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Ein Besuch, der vielen nicht schmeckt - AfD-Wahlkampfveranstaltung in Gerolstein

(Gerolstein) Der AfD-Wahlkampfveranstaltung im Gerolsteiner Rondell mit Beatrix von Storch, Alice Weidel und Sebastian Münzenmaier stellt sich am Freitag ein breites Bündnis entgegen - mit einem Stadt-Picknick. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

03.08.2017
Vladi Nowakowski
Ursprünglich war das Stadt-Picknick unter dem Motto "Alle an einem Tisch" auf dem Brunnenplatz geplant, darf nun aber auf dem Parkplatz unterhalb des Rondells ablaufen - und damit direkt vor den Augen der AfD-Parteimitglieder, die am Freitag in der Stadthalle zusammenkommen.

"Wir wollen Präsenz zeigen und uns nicht am anderen Ende der Stadt verstecken", sagt Christa Karoli vom Gerolsteiner Forum Eine Welt, einem der vielen Veranstalter der Aktion unter dem Motto "Die Eifel bleibt bunt".
Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) dagegen hält es für unvernünftig, "der AfD auf die Pelle zu rücken", wie er es nennt. "Das wertet diese Partei nur unnötig auf."

Er habe die Stadt zu schützen und wegen des Standortwechsels Bedenken, dass die Veranstaltung am Freitag so, wie von allen Seiten gewünscht, friedlich bleibe. Zweifel daran streut vor allem eine schriftliche Anfrage von Mario Hompes, des stellvertretenden Vorsitzenden des AfD-Kreisverbandes Vulkaneifel an den Bürgermeister, die dem TV vorliegt.

Darin will Hompes wissen, mit welcher Personenzahl vor dem Rondell zu rechnen sei und bittet: "Uns über eventuelle Kundgebungen im Bereich der Stadthalle zu informieren, so dass wir unseren Sicherheitsdienst informieren können."
Im Telefongespräch mit dem TV beklagt Mario Hompes, dass die AfD, eine demokratisch legitimierte Partei, bei ihren Veranstaltungen fast überall auf Protest stoße. "Meiner Meinung nach sind die Menschen falsch informiert, sonst gäbe es diese Proteste nicht."

Ausdrücklich sei darum auch die Presse eingeladen, um Bericht zu erstatten. "Wir rechnen mit rund 250 Besuchern der Wahlkampfveranstaltung", sagt Mario Hompes.

Sechs Sicherheitsleute aus den eigenen Reihen bringe die Partei nach Gerolstein mit, "sicherlich ist auch das Landeskriminalamt vor Ort und sorgt für Sicherheit", sagt Hompes, der darüber hinaus von einer weiteren Gegenveranstaltung auf dem Gelände des Gerolsteiner Brunnens wissen will.

"Nein, davon ist uns nichts bekannt", sagt Polizeihauptkommissar Alfred Haas von der zuständigen Polizeiinspektion Daun. Im Hinblick auf die Veranstaltung am Freitag seien keine besonderen Maßnahmen geplant. "Aber mit Sicherheit zeigt die Polizei Präsenz", sagt Haas.

Die Anzahl der in Gerolstein eingesetzten Beamten will der Hauptkommissar nicht benennen. Dies seien taktische Entscheidungen, über die er keine Auskunft geben könne.

Die Veranstalter des gemeinsamen Stadt-Picknicks legen ausdrücklich Wert darauf, dass sie keine Gegenveranstaltung planen: "Wir wollen zeigen, dass die Menschen in der Eifel weiterhin in Vielfalt leben wollen", sagen Ruth Bahadori und Christa Karoli.

Auf dem Programm stehen unter anderem eine Kunstaktion und viel Live-Musik. Alles in allem soll die Aktion Menschen miteinander ins Gespräch bringen, denen der Rechtsruck in Deutschland Sorge bereite.

"Ein friedliches Beieinander, wir wollen niemanden provozieren und vor allem keinen Spießrutenlauf für AfD-Mitglieder veranstalten", sagt Karoli. "Vielleicht können alle die Eifeler kommen, denen das Weltbild der AfD nicht passt", sagt Jens Jenssen, der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion. Quer durch alle Parteien herrsche Konsens darüber, dass man die AfD-Veranstaltung nicht unkommentiert lassen solle.

"Viele Mitglieder des Kreistags werden am Freitag vor Ort sein und diesen bunten Abend, an dem alle zeigen können, dass sie sich ein friedliches Miteinander wünschen, unterstützen", sagt Jenssen.

Auch Christoph Heymann, Ratsmitglied der SPD Hillesheim, nimmt teil: "Darum, weil die Gefahr herrscht, dass sich rechte Strukturen in der Gesellschaft verfestigen.

Die öffentlichen Äußerungen der AfD sprengen den Konsens unter den demokratischen Parteien, Ursachen für alle Probleme werden immer bei den Schwächsten der Gesellschaft gesucht."