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Unterschreiben, damit sich was ändert: Ein Familienvater steckt hinter der Online-Petition, die die Eifel bewegt

(Menningen) Mehr als 16.000 Menschen aus Deutschland haben sie unterschrieben: die Online-Petition, die Rheinland-Pfalz zur Klage gegen Cattenom und Tihange auffordert. Den Anstoß gegeben hat Oliver Thömmes. Wir haben mit dem Familienvater aus Menningen gesprochen – über den Sinn der Aktion, was eine Klage bedeuten würde und warum er auf eine atomfreie Zukunft hofft.

09.06.2016
Eileen Blädel
Die störanfälligen Kraftwerke Cattenom und Tihange machen den Menschen in der Region Angst. Wie sehr sie das Thema bewegt, haben auch die Reaktionen gezeigt, die der offene Brief von Joachim Streit an Frankreich und Belgien im Internet auslöste (der TV berichtete). Der Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm kämpft für eine Klage – und ruft insbesondere im sozialen Netzwerk Facebook immer wieder dazu auf, eine Online-Petition zu unterschreiben, die genau das von der Landesregierung fordert. 

Doch hinter der Petition steckt nicht etwa der Landrat selbst, sondern ein 47-jähriger Familienvater aus Menningen: Oliver Thömmes. Er habe, inspiriert von Streits offenem Brief, die Petition gestartet – unwissend, dass sie so viel Unterstützung erfahren und so viel Aufmerksamkeit erhalten sollte. „Am Anfang dachte ich: 1000 Unterschriften, die wären schon toll“, sagt Thömmes. Inzwischen sind es mehr als sechzehn Mal so viel. 

Gesprochen hat er seitdem noch nicht mit Joachim Streit – obwohl Thömmes ihn kennt: durch sein Amt als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, um das er sich neben seinem Engagement im Akkordeon-Orchester und seiner Arbeit als Projektleiter in einem Trierer Marktforschungsinstitut kümmert. Thömmes ist einer, der sich engagiert. Einer, der sagt: „Der Mensch tut gut daran, seine Welt nicht kleiner zu machen, indem er sich zurückzieht, sondern größer, indem er sie mitgestaltet.“

Er betont, er habe vor allen Dingen als Vater gehandelt – seine Söhne sind elf und 13 Jahre alt. Und als Bürger, der auf ein Zeichen der Politik hofft: „Die Petition ist auch ein Versuch, festzustellen, inwiefern die Landesregierung die Ängste und Sorgen der Menschen ernst nimmt, und ob sie das als Auftrag versteht – zunächst unabhängig davon, ob eine Klage wirklich erfolgreich wäre“, sagt er. 

Er hält es für ein „starkes Signal, wenn ein Bundesland eine solche Klage einreicht“. Sein Wunsch wäre genau das – ebenso wie eine atomfreie Zukunft, doch bis dahin, glaubt er, „ist es noch ein langer Weg“.

Was da aber gerne mal als „german angst“ belächelt werde, sei keine abstrakte Größe, sondern ganz real. Auch tue hoffentlich keiner die Aktion als nicht gewichtig ab, nur weil sie überwiegend online stattfinde – wenn doch, solle man doch nur mal einen Blick in die Kommentare auf der Seite werfen: „Da ist die Rede von der Sorge um das eigene Hab und Gut, der Gedanke, unversehrt bleiben zu wollen – am eigenen Leib genauso wie die Landschaft, die man an seine Kinder weitergeben möchte. Und es fällt immer wieder ein Begriff: Heimat“, erzählt Thömmes.

Am Ende werde er alle Unterschriften ausdrucken, kündigt er an: allein schon, weil er ihr Gewicht symbolisieren will – neben den „paar Kisten Papier“, die das dann wohl werden. Bei mehr als 16.000 Unterschriften von Bürgern aus Rheinland-Pfalz holen die Betreiber der Internet-Plattform eine Stellungnahme beim Landtag ein. Thömmes schätzt, dass diese Marke vielleicht auch erreicht werden könnte – bis zum Montag, 20. Juni: Dann endet die Petition. 

Und Oliver Thömmes ist dabei, sich zu überlegen, was mit den Unterschriften passiert – und wem er sie übergeben soll: „Spontan fallen einem ja die üblichen Verdächtigen ein.“ So wirklich weiß er das noch nicht. An diesem Punkt aber werde er Joachim Streit dann einbeziehen – „auch einfach, weil ihm das zusteht“, sagt Thömmes. 

Und für die kommenden Tage gilt: „Es ist noch Luft nach oben. Je größer das wird, desto lauter wird der Ruf. Und je lauter der Ruf, desto weniger kann man so tun, als höre man ihn nicht.“ 
 

Extra Das sagt der Landrat

Wohl keiner unterstützt die Petition so sehr wie Joachim Streit: „Am Anfang hab ich gedacht, es sei einfach, die Leute zur Unterschrift zu bekommen. Aber das ist wie beim Kirschenpflücken: Man muss doch die Leiter an jeden Ast stellen und jede einzelne in den Korb legen.“ Insbesondere das soziale Netzwerk Facebook nutzt der Landrat, um die Petition in die Welt zu tragen. Den ein oder anderen Beitrag hat er sich auch etwas kosten lassen, bestätigt er. Protagonist des Ganzen habe er jedoch nie sein wollen, und dass Oliver Thömmes das gemacht habe, das findet der Landrat „richtig klasse“: Dieser sei „ein Bürger, der sich was denkt, er hat den Anstoß dazu gegeben“. Streits Weg indessen: Er hat weitere Briefe geschrieben – an Malu Dreyer, an Volker Wissing und Katharina Binz. Eine Antwort habe er noch nicht. Wenn Rheinland-Pfalz das gleiche Signal setzen würde wie Nordrhein-Westfalen, das sich der Klage gegen Tihange angeschlossen hat, „das wäre schön“, sagt er. Am Dienstag, 14. Juni, übergibt zudem die Dreiländer Region Aachen gegen Tihange das Informations- und Auskunfstersuchen an die EU-Kommission in Brüssel – Mitglieder der Allianz sind auch die Kreise Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel. Vielleicht hilft am Ende auch die Petition: „Wenn man eine Idee hat und die ist gut“, sagt Streit, „dann gilt das bis zum letzten Tag.“ 

Extra Aktionen

Eine Region hält zusammen: Die Junge FWG Badem hat mehr als 350 Unterschriften an einem Tag in Badem gesammelt – jetzt geht es andernorts weiter, zum einen in Speicher in kleiner, privater Mission: Dort geht Brigitte Schenz-Mehles auf die Straße, und zwar am Samstag, 11. Juni. Zwischen 10 bis 16 Uhr sammelt sie vor der Kreissparkasse weitere Unterschriften für die Online-Petition. Unterschriftenlisten liegen dort zudem bereits in Einzelhandelsgeschäften aus – ebenso in einigen Läden in Bitburg, wo offenbar bislang mehr als 500 Unterschriften zusammengekommen sind. Zum anderen nutzt Mettendorf zwei anstehende Veranstaltungen, um Unterschriften zu sammeln: Wie Bürgermeister Paul Lentes bestätigt, wolle man am Sonntag, 12. Juni, beim TV-Wandertag sowie am Sonntag, 19. Juni, beim Raderlebnistag Südeifeltour die Sache unterstützen. Dazu Oliver Thömmes: „Ich freue mich wirklich sehr über alle, die mit mir an einem Strang ziehen.“

Hier unterschreiben:
www.openpetition.de/petition/online/klage-der-landesregierung-rlp-gegen-cattenom-und-tihange