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18 Stunden Kampf gegen das Feuer Nur für Frauen

Ein Millionenschaden ist beim Brand des Hotels "Anna Maria" in Daun entstanden. Der Dachstuhl des Hotels hatte am frühen Sonntagnachmittag Feuer gefangen. Die Kriminalpolizei wird die genaue Schadenshöhe und die Brandursache ermitteln. Rund 150 Einsatzkräfte der Feuerwehrkräfte aus der Verbandsgemeinde Daun und Gerolstein waren auch noch in der Nacht im Einsatz.

22.10.2007
Von unserem Mitarbeiter Helmut Gassen
Daun. Der Morgen danach: Nur noch aus dem Schornstein des Hotels qualmt es ein wenig, aber vom Hotel "Anna Maria" ist nur noch Schutt übrig. Beim größten Brand in Daun seit langem wurde das Hotel zerstört und kann wohl nur noch abgerissen werden.

Sonntagmittag: Anwohner sehen schon um die Mittagszeit eine Rauchentwicklung im Bereich des Schornsteins. Auch der Dauner Wehrführer Friedhelm Marder fährt um die Mittagszeit noch am Hotel vorbei, sieht aber nichts Auffälliges.

Im Hotel ist Hotelchef Srec´ko Cagalj beim Grillen für seine Gäste: "Ich habe im Restaurant gegrillt wie sonst auch. Als die Gäste weggehen wollten, sahen sie den Rauch oben, aber da war es schon zu spät." Im oberen Stockwerk ist aus dem Kamin wahrscheinlich Hitze nach außen getreten und hat sich am Holz oder einem anderen Stoff entzündet. Um 14.29 Uhr wird die Feuerwehr alarmiert.

"Wir sind in zwei Minuten vor Ort gewesen. Von weitem hat man schon das enorme Ausmaß des Brandes gesehen", berichtet Wehrführer Marder. Inzwischen hängt eine riesige Rauchwolke über dem Hotel, Flammen schlagen aus den Fenstern. Die Feuerwehren Daun, Mehren und Darscheid bekämpfen das Feuer. Gäste sind keine mehr im Hotel. Nach und nach werden immer mehr Wehren zur Unterstützung gerufen: aus Gerolstein, Neroth, Gillenfeld, Waldkönigen, Dreis und Dockweiler. Der Gasversorger hat die Gasleitung abgeklemmt, und das Wasserwerk hatte die Leitungen umgestellt, damit die Feuerwehr genug Druck hat. Marder: "Wir konnten das Hotel nicht betreten. Wenn wir hinein gegangen wären, wären unsere Leute nicht mehr heraus gekommen."

Die Bemühungen, das Feuer schnell zu löschen, gelingen nicht. "Einen Brand mit einem solchen Ausmaß gab es noch nicht hier. Das war ja alles Holz, und es gab keine Abschnitte, die das Feuer aufhalten konnten. Im Gebäude herrschten unglaubliche Temperaturen, es war ein Wahnsinn. Das Feuer hat sich nicht ablöschen lassen. Wenn wir irgendwo aufgehört haben, hat es sich sofort wieder entzündet", berichtet Marder. Auch die Bemühungen, ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäudeteile zu verhindern, schlagen teilweise fehl. Das Nachbargebäude, das durch einen Durchgang mit dem Hauptgebäude verbunden ist, fängt Feuer.

"Hier brennt mein ganzes Leben"

Mittendrin steht ein verzweifelter Hotelchef Srec´ko Cagalj und muss sich den Niedergang seiner Existenz anschauen. "Hier brennt mein ganzes Leben, und es ist zerstört. Jetzt verdiene ich kein Geld mehr; ich bin bankrott. In dieses Haus habe ich mein ganzes Leben gesteckt. Was soll ich tun, ich habe keine Zukunft mehr", sagt er verzweifelt. "Nach und nach habe ich alles renoviert. So etwas kann man nicht mehr aufbauen". 1993 kaufte der Kroate das Haus und nannte es "Anna Maria". Das Hotel verfügte über 24 Doppelzimmer, zehn Einzelzimmer und ein Restaurant.

