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Die Mahlsteine der alten Densborner Wassermühle drehen sich wieder

Anne-Marion Pothaar betreibt die alte Densborner Wassermühle und bietet Führungen für Alt und Jung an

(Densborn) Wenn die Zahnräder rattern und es nach heißem Metall riecht, dann drehen sich die Mahlsteine in der Densborner Wassermühle wieder. Die Niederländerin Anne-Marion Pothaar hat das alte Gebäude 2008 übernommen, auf Vordermann gebracht und wieder in Betrieb genommen.

11.08.2015
Christina Libeaux
Densborn. Eilig stürmen 18 Kinder aus dem Bus und nehmen das Areal der Densborner Mühle ganz ohne Scheu in Beschlag: "Ist das schön hier!" Die Schüler laufen in den Innenhof, sichern sich einen der pinken Plastikstühle. Sie sind gespannt auf den Tag. Für sie ist dieser Ausflug der Abschluss der vierten Klasse an der Grundschule Dudeldorf.

Neugierig folgen die Schüler dem Wasserlauf. beginnend am Teich, vorbei am Märchenwald, in dem ein aus Naturmaterialien gefertigtes Königspaar wacht, vorbei am riesigen Rhabarber und den kleinen Nutzgärten, wo das Wasser durch ein Betonbett gurgelt. Dort fallen sie auf die Knie, tauchen die Hände in das klare Nass. Staunend stellen sie fest: "Das ist ja total sauber! Und eiskalt!" "Kann man das trinken", wollen sie von Armin Sommer wissen, der hier mitarbeitet. Klar könne man, wenn es einem schmeckt.

Das Klappern beginnt


Weiter geht’s zum Mühlrad - das sich gar nicht dreht! Sommer verschwindet schnell im Mühlengebäude und erscheint kurz darauf an einem Fenster über dem Mühlenrad. Eine letzte Klappe muss er noch öffnen, damit das Wasser nicht über das Rad hinausschießt, sondern in die Schaufeln läuft. Dann setzt sich das Rad träge in Bewegung. Sofort setzt auch das charakteristische Klappern ein. Es ist allerdings weniger das vielbesungene Klick-klack - eher ein schnelles Klacker-klacker-klacker.

Vor dem Mühlhaus hat Sommer eine alte Mehlsack-Waage aufgebaut. Begeistert wiegen die Kinder ihre Klassenkameraden. Sie stellen Gewichte auf die eine Waagschale, schieben an der Feinjustierung. Im Vergleich zu einer Digitalwaage ist das Ganze doch ein bisschen komplizierter. "Früher brauchte man Zeit für das Wiegen", erkärt Sommer. "Heute muss man einfach nur noch einen Knopf drücken." Mit ein bisschen Rechnen können die Schüler dann doch das Gewicht der ersten Schülerin verkünden: "28 Kilogramm!"

Es riecht nach heißem Metall


Durch eine unauffällige Holztür geht es in das Herzstück der Mühle. Sommer ermahnt die Kinder vorsorglich: "Hier dürft ihr nichts anfassen! Das kann sonst sehr gefährlich werden, denn die Maschinen kann man nicht einfach stoppen." Ein wenig ehrfürchtig betreten die Schüler den kleinen Raum. An der gegenüberliegenden Wand drehen sich die Zahnräder, der Bereich ist in der Hälfte des Raumes abgesperrt. Sie scharen sich um Sommer, klettern auf die schmale Holztreppe, die in den ersten Stock hochführt, um einen guten Blick zu erhaschen.

Das Licht ist schummrig. Der Geruch von heißem Metall liegt in der Luft. Er kommt von den Verbindungsstangen der einzelnen Zahnräder, die unablässig ineinandergreifen. Sommer zeigt, wo die Achse vom Wasserrad aus der Wand kommt und die Bewegung auf ein Zahnrad überträgt; wie das große Zahnrad in das kleine greift, das sich viel schneller dreht. Wie die Kraft dann auf eine senkrecht stehende Achse übertragen wird, die die Mühlsteine im oberen Stock antreibt.

Im Obergeschoss mahlen derweil schon die Mühlsteine aufeinander. Viel sieht man nicht von dem Vorgang, deswegen muss Sommer die Kinder immer wieder ermahnen, nicht mit den Händen in das Gerät zu fassen. Dafür dürfen sie den Trichter mit Buchweizen füttern. Gespannt beobachten sie, wie die Körner in das Loch in der Mitte der Steine fallen und vom sich auf und ab bewegenden Tanzmeister zwischen die Mahlsteine weitergeschleudert werden. Jetzt heißt es nur noch ein bisschen warten, dann rieselt schon das erste Vollkornmehl heraus.

In früheren Tagen fiel es durch ein Loch im Boden in einen großen Sack. Heute fangen die Kinder es in Plastikschüsseln auf. Das weiße Mehl ist durchsetzt von Schrot und vereinzelten Strohresten. Bevor damit gebacken werden kann, muss es gesiebt werden. Überall in der Mühle hängt feiner Mehlstaub in der Luft. Er legt sich auf Haare, Brauen und Wimpern.

Nach einer kurzen Stärkungspause beginnt der zweite Abschnitt. Ausgestattet mit Kochmützen und Schürzen geht es ans Pizzabacken. Den Teig hat Pothaar schon vorbereitet. 150 Gramm Teig wiegen die Kinder mit einer altmodischen Küchenwaage mit zwei Laufgewichten ab. Pothaar zeigt, wie man mit dem Gewicht alles einstellt und wiegt die erste Portion ab, dann übernehmen die Kinder.

Beim Ausrollen des Teiges bleiben einige Pizzen weit von der üblichen, runden Form entfernt. "Meins sieht aus wie Afrika", rufen gleich mehrere Schüler. Aber beim Pizza-Belegen macht ihnen niemand etwas vor.
Und egal, ob die Pizza aussieht wie Afrika, riesige Blasen geworfen hat, so groß geworden ist, dass sie kaum auf den Teller passt, oder der Paprika-Mund sich beim Aufschneiden in Richtung Pilz-Nase geschoben hat - jeder ist überzeugt, die schönste Pizza gemacht zu haben. Und natürlich schmeckt die eigene auch am besten.

Uneinigkeit herrscht auch im Hinblick auf die besten Momente an diesem Tag. Es könnte das Pizzabacken gewesen sein, vielleicht aber auch das Pizza-Essen oder als das erste eigene Mehl durch die Hände rieselte …
Extra
Die Densborner Wassermühle habe sie von Grund auf renovieren müssen, er zählt Anne Marion Pothaar. Den Großteil bezahlt sie dabei aus eigener Tasche, Zuschüsse erhält sie aus dem Dorferneuerungsprogramm. Wassermühle Densborn, Meisburgerstraße 38, 54570 Densborn, Telefon: 06594/922831, E-Mail: info@densbornerwassermuehle.de cli