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Sauberes Wasser und ein seltener Pilz

(Hermeskeil/Börfink) Am Tag der Artenvielfalt haben Forscher mehrerer Verbände die Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten im Nationalpark untersucht. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf den Zustand der Flora und Fauna im Schutzgebiet zu.

19.06.2017
Christoph Strouvelle
Hermeskeil/Börfink Langsam gehen Dirk Gerber und Michael Münze über die Blumenwiese bei Börfink im Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Bei jedem Schritt springen Heuschrecken auf, fliegen Insekten davon und flattern Schmetterlinge im Zickzackkurs zur nächsten Blume.
Auf Falter haben es Gerber und Münze mit ihren Keschern abgesehen. Eine schnelle Bewegung mit dem Handgelenk und Gerber befreit mit seinen Fingern einen kleinen Falter aus dem Netz. Er begutachtet ihn. "Ein Dickkopffalter, mit schwarzen Fühlerspitzen", sagt er und lässt den kleinen Falter wieder davonflattern. "Den gibt es auch mit braunen Fühler-Enden."
Die Ausbeute an diesem Nachmittag ist reichlich. 25 Falter haben die beiden an diesem Nachmittag gefangen, erfasst oder zur genauen späteren Bestimmung mit ihren Kameras aufgenommen. "Ein guter Wert für einen Standort", sagt Münze. Darunter befinden sich für den Laien unbekannte Arten wie Großes Ochsenauge, Grünwidderchen und kleines Wiesenvögelchen.
"Da vorne ist eine feuchte Ecke, da sind wieder ganz andere Arten unterwegs", sagt Gerber. Die beiden waren auch schon in der Dunkelheit auf Tour, um Nachtfalter besser bestimmen zu können. Doch wenig erfolgreich: Die Nacht war bei Temperaturen bis vier Grad (!) einfach zu kalt. Insgesamt haben die verschiedenen Schmetterlingssucher an diesem Tag 166 Arten an Nachtfaltern und 35 Tagfalter bestimmt. Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz gibt 2500 Nacht- und 120 Tagfalter.
Die Schmetterlingsforscher sind an diesen Tagen nicht alleine unterwegs. Fast 50 fachkundige Naturforscher suchen auf Wiesen und in den Wäldern rund um Börfink am Tag der Artenvielfalt (siehe Info) nach unterschiedlichsten Pflanzen und Tieren. Moose, Fledermäuse, Flechten, Schnecken und Eidechsen - nach allem halten die Naturforscher Ausschau. Anlass ist die erste gemeinsame Artenuntersuchung der Delattinia (Naturforschende Gesellschaft des Saarlandes) und der Pollichia (Verein für Naturforschung und Landespflege).
"Hier ist etwas Besonderes, ein Sumpfhaubenpilz", sagt Wolfgang Peltz, Pilzsachverständiger der deutschen Gesellschaft für Mykologie. Die Sporen des aquatischen Pilzes bewegen und verbreiten sich unter Wasser und haben sich an einem Fichtenzapfen angesiedelt, der im Wasser lag. "Das ist ein Reinheitsanzeiger, weil er sehr sauberes Wasser braucht."
Von einem Highlight kann Helga Simon aus Oppenheim berichten: Unter den 70 Wanzenarten, die sie an diesem Tag gefunden hat, hat sie eine selten vorkommende Rindenwanze entdeckt, die bisher erst einmal in Rheinland-Pfalz dokumentiert worden ist. Und auch Flechtenforscher Volker John weiß Interessantes zu berichten.
Denn unter den 95 bestimmten Flechtenarten befinden sich nur drei, die als Indikator für den Klimawechsel gelten. Offensichtlich sind diese in den Höhenlagen noch nicht angekommen. "In tieferen Lagen wie Trier, Köln oder der Pfalz finden sie ganz andere Werte", sagt er.
Für Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamts, sind die wenigen Indikatoren für den Klimawandel eines der bemerkenswerten Ergebnisse der Untersuchung der Artenforscher. Interessant sei auch, dass Stickstoff aufgrund von starker landwirtschaftlicher Bewirtschaftung wenig verbreitet sei und die Gewässer offenbar sehr sauber seien.
Man habe die Region um Börfink für die Artenuntersuchung ausgesucht, weil dort alle Waldtypen bis hin zu Wiesen, Mooren und Felsformationen vorkommen. "Hier gibt es in konzentrierter Form alles, was den Nationalpark ausmacht", sagt Egidi. Der Impuls zur Artenuntersuchung sei von den Naturschutzverbänden gekommen.
Für die Ergebnisse, die inmitten des Nationalparks ermittelt worden sind, ist Egidi dankbar. Zum einen hätte man es sonst kaum geschafft, so viele Artenforscher auf einmal zusammenzubekommen. Des weiteren verfüge man nun über Material aus einer frühen Phase des Nationalparks. Wenn man diese Untersuchung in einigen Jahren wiederholt, könne man erkennen, wie sich die Artenvielfalt ohne Bewirtschaftung der Wälder entwickelt. "Wenn es dann mehr Totholz gibt, wird sich ein Mehr an Arten einfinden", prognostiziert der Leiter des Nationalparkamts.
Extra: TAG DER ARTENVIELFALT

Beim Tag der Artenvielfalt der Naturforscher der Delattinia (Naturforschende Gesellschaft des Saarlandes) und der Pollichia (Verein für Naturforschung und Landespflege) e.V.) haben Forshcer im gesamten Nationalpark Hunsrück-Hochwald Arten erfasst und in verschiedenen Bereichen Fledermäuse und Schmetterlinge beobachtet. Mitveranstalter ist das Saarländische Zentrum für Biodokumentation, das dem Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz angegliedert ist.