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Informationsoffensive zum Thema Bestattungswald: Ruheforst sorgt in Morbach weiter für Wirbel

(Morbach) Das Thema Bestattungswald wird in Morbach heiß diskutiert. Der Rat hat den Vorschlag in seiner jüngsten Sitzung abgelehnt. Am 15. März gibt es aber ein Bürgerbegehren. Und im Vorfeld hat die Verwaltung zwölf Seiten in der Morbacher Rundschau mit Gegenargumenten veröffentlicht. Befürworter des Projekts vermuten Stimmungsmache. Dossier zum Thema: Topthemen

13.02.2015
Hans-Peter Linz
Die Morbacher Rundschau war vergangene Woche um eine Beilage mit zwölf Seiten reicher. Unter dem Titel „Anlage zur Niederschrift über die Sitzung des Gemeinderates“ wird dort auf durchgehend farbigen Seiten dokumentiert, dass ein Bestattungswald in Morbach nicht rentabel sei – und dass stattdessen das normale Friedhofskonzept der Gemeinde weiter entwickelt werden sollte. 

Das fiel TV-Leserin Martina Kesselheim aus Morbach-Wederath auf. Sie wandte sich an die Redaktion und fragte, warum sich der Bürgermeister diese Mühe mache, zumal er derzeit auch noch in allen Ortsbeiratssitzungen über das Thema in einem speziellen Tagesordnungspunkt informiere. Außerdem würden zwölf zusätzliche Seiten über ein Thema, das der Morbacher Rat ohnehin abgelehnt habe, auch zusätzliche Kosten verursachen, vermutet sie. „Wer bezahlt das?“, fragt Kesselheim.
Der Morbacher Rat hatte einen entsprechenden Beschluss gegen die Errichtung eines Bestattungswaldes gefasst. Allerdings: Am 15. März steht ein Bürgerbegehren an. Denn eine Gruppe von Bewohnern der Einheitsgemeinde befürwortet einen Bestattungswald, in dem Urnen beigesetzt werden können, und macht sich für das Thema stark. 
Einer von ihnen ist Rainer Stablo, der für die Linke im Morbacher Gemeinderat und auch im Kreistag sitzt. „Objektiv betrachtet ist die zwölfseitige Beilage der ausgedruckte Powerpoint-Vortrag von Bürgermeister Hackethal. Aber normalerweise kommen solche detaillierten Informationen nicht ins Amtsblatt“, sagt Stablo. Für ihn ist die Zielrichtung klar: „Die wollen mit allen Mitteln unser Bürgerbegehren torpedieren.“ Das sei schon heftig, da die Befürworter des Bestattungswaldes nicht solche Möglichkeiten haben, auf ihre Sicht des Themas aufmerksam zu machen. 

Das sieht Andreas Hackethal, Bürgermeister der Einheitsgemeinde, anders. Er sagt gegenüber dem TV: „Ich gehe ganz gezielt in die Ortsbeiräte, und es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, die Menschen mit Informationen zu versorgen.“ Für Hackethal steht fest: „Die Bürger sollen beim Entscheid ihr Kreuz ganz bewusst machen.“ Er habe bereits mit vielen Bürgern über das Thema gesprochen und auch die Rückmeldungen in den einzelnen Ratssitzungen seien zahlreich. Der Gang durch die Räte zähle zu seiner Informationsstrategie: „Ich nehme mir jedes Jahr ein spezielles Thema vor und diskutiere das in allen Ortsgemeinden.“ Was die Frage der Finanzierung der farbigen Seiten im Amtsblatt betrifft versichert Hackethal: „Das wurde wie immer durch den Verlag über Anzeigen finanziert.“ Mehrkosten seien dadurch nicht entstanden.
 
Meinung
 
Klarer Beschluss im Rücken

Es ist das gute Recht des Bürgermeisters, möglichst flächendeckend über das brisante Thema „Bestattungswald“ zu informieren. Denn er hat einen klaren und eindeutigen Ratsbeschluss im Rücken. Und er muss einen Haushalt verantworten, in dem ein möglicher Bestattungswald mit voraussichtlich 152.000 Euro Investitions- und 50.000 Euro Unterhaltskosten zu Buche schlagen würde. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage ist da kaum Platz für ideologische Diskussionen. Und genau das muss den Bürgern erklärt werden, auch jenen, die sich einen solchen Ruheforst wünschen.
hp.linz@volksfreund.de