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Mit dem Schiff nach Trier - Vor 500 Jahren besuchte Kaiser Maximilian die Moselstadt

(Trier) Kaiser Maximilian war Herrscher des Heiligen Römischen Reiches, als er 1512 für einige Zeit zu Besuch in Trier weilte. Hier traf er sich mit Fürsten und Bischöfen und bestaunte den Heiligen Rock. Was Maximilian in Trier sonst alles anstellte und wozu er seine Fürsten versammelte, das erklärt Andreas Tacke.
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Er ist Professor für Kunstgeschichte an der Universität Trier und hat zusammen mit seinen Studenten einen Reiseführer zur Wallfahrt geschrieben. Das Interview führte Lucky-Reporter Miguel Castro.

Kaiser Maximilian wird manchmal als „letzter Ritter“ seiner Zeit beschrieben, er liebte Ritterturniere und die Jagd. Doch zu seiner Zeit gab es keine Ritter mehr, stattdessen wurde mit Kanonen gekämpft. Und Bücher wurden nicht mehr mühevoll mit der Hand geschrieben, sondern mit einer Maschine gedruckt. 
Andreas Tacke: Maximilian gehörte sowohl zum Mittelalter als auch zu unserer modernen Zeit. Er wollte als Ritter oder jemand mit ritterlichen Tugenden gesehen werden. Auf der anderen Seite benutzte der Kaiser aber als einer der ersten neue Erfindungen wie den Buchdruck, um sich selbst als guter oder weiser Herrscher darzustellen.
 
Maximilian war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Wie mächtig war ein Kaiser?
Andreas Tacke: Maximilian war nicht der große Chef des Reiches, er musste vielmehr den auch mächtigen Fürsten schmeicheln oder – wenn es nicht anders ging – auch drohen, wenn er zum Beispiel Geld oder Soldaten und einen Feldzug haben wollte. Dazu diente der Reichstag, die Versammlung des Kaisers und der Mächtigen des Reiches. Bei der Versammlung in Trier wurde aber nichts beschlossen. Der Reichstag zog weiter nach Köln, wo dann die Beschlüsse gefasst wurden.
 
Was hat der Kaiser die ganze Zeit in Trier gemacht?
Andreas Tacke: So ein Reichstag dauerte mehrere Monate. Und da musste man die Fürsten unterhalten, damit ihnen nicht langweilig wurde. Es gab für die Gäste Turniere und Feste. Maximilian ließ auch mit einer Kanone auf römische Ruinen schießen oder ging auf Falkenjagd. Er hatte sogar einen Seehund nach Trier mitgebracht, den er in einem großen Teich aussetzen ließ. Dann machten der Kaiser und seine Gäste Jagd auf das Tier. Weil sie aber den Seehund nicht treffen konnten, griff der Kaiser zu einer gemeinen List – er ließ das Wasser aus dem Teich ab.
 
Wie ist der Kaiser denn nach Trier gereist? 
Andreas Tacke: Mit einem Schiff über die Mosel – und zwar flussaufwärts von Koblenz kommend. Pferde mussten am Ufer entlang Maximilians Schiff gegen die Fließrichtung des Wassers ziehen. Dabei erhielt der Kaiser an jedem Ort am Fluss, an dem das Schiff einen Stopp einlegte, Lebensmittel zum Geschenk: Wein und Fische. Die gab es übrigens auch deswegen, weil der Reichstag damals zu Ostern stattfand. Und vor Ostern, in der Fastenzeit, aßen die Menschen Fisch statt Fleisch.
 
Wieso kam der Kaiser mit dem Schiff und nicht zu Pferd? 
Andreas Tacke: Maximilian wollte zeigen, wie wichtig er ist. Und mit einem Schiff zu reisen war vor 500 Jahren etwa so, wie heute mit einem superteuren Auto unterwegs zu sein. Vor Trier legte dann das Schiff an, und der Kaiser stieg dann doch noch aufs Pferd. Er zog in Begleitung von ca. 400 Berittenen ein, mehr Reiter bot kein anderer Würdenträger auf dem Trierer Reichstag auf.

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