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Die Suche nach der halben Million

Stadt Konz irritiert wegen höherer Ausgaben für Bauprojekt

(Konz/Mainz) Der neue Bahnsteig am Bahnhof Konz ist in Betrieb. Der Bau hat insgesamt fünf Millionen Euro gekostet. Das sind 500 000 Euro mehr als vorgesehen. Die Verantwortlichen bei der Stadt sind deshalb irritiert. Die Deutsche Bahn hat eine Anfrage der Stadt wegen der Mehrkosten hat noch nicht beantwortet.

07.07.2014
Christian Kremer
Konz/Mainz. Zugreisende nutzen den neuen Bahnsteig am Konzer Bahnhof schon seit Anfang Juni. Nach einjähriger Bauzeit ist er in Betrieb. Bis zum Herbst seien auch die restlichen Bauarbeiten abgeschlossen, heißt es auf TV-Anfrage bei der Deutschen Bahn. Dann sollen Rollstuhlfahrer neben dem Bahnsteig auch die barrierefreien Rampen zur neuen Personenunterführung auf beiden Seiten der Gleise benutzen können. Das Gesamtprojekt kostet wohl 500 000 Euro mehr als ursprünglich geplant. Statt 4,5 Millionen Euro hat die Bahn jetzt fünf Millionen Euro veranschlagt. Das Land Rheinland-Pfalz hat das Bauprojekt mit zwei Millionen Euro bezuschusst. Den Rest teilen sich die Stadt Konz und die Deutsche Bahn.

Land zahlt vereinbarte Summe


Die Größenordnung der Landesfördersumme stimme, heißt es auf TV-Anfrage bei der Konzer Verwaltung. Etwas irritiert ist Joachim Weber, erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde, allerdings wegen der Gesamtkosten von fünf Millionen Euro. Eine Anfrage der Stadt Konz dazu liege der Bahn schon länger vor. Eine Antwort sei sie der Konzer Verwaltung jedoch noch schuldig geblieben, sagt Weber. Eine Anfrage des Trierischen Volksfreunds wegen der Mehrkosten bei der Bahn beantwortet ein Unternehmenssprecher in Frankfurt folgendermaßen: Die Ausschreibung für das Konzer Projekt habe Mehrkosten ergeben. Im Wesentlichen seien diese auf gestiegene Marktpreise, insbesondere stark gestiegene Stahlpreise, zurückzuführen. Speziell in Konz habe die Bahn für das Projekt große Stahlmengen gebraucht, das habe sich kostentreibend ausgewirkt. Die zunächst veranschlagten Investitionen seien nicht ausreichend gewesen.
Die Projektpartner von Deutscher Bahn, Land und Stadt hätten trotzdem eine Fortführung des Projekts unter Anpassung der Projektfinanzierung vereinbart, sagt der Bahnsprecher. "Nach Abschluss der Restbauleistungen - hier ist vor allem die noch fehlende Treppenüberdachung zu nennen - ist eine feierliche Eröffnung im Frühherbst 2014 geplant", kündigt er an.

Museum hilft bei Projekt


Während die Stadt für den neuen Bahnsteig eine Menge Geld investieren muss, hat sie an anderer Stelle kostenlose Hilfe bekommen. Das Team vom Freilichtmuseum Roscheider Hof hat den alten Güterschuppen abgebaut, der früher das Bild der Bahnhofsstraße nicht gerade vorteilhaft geprägt hat. Zurzeit bauen Arbeiter den Schuppen auf dem Gelände des Freilichtmuseums wieder auf. Dort dokumentiert das Gebäude ein Stück Konzer Geschichte (siehe Extra). Kürzlich wurde am Roscheider Hof unter der Regie von Kunsthistoriker Markus Berberich ein Richtfest für den Schuppen gefeiert. "Wir haben die Stadt Konz nett von der Güterhalle befreit", sagt Berberich. Ohne das Museum wäre das Gebäude vermutlich abgerissen worden. Wegen der Initiative von Berberich und Museumsleiter Ulrich Haas konnte die Halle innerhalb weniger Monate am neuen Platz wieder aufgebaut werden. Künftig wird sie einen Ausstellungsraum beherbergen, der den Transport und Umschlag von Gütern im Zeitraum von 1900 bis 1960 zeigt. Dort wo früher das Gleis verlief, soll ein Stück Schiene rekonstruiert werden. Darauf soll auch noch ein Güterwagen platziert werden.
Extra
Historie der Halle: 1860 hat eine private Eisenbahngesellschaft den Bahnhof Konz an der Strecke Trier-Saarbrücken mit einer Abzweigung nach Luxemburg erbaut. 18 Jahre später stieg das Aufkommen des Güterverkehrs an der sogenannten "Kanonenbahn" von Koblenz über Trier nach Metz an. Deswegen wurden 1888 zwei Güterhallen am Bahnhof in Konz errichtet. Eine davon wird jetzt im Freilichtmuseum wieder aufgebaut. Die andere Halle wurde aufgrund eines Kriegsschadens abgerissen. Auch die jetzt ins Museum verfrachtete Halle wurde ab September 1944 durch Artilleriebeschuss der US-Armee aus Richtung Luxemburg beschädigt. Frühere Funktion der Halle: Bei der Bahn wurden fast alle Sendungen von Konzer Firmen wie Zettelmeyer oder Kuag über die Güterhalle abgewickelt. Sie war Hauptumschlagplatz des Konzer Güteraufkommens. Anekdote: Einmal schaffte es eine in der Konzer Güterhalle umgeladene Kiste sogar in die überregionale Boulevardpresse. Der Bankangestellte Karl Hardt wurde am 23. Juni 1964 festgenommen, nachdem er sich in einer Kiste per Luft- und Bahnfracht von Berlin über Frankfurt nach Konz hatte transportieren lassen. Einem Konzer Spediteur kam die Kiste, die er an der Güterhalle umgeladen hatte, auffällig vor. Als er sie bei der Anlieferung bei Hardts Familie öffnen ließ, türmte der Betrüger, der seine Bank um 240 000 D-Mark erleichtert haben soll. Der Verbrecher wurde jedoch wenig später auf der Eisenbahn-Saarbrücke festgenommen. Eigentlich sollte die Reise des steckbrieflich gesuchten Mannes über Luxemburg nach Kanada führen. In der Kiste überlebte er mehrere Tage ohne Essen. cmk/Quelle: Konzer Chronik

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