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Sechs Jahre Haft: 55-jähriger Eifeler soll Drogen-Transporte nach England organisiert haben

(Trier/Bitburg) Er soll Gehilfe einer Drogen-Bande gewesen sein und Transporte im europäischen Ausland ermöglicht haben: Das Landgericht Trier hat einen Mann, gebürtig aus dem Raum Bitburg, zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.

10.03.2016
Von Eileen Blädel
Mit Drogen hat der Angeklagte gar nichts am Hut: Weder habe er je welche genommen, noch kenne er sich besonders gut damit aus, sagt der 55-Jährige am Donnerstag vor der großen Strafkammer am Landgericht Trier. Trotzdem soll er mehrfach Rauschgift-Transporte von Belgien nach England organisiert haben – im ganz großen Stil. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Mann aus der Eifel soll gar Mitglied einer Drogen-Bande gewesen sein. 
Für die Fahrten, das wird der Angeklagte später auch gestehen, hatte er einen Mann angeheuert. Eben jener Lkw-Fahrer war es, der nach zwei erfolgreichen Geschäften beim dritten Versuch erwischt, in Belgien angeklagt und verurteilt wurde – und im Zuge der Ermittlungen tauchte dann auch der Name des Angeklagten auf. Das war im Jahr 2008. 

Seitdem aber wurde vergeblich nach ihm gesucht: Der 55-Jährige, der im Raum Bitburg geboren und aufgewachsen ist, lebt schon seit Jahren nicht mehr dort – sondern in England. Zuletzt hat er in der Londoner U-Bahn gearbeitet – bis er mehrere Schlaganfälle erleidet: Nur auf eine Krücke gestützt kann er den Gerichtssaal betreten. Doch im vergangenen Herbst kam er nach Deutschland: für die Beerdigung seiner Mutter. Dort erwartet ihn die Kripo Wittlich, ein Polizist spricht ihm das Beileid aus – und nimmt ihn fest.

Vor Gericht geht es um die Frage: Hat der Mann tatsächlich im Hintergrund die Fäden gezogen? Es soll 2007 und 2008 zu drei großen Drogen-Transporten gekommen sein: 85 Kilogramm Kokain von Braunschweig nach England, dann mindestens 150 Kilogramm Amphetamin von Belgien nach England und schließlich, im Februar 2008, nochmals 150 Kilogramm Amphetamin – die jedoch nie in England landeten, sondern bei der Polizei. 

Der Lkw-Fahrer, als Zeuge vor Gericht, bestätigt die Angaben, die Verteidigerin Martha Schwiering für den Angeklagten gemacht hat: dass der 55-Jährige ihn angeworben und ihm gesagt habe, wo er etwas auf- und wieder abzuladen habe – aber dass der Angeklagte nie selbst dabei gewesen sei. Der Fahrer soll als Lohn 6000 Pfund erhalten haben, der Angeklagte 2000 Pfund. 

Der Angeklagte, der sich zu Beginn auch eingelassen hat auf einen Deal – eine Verfahrensabkürzung für ein Geständnis –, sagt: Auch er selbst habe nur die Befehle eines anderen ausgeführt. 
Zu dem Schluss kommt auch die Kammer: Wenngleich er „einen logistischen Aufwand betrieben“ und „einen erheblichen Tatbeitrag geleistet“ habe, wie der Vorsitzende Richter Armin Hardt sagt, so sei er doch nur ein „Gehilfe“ der Drogen-Organisation gewesen. 

Ein Dritter auf freiem Fuß

Wegen Beihilfe zum bandenmäßigen Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge wird der 55-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. 
Verteidigerin Martha Schwiering hat zuvor darauf hingewiesen, dass es ihn am Härtesten von allen treffe: So war der Lkw-Fahrer in Belgien zwar zu drei Jahren Haft verurteilt worden, verbüßen musste er aber nur acht Monate. Und der mutmaßliche Autraggeber, ein in den Niederlanden lebender Londoner, ist, nachdem 2009 das Verfahren gegen ihn ausgesetzt worden war, heute auf freiem Fuß. 

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