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31.01.2011

Nur damit die Familie nichts erbt

Um seiner Verwandtschaft das Erbe vorzuenthalten, gründete ein Freiherr aus Niederweis im 19. Jahrhundert eine Stiftung zugunsten der Jugenderziehung.

Bitburg. (ves) "Meinen Verwandten vermache ich, weil es das Gesetz so will, vier gute Groschen und schließe sie von allem Übrigen, was mein Eigentum heißen kann, völlig aus." Was zunächst ein wenig herzlos der lieben Familie gegenüber klingt, hat in den vergangenen Jahren zahlreichen Menschen im Eifelkreis geholfen. Denn mit dieser Entscheidung, die Clemens Wenzeslaus Freiherr von der Heyden am 21. Juni 1836 in Niederweis in seinem Testament schriftlich fixierte, war die "Von der Heyden und von Schütz'sche Stiftung" gegründet.
 
Bis heute lautet die Satzung: "Zweck der Stiftung ist es, Hilfsbedürftige zu unterstützen und die Jugenderziehung zu fördern." Die Satzung basiert immer noch auf dem Testament des Stifters, das da weiter lautet: "Alles Übrige, was unvermacht bleibt, soll durch gefällige Vermittlung des Herrn Kreis-Landrates und Herrn Kreis-Dechanten entweder zur Erquickung bedrängter Armer oder zur Anstalt und Nutzen der Jugenderziehung verwendet werden und von mir vermacht sein, welchen beiden Herrn Vorgesetzten die besten Ratschlüsse überlassen werden." Auch der Stiftungsvorstand besteht bis heute aus dem Landrat, zurzeit Joachim Streit, und dem Dechant, zurzeit Klaus Bender.
 
Ganz so, wie es sich der Freiherr gewünscht hatte, kam es dann aber doch nicht: "Als Freiherr von der Heyden 1840 in einer Gaststätte in Trier verstarb, fochte die Verwandschaft das Testament an und bekam nach langjährigem Prozess nicht nur die vier guten Groschen, sondern 20 000 Taler", erklärt Michael Heinz, Geschäftsführer der Stiftung.
 
Doch aus dem übrigen Vermögen wurde die Stiftung errichtet. Hinzugekommen seien 40 000 Gulden vom Freiherrn von Schütz, so Heinz; daher auch der Doppelname der Stiftung.
 
Das Stiftungsvermögen beträgt einschließlich der Ländereien laut Heinz rund fünf Millionen Euro, darin enthalten sind das ehemalige Waisenhaus in der Kölner Straße in Bitburg, in dem heute der Sonderkindergarten und die St-Martin-Schule untergebracht sind, sowie der Waisenhauspark, das Gebäude des Kindergartens Liebfrauen und die Prümerburg.
 
"Von dem Schloss Niederweis, dem damaligen Wohnsitz des Stifters von der Heyden, trennte sich die Stiftung 2005 aus wirtschaftlichen Erwägungen", erklärt Heinz.
 
Inzwischen liegt der Förderschwerpunkt der Stiftung in der Jugenderziehung. Dazu zählen unter anderem jährlich finanzielle Beihilfen für bedürftige Kinder und Jugendliche zu Weihnachten. Und so hat sich Freiherr von der Heyden im Gedächtnis der Eifler fest verankert. Zur Erinnerung wird jährlich an seinem Grab in Niederweis eine Messe für ihn gelesen.
 
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