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Radweg statt Hunsrückbahn?

Ein Nachbarkreis macht sich für die Demontage von Schienen stark - Politiker sehen das kritisch

(Morbach/Thalfang/Hermeskeil) Während immer wieder über die Reaktivierung der Hunsrückbahn zur Erschließung des Nationalparks diskutiert wird, überrascht der Rhein-Hunsrück-Kreis damit, aus der Bahn einen Fahrradweg machen zu wollen.

05.08.2015
Hans-Peter Linz und Christoph Strouvelle
Morbach/Thalfang/Hermeskeil. Was passiert mit der Bahnlinie Büchenbeuren-Türkismühle? Die Bahnlinie wird nicht mehr befahren und wächst allmählich zu. Jetzt hat der Kreistag des Rhein-Hunsrück-Kreises die Initiative übernommen: Das Gremium hat Landrat Marlon Bröhr beauftragt, mit Vertretern der benachbarten Landkreise zu sprechen. Die Idee: Die Gleisstrecke soll in einen Radweg umgebaut werden. Doch die Begeisterung in den Anrainergemeinden und Landkreisen und den Ministerien hält sich in Grenzen.

Die Vereine: Darauf hofft auch Patrick Pandel vom Verein Pro Hunsrück- und Hochwaldbahn. Der Verein setzt sich dafür ein, dass auf der Trasse wieder Züge fahren, unter anderem auch, um den neuen Nationalpark umweltverträglich zu erschließen. Eine Bestandssicherung würde dem Verein Zeit verschaffen, das Projekt auf der 73 Kilometer langen Strecke in Angriff zu nehmen, sagt er (der TV berichtete). Der Verein Historische-Eisenbahn-Hunsrück verhandelt bereits mit der Bahn wegen einer Pacht der Strecke zwischen Morbach und Thalfang. Sein Vorsitzender Felix Jacob weist auf die Kosten für einen Umbau der Strecke in einen Radweg hin:"Dafür kann man die Bahnstrecke viele Jahre erhalten".

Ein Blick zurück: Der vierjährige Umbau der 50 Kilometer langen Bahnstrecke Hermeskeil-Ruwer in den Ruwer-Hochwald-Radweg, der 2009 eröffnet wurde, hatte damals 10,5 Millionen Euro gekostet.

Der Kreis: Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich hat sich hingegen seit 2010 nicht mehr mit der Bahnlinie befasst, sagt deren Pressesprecher Manuel Follmann. Damals seien Bemühungen zum Kauf der Strecke an der Ablehnung des Wirtschaftsministeriums und der Kreditverweigerung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion gescheitert.

Die Kommunen: Eine glatte Absage an den Umbau der Bahnlinie in einen Radweg erteilt Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil. Diese sei daran interessiert, die Eisenbahnstrecke Türkismühle - Hermeskeil zu erhalten, um wegen des Lokmuseums Hermeskeil und der sonstigen nutzbaren Eisenbahneinrichtungen eine Anbindung an das Schienennetz zu haben. "Die Einrichtung weiterer Radwege sehen wir kritisch wegen der Unterhaltungsaufwendungen, die in der Regel von den anliegenden Gemeinden getragen werden müssen", sagt der Bürgermeister. Angesichts leerer Kassen und zurückgehender Einwohnerzahlen sollte darauf geachtet werden, den nachfolgenden Generationen keine weiteren Belastungen aufzubürden.
Marc Hüllenkremer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, befürwortet ebenso den Erhalt der Bahnlinie: "Nach wie vor wäre es begrüßenswert, wenn der Schienenverkehr wieder aufgenommen werden würde.
Nicht nur zur Förderung des Tourismus wäre dies dienlich. Insbesondere auch im Hinblick auf das mit dem Nationalpark erklärte Ziel der Entwicklung zur Null-Emissions-Region wäre eine Verlagerung des Güter- wie auch des Personenverkehrs von der Straße auf die Schiene bei der Umsetzung der Emissionsreduzierung hilfreich. Ist die Bahntrasse einmal zu einem Radweg umgebaut, lässt sich dies nicht mehr rückgängig machen. Die Reaktivierung der Hunsrückbahn als wichtige und zukunftsweisende Option wäre damit für alle Zeit ausgeschlossen. Ich sehe hier vor allem das Land in der Pflicht."
Andreas Hackethal, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Morbach, warnt vor den Kosten eines Radwegs: "Wir müssen uns bewusst sein, dass eine Infrastruktur wie eine Eisenbahn für immer verschwunden ist, wenn diese einmal demontiert wurde. Eine Erschließung als Radweg wird Millionenkosten mit sich bringen und jede Menge Unterhaltungsaufwand verschlingen."

Die Ministerien: Das zuständige Innenministerium plant ohnehin für die stillgelegte Hunsrückquerbahn eine Sicherung als Bahnlinie. Dazu stimmt es sich mit der DB Netz und dem zuständigen saarländischen Verkehrsministerium ab.
Dabei sei eine Trassensicherung der rheinland-pfälzischen Streckenteile nur dann sinnvoll, wenn auch der saarländische Teil weiterhin im Bestand bleibt und nicht für andere Zwecke genutzt wird, sagt Pressesprecherin Monika Schmidt.
Parallel läuft im Auftrag des Umweltministeriums eine gutachterliche Untersuchung für ein Mobilitätskonzept für die touristische Erschließung des zukünftigen Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Dabei wird die Strecke Büchenbeuren-Hermeskeil´-Landesgrenze-Türkismühle betrachtet.
Heike Spannagel, Pressesprecherin des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten, weist darauf hin, dass laut Koalitionsvertrag alle Optionen zur Reaktivierung von Schienenstrecken in Rheinland-Pfalz erhalten bleiben sollen. Der Grundsatz "Trassensicherung vor Entwidmung" gelte auch für die in der Nationalparkregion gelegenen Abschnitte der Hunsrückbahn.
Spannagel: "Aus Sicht des Umweltministeriums wäre der Erhalt der Hunsrückbahn im Abschnitt Büchenbeuren bis Türkismühle für die Nationalparkregion wünschenswert - als touristische Attraktion, aber auch zur Anbindung der Region. Voraussetzung hierfür ist die Reaktivierung der Abschnitte Langenlonsheim - Büchenbeuren und/ oder des saarländischen Streckenabschnittes."
Meinung
Fataler Fehler

Sind die Eisenbahnschienen einmal weg, kommen sie nie mehr wieder. Das ist eine Binsenweisheit, die sich immer wieder bestätigt. Eine Eisenbahninfrastruktur aufzubauen, kostet nun einmal enorm viel Geld. Demontiert man diese Gleise, freut sich am Ende nur einer: der Schrotthändler. Und die Möglichkeit, irgendwann in der Zukunft noch einmal einen Zug fahren zu lassen, ist ein für allemal verwirkt. Wenn die Funktionsträger des Rhein-Hunsrück-Kreis allen Ernstes beabsichtigen, eine Schienenstrecke in einen Radweg umzubauen, dann begehen sie einen fatalen Fehler, der nicht nur ihren Landkreis, sondern auch die benachbarten Landkreise massiv gefährdet und ihnen jede Alternative zum LKW-Verkehr auf der Straße für immer nimmt. hp.linz@volksfreund.de

 

 

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