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Wichtiger Schritt zum A-1-Lückenschluss - Bundesverkehrswegeplan wird am 16. März in Berlin vorgestellt

(Daun/Mainz/Berlin) Ob die in Mainz regierende rot-grüne Koalition weitere fünf Jahre regieren darf oder die CDU nach 25 Jahren in der Opposition wieder an die Macht kommt, entscheiden die Wähler am Sonntag. Ob die von der Landesregierung an das Berliner Verkehrsministerium gemeldete Projekte für den Bundesverkehrswegeplan eine Chance auf Realisierung haben, steht wenige Tage später fest.

09.03.2016
Am 16. März wird Ressortchef Alexander Dobrindt (CSU) bei einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses des Bundestags den Plan vorstellen. Gut 2000 einzelne Posten umfasst die Liste der Projekte, die die Länder beim Bund angemeldet haben. 

Der Dauner Dieter Brill, Sprecher des Bündnisses Pro A 1, erwartet eine „gute Nachricht aus Berlin“. Nämlich die, dass der A-1-Lückenschluss als „vordringlicher Bedarf plus“ im Verkehrswegeplan stehen wird. Diese Einstufung ist enorm wichtig für den Weiterbau der Autobahn in der Eifel. Denn nur dadurch besteht eine realistische Chance, dass das Projekt finanziert und damit überhaupt verwirklicht werden kann. „Ich habe darüber schon mit Peter Ramsauer in seiner Amtszeit als Bundesverkehrsminister und auch mit seinem Nachfolger Alexander Dobrindt darüber gesprochen. Beide haben signalisiert, dass der Lückenschluss in den vordringlichen Bedarf kommen wird. Deshalb bin ich guter Dinge und blicke dem offiziellen Verkündungstag gelassen entgegen.“ 

Aus seiner Sicht ist das Land gefordert, seine Hausaufgaben zu machen, um „endlich ins Planfeststellungsverfahren und zu Baurecht zu kommen.“ Baurecht ist Voraussetzung dafür, dass Geld aus Berlin bereitgestellt wird. Und dort sind die Kassen momentan dank der nach wie vor sprudelnden Steuereinnahmen so gut gefüllt wie lange nicht mehr. 

Über eine Jahreszahl, wann der Lückenschluss geschafft ist, will Brill allerdings nicht spekulieren. „Beim A-1-Forum im November vergangenen Jahres in Daun ist erläutert worden, wie viele Unwägbarkeiten drin stecken. Vor allem: Wie lange wird ein Klageverfahren dauern?“ Andere haben die Hoffnung schon aufgegeben, nicht so Dieter Brill. „Ich bin überzeugt, dass ich den Lückenschluss noch erleben werde“, sagt der 61-Jährige. 

Hans-Josef Gräfen ist Spediteur mit Firmensitz im Gewerbegebiet Nerdlen-Kradenbach, in der Nähe der A-1-Anschlussstelle Gerolstein. „Natürlich haben sind meine Berufskollegen und ich großes Interesse daran, dass der Lückenschluss kommt“, sagt der 57-Jährige. „Aber es geht es hierbei doch nicht nur um uns, sondern um die Zukunft unserer Region.“ Die brauche einen möglichst schnellen Zugang zu den Ballungsräumen, „damit junge Leute die Option haben, hier zu leben und beispielweise im Ballungsgebiet um Köln zu arbeiten“, sagt Gräfen. „Oder der umgekehrte Fall: Leute von dort können in der Vulkaneifel arbeiten, weil sie über die Autobahn zügig hierher kommen.“ Es gebe viele Beispiele, die belegen: „Wo Autobahn ist, ist Industrie, wo Industrie ist, ist Zuzug.“ Den brauche die Eifel, „sonst werden wir spätestens 2030 bitter bereuen, nichts getan zu haben.“ 

Wie geht es weiter, wenn wie durchweg erwartet der A-1-Lückenschluss mit höchster Priorität in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird? Nach Mitteilung des rheinland-pfälzischen Infrastrukturministers Roger Lewentz (SPD) soll das Planfeststellungsverfahren für das Teilstück Adenau bis Kelberg in diesem Jahr offiziell wieder aufgenommen werden. Umweltschützer aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kritisieren, dass beim Ausbau der A.1 die Landschaft und der Lebensraum seltener Tiere zerstört werde. Sie haben bereits angekündigt, gegen den Weiterbau zu klagen. 

Dazu sagt Lewentz: „Es ist jedermanns Recht, zu klagen. Die Aufgabe unserer Planer ist es, das Projekt so vorzubereiten, dass es möglichst keine juristische Angriffsfläche gibt. Die Naturschutzaspekte sind besonders geprüft worden, und die Experten sagen: Ja, es ist möglich, naturverträglich den Lückenschluss zu realisieren.“ 
 
Meinung
Kommt endlich zu Potte!

Für den gemeinen Eifeler ist schon lange nicht mehr vermittelbar, was da seit Jahrzehnten geprüft und untersucht wird, ohne dass eine vor allem zeitlich realistische Perspektive rausgekommen ist, wann die Lücke endlich geschlossen wird. Derzeit ist die Chance, an Geld zu kommen, wohl so gut wie noch nie, in Zeiten, in denen der Bund ausnahmsweise mal im Geld schwimmt. Und die Bevölkerung ist trotz vieler Enttäuschungen immer noch mit großer Mehrheit pro Lückenschluss eingestellt. Deshalb die Forderung: Kommt endlich zu Potte! Zum Ausbau gibt es keine Alternative.  s.sartoris@volksfreund.de
Extra
Die A 1 ist eine der ältesten und längsten Autobahnen Deutschlands. Sie führt über 732 Kilometer von Heiligenhafen an der Ostsee bis nach Saarbrücken. Die Lücke in der Eifel zwischen Blankenheim in Nordrhein-Westfalen und der Anschlussstelle (AS) Kelberg (bei Dreis-Brück) ist rund 25 Kilometer lang. Drei Teilstücke müssen noch gebaut werden: ein sechs Kilometer langes von Tondorf nach Lommersdorf (Planfeststellung eingeleitet), ein knapp neun Kilometer langes von Lommersdorf bis zur AS Adenau und eine elf Kilometer lange Trasse von der AS Adenau bis zur AS Kelberg. Die Kosten für den Lückenschluss werden auf etwa 400 Millionen Euro geschätzt. sts

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