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Vereine wollen Waldfriedhof in Morbach

Initiative macht sich für Begräbnisstätte in der Einheitsgemeinde stark - Kosten in sechsstelliger Höhe

(Morbach) Eine gemeinsame Initiative der Heimatvereine Gonzerath und Hundheim wirbt für die Einrichtung eines Waldfriedhofs in Morbach. Bürgermeister Hackethal lehnt dies ab. Die Pfarrer haben unterschiedliche Meinungen.

26.12.2012
Christoph Strouvelle
Morbach. Die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Immer mehr Menschen hätten den Wunsch nach einer naturnahen Waldbestattung, sagt Petra Schommer vom Heimatverein Hundheim. "In den vergangenen Monaten wurden drei Gonzerather im Ruheforst Niederhosenbach bestattet", sagt sie. Zudem sind ihr Menschen aus mehreren Morbacher Ortsteilen bekannt, die sich bereits zu Lebzeiten eine Urnen-Grabstätte in einem Ruheforst oder Friedwald gekauft haben.

Die Heimatvereine Gonzerath und Hundheim haben sich in ihren Vorstandssitzungen mit dem Thema beschäftigt und wollen eine gemeinsame Initiative für einen Ruhewald in der Einheitsgemeinde Morbach starten. Acht Vertreter der beiden Vereine haben bereits die Naturbegräbnisstätte Trifelsruhe im pfälzischen Annweiler besucht. "Wir waren beeindruckt von der Ruhe und der Kraft und dem Frieden, der von diesem naturnahen und parkähnlichen Wald ausging", fasst Schommer die Eindrücke zusammen. Ulrich Wilbert aus Hundheim sieht das zusätzliche Angebot eines Waldfriedhofs als Ergänzung zu den bestehenden kommunalen Friedhöfen.

Bürgermeister Andreas Hackethal sieht keinen Bedarf für eine Bestattungsmöglichkeit im Morbacher Wald. "Man muss nicht jeder Modeerscheinung hinterherlaufen", sagt er. Hackethal verweist auf die kulturelle Bedeutung der traditionellen Friedhöfe als gesellschaftliche Anlaufstellen, auf denen die Toten in Ehren gehalten werden.
Die Anlage eines entsprechenden Waldes mit Wegen und erforderlichen Gebäuden würde eine sechsstellige Investition erfordern, zuzüglich der Folgekosten wie ein erhöhter Personalbedarf, sagt der Bürgermeister. "Wir haben andere Prioritäten", sagt er mit Hinblick auf anstehende Investitionen bei Kindergärten, Schulen und Straßen. Professionelle Betreiber wie die Unternehmen RuheForst und FriedWald lehnten den Standort Morbach ab, weil das Einzugsgebiet für einen Bestattungswald nicht ausreiche, sagt Hackethal. Auch der katholische Pfarrer Michael Jakob äußert Bedenken. "Die Vorstellung von Naturreligionen, bei der Bestattung in einem Wald in den Naturkreislauf zurückzukehren, verträgt sich nicht mit den katholischen Glaubensgrundsätzen", sagt er. Auch Kreuze oder Grabsteine seien vielen Menschen wichtig, das gehe auf Waldfriedhöfen nicht. Doch sollte sich die Gemeinde für einen Waldfriedhof entscheiden, will Jakob dessen Einrichtung mitbegleiten.

Der evangelische Pfarrer Florian Brödner steht der neuen Bestattungsform grundsätzlich wohlwollend gegenüber. Bei einer Diskussion vor einigen Jahren hatte das Presbyterium die Bestattung per Urne im Wald noch als "esoterisch" kritisiert, sagt er. Doch bei Beerdigungen, die Brödner im Ruheforst Niederhosenbach begleitet hat, hat ihn die "positive Atmosphäre des majestätischen Waldes" überrascht. Eine antichristliche Haltung habe er dort nicht feststellen können.
Extra
Der nächstgelegene Waldfriedhof befindet sich in Niederhosenbach in der Verbandsgemeinde Herrstein. Er wurde 2007 angelegt und wird von der Ruheforst GmbH in Hilchenbach betrieben. Im sechs Hektar großen Eichenwald finden pro Woche durchschnittlich drei Beerdigungen statt. Das Einzugsgebiet beträgt etwa 50 Kilometer. Infos über die Konzepte der Waldfriedhöfe gibt es im Internet unter www.ruheforst.de oder www.friedwald.de. cst

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