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Netto will nicht, Edeka wartet ab

(Wincheringen/NitteL) Obwohl Wincheringen dem gemeinsamen Einzelhandelskonzept mit Nittel zustimmt, reagiert die bisher favorisierte Unternehmensgruppe zurückhaltend. Nun ist unklar, wie die Versorgung mit Lebensmitteln verbessert werden kann.

23.05.2017
Alexander Schumitz,
Wincheringen/NitteL Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem eigenen Supermarkt in Nittel ist gemacht.
Denn die Mitglieder des Gemeinderats Wincheringen haben in ihrer jüngsten Sitzung dem interkommunalen Einzelhandels- und Zentrenkonzept (kurz: Einzelhandelskonzept) mit ihrer Nachbargemeinde grundsätzlich zugestimmt.
In einer langwierigen Untersuchung hatte das Ingenieurbüro ISU aus Bitburