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Gelber Kasten sorgt für reichlich Ärger

(Thalfang) Zoff um einen kleinen gelben Behälter: Das Grundstück von Kai Lukas ziert seit Oktober ein original Postbriefkasten. Der Thalfanger hat ihn ordnungsgemäß im Internet gekauft. Der Kasten ist Diebesgut, sagt die Deutsche Post AG und fordert dessen Herausgabe. Andernfalls werde sie Anzeige wegen Hehlerei erstatten.

06.02.2011
Von unserem Redaktionsmitglied Christa Weber
Ein gelber Briefkasten auf dem Grundstück von Kai Lukas sorgt für Unruhe. Im September 2010 hatte ihn der Thalfanger für 35 Euro beim Online-Auktionshaus Ebay ersteigert. Seither nutzt er die Briefbox fürs Geocaching - eine Art moderne Schatzsuche mit GPS-Geräten. Deren Anhänger verstecken Gegenstände in Caches (englisch für Versteck), hinterlassen die Koordinaten auf einer Internetseite und lassen andere danach suchen. Lukas' Kasten ist ein spezielles "Letterbox Cache". Darin deponieren Schatzsucher Postkarten, die andere von Versteck zu Versteck weitertragen.
 
Als "Letterbox" (zu Deutsch: Briefkasten) ist ein original Briefkasten perfekt, findet Lukas. Die Post ist da anderer Meinung. Alarmiert hat sie ein Thalfanger Briefträger, der sich über den Briefkasten auf einem Privatgrundstück echauffierte und gleich ein Foto an die Trie rer Filiale schickte. Jetzt soll Lukas den Behälter abmontieren. Begründung: Weder die Deutsche Post AG noch der Hersteller würden die Briefkästen verkaufen. Lukas' Kasten müsse gestohlen sein. Form und gelbe Farbe hätten zudem "erhebliche Identitätswirkung". "Irregeführte Bürger" könnten Briefe einwerfen und das Vertrauen in die Post verlieren. Das Unternehmen droht mit einer Anzeige wegen Hehlerei.
 
"Völlig überzogen", findet Kai Lukas. Er habe den Kasten bei Ebay "von einem älteren Herrn gekauft, der selbst völlig erstaunt war". Der Kasten stand viele Jahre in dessen Garten. Vor 15 Jahren hatte er ihn auf einem Flohmarkt erworben. Der Händler dort bot gleich mehrere Briefkästen und Fahrräder mit Postemblemen an. "Ich dachte, dass da einfach ein ausrangierter Kasten verkauft wurde", sagt Lukas. Dass er gestohlen wurde, sei keinesfalls bewiesen. Zudem komme er "wegen seiner Originalität" bei den Geocachern sehr gut an. Schon 32 Mal wurde die Box entdeckt, zuletzt am 1. Februar. "Geniales Versteck", "sehr passend", "super Idee und Umsetzung", loben die Schatzsucher im Internet.
 
Lukas hat der Post angeboten, den Kasten umzulackieren und das als Marke geschützte Posthorn zu entfernen. "Ich dachte, damit wäre die Kuh vom Eis." Der Deutschen Post AG reicht das jedoch nicht. Sie fordert weiter die Herausgabe des Kastens, der "nach normalem Lauf der Dinge aus einer Straftat stammen muss". Man müsse verhindern, dass Posteigentum "zum arglistigen Erschleichen behördlicher Post" verwendet werde. Dass der Kasten in Thalfang keinen Boden hat, Briefe somit sofort wieder herausfallen, lässt die Post als Argument nicht gelten. Manche Bürger seien sehr "vertrauensselig". Sie würden ihre Briefe sogar oben auf den Kasten legen. Das Unternehmen rät Lukas, einen "auffälligen Hausbriefkasten oder sonst etwas Skurriles" zu kaufen, statt um "möglicherweise Hehlerware zu feilschen".
 
Der Thalfanger ist verärgert: "Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen." Den Kasten habe er inzwischen schwarz lackiert, aber weder abgenommen noch ersetzt. Eine von der Post gesetzte Frist für dessen Rückgabe ist am Freitag verstrichen. Angst vor Konsequenzen hat Lukas nicht.
 
Falls ihn die Post tatsächlich anzeige, müsse er selbst zwar den Verkäufer anzeigen. Dieser sehe die Sache jedoch so gelassen wie er: "Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ich den Kasten doch abnehmen muss."