauftragt, das genaue Alter des Vogthauses zu ermitteln. Bei der Dendroarchäologie wird mit Hilfe von Proben aus den im Gebäude verarbeiteten Hölzern die Baugeschichte rekonstruiert (siehe Extra).
Und genau das hat Sibylle Bauer vom DendroLab Trier getan. "Das älteste Holz wurde im Winter 1427/1428 geschlagen", sagt Bauer. "Und da früher das Holz in der Regel direkt zum Einsatz kam, ist davon auszugehen, dass es wahrscheinlich 1428 verbaut wurde." Demnach ist das Haus also weitere anderthalb Jahrhunderte älter als bislang vermutet.

Historie noch lückenhaft


Wie Willi Fink vom Förderverein Bettinger Geschichte erklärt, ist das Vogthaus damit nicht nur das mit Abstand älteste Haus in Bettingen, sondern darüber hinaus auch eines der ältesten der Eifel. Zudem helfen die Laborergebnisse dem Förderverein auch dabei, der Grundsteinlegung der benachbarten Burg etwas näher zu kommen. "Wir haben in der Burgruine leider keine Balken, die wir untersuchen können", sagt Fink. Doch aufgrund der Tatsache, dass das Vogthaus genau gegenüber einem ehemaligen Burgeingang stehe, sei davon auszugehen, dass das Haus seinerzeit im Zusammenhang mit der Burg gestanden habe.
Ralf Mischker hat bereits eifrig im Internet recherchiert, um Näheres über die Geschichte des Vogthauses zu erfahren. Doch derzeit ist die Historie noch recht lückenhaft. "Jeder, der sich mit dem Haus beschäftigt, findet etwas neues", sagt Antonia Steffens, "und all das müsste man dringend mal zusammenfassen." Momentan stehe aber noch die Renovierung des Hauses im Vordergrund, erklärt sie. Denn die sei ja noch nicht abgeschlossen. "Wenn wir dann damit fertig sind, gehen wir an die Geschichte ran."
Extra
Dendrochronologie, abgeleitet von den griechischen Wörtern "dendron" (Baum) und "chronos" (Zeit), ist eine Datierungsmethode, mit der das genaue Alter von Holz bestimmt werden kann. Die Wissenschaft arbeitet dabei mit den Jahresringen der Hölzer, deren wechselnde Breite die Wuchsbedingungen eines Baumes widerspiegeln. Anhand dieser Ringe lassen sich Rückschlüsse auf die klimatischen Bedingungen einer Region zu, ob also beispielsweise ein Sommer sehr nass oder aber ein Winter sehr kalt war. Vergleicht man unterschiedlich alte Hölzer miteinander, so zeigen sich bei den zeitlichen Überlappungen der Hölzer Ähnlichkeiten des Wuchsmusters. Mit Hilfe dieser Überlappungen lassen sich Jahresringkalender erstellen, die so teilweise lückenlos mehr als 10 000 Jahre abdecken. Hat man also Holzproben, wie beispielsweise jene, die mit einem Hohlbohrer aus alten Balken des Bettinger Vogthauses gewonnen wurden, so kann man deren Wuchsmuster mit dem Jahresringkalender vergleichen und so das Fälldatum des Baums auf das Jahr und sogar die Jahreszeit genau bestimmen. uhe