Inzwischen sind rund 150 Feuerwehrkräfte im Einsatz und bekämpfen den Großbrand aus allen Richtungen. Das Technische Hilfswerk (THW) leuchtet das Umfeld des Hotels aus. Sofort mit der Brandalarmierung war auch der Rettungsdienst am Brandort, der auch einen Üdersdorfer Feuerwehrmann wegen einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus brachte.

"Nachdem der Brand sich ausweitete, wurde nachalarmiert. Das Rote Kreuz aus Daun rückte an und stellte zur Betreuung von eventuellen Hotelgästen und der Feuerwehr ein Zelt auf. Im beheizten Zelt konnten die Feuerwehrleute sich ausruhen, bekamen Essen und Getränke. Zudem hatten wir einen Notarzt und ein Sanitätszelt eingerichtet, wo wir eventuell betroffene Wehrleute, die Rauchgas eingeatmet hatten oder verletzt wurden, versorgen konnten", berichtet Günther Lorig, organisatorischer Leiter des DRK. Vier Zelte für Verpflegungszubereitung, das Sanitätszelt und zwei Zelte zum Ausruhen der Feuerwehrleute wurden vom DRK aufgebaut. Lorig: "Eingesetzt waren von uns rund 50 Kräfte, darunter die Schnelleinsatzgruppen (SEG) vom Roten Kreuz aus Daun und Dockweiler, die Verpflegungsgruppe des SEG aus Gerolstein im Einsatz, die Sanitätseinheit der SEG aus Jünkerath, wir hatten aber noch andere Leute in der Hinterhand."

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt waren die Einsatzkräfte die ganze Nacht tätig. Die Feuerwehr versuchte auch, mit Schaum das Feuer zu bekämpfen, doch auch das half nichts. Erst nach rund 18 Stunden war das Feuer gelöscht. Um 9.30 Uhr am Montag räumten die Einsatzkräfte die Gerätschaften weg.

Daun. (A.M. ) Im Jahr 1911 ließ die Firma Tietz, die ein sehr großes Warenhaus in Köln betrieb, im Tal der Lieser mehrere Häuser in Holzbauweise errichten. Sie sollten den weiblichen Angestellten als "Erholungs- und Ferienheim" dienen, damit diese sich auf dem Land bei bester Luft und gesunder Ernährung besser von ihrer Arbeit erholen konnten.

Die braunroten Blockhäuser mit ihren weißen Fensterrahmen bereicherten das Ortsbild von Daun beträchtlich. Die Anlage bestand aus einem recht großen Wirtschaftsgebäude und zwei kleineren Schlafgebäuden, die durch überdachte Gänge miteinander verbunden waren. Daneben besaßen die Häuser bereits Badezimmer und Toilettenanlagen und hatten viele Räume zum Lesen, für Gesellschaftsspiele und zur Freizeitgestaltung.

Bis zu 700 Personen konnten so während der Sommermonate in den 22 Zimmern mit je zwei Betten Erholung finden. Mehrmals in der Woche hielt ein Dauner Arzt Visite und ließ den gesundheitlichen Fortschritt und die Gewichtszunahmen der Gäste sorgfältig notieren.

Während der Jahre des Nationalsozialismus musste das jüdische Unternehmen Kaufhof-Tietz auch das Dauner Anwesen verkaufen. Neuer Besitzer wurde die "Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime" mit Sitz in Wiesbaden. Seit dieser Zeit wurde es "Kaufmanns-Erholungsheim" genannt.

Während der Kriegsjahre dienten die Räumlichkeiten als Lazarett, und nach Ende des Krieges wurde 1947 ein "Pädagogium" eingerichtet, in dem Volksschullehrer ausgebildet wurden und das 1948 existierte. 1972 erwarb die Stadt Daun die Gesamtanlage und verkaufte sie an einen Privatmann. Die Baulichkeiten wurden dann zum "Parkhotel Liesertal" umgebaut, das seit 1993 unter dem aktuellen Namen "Anna Maria" geleitet wurde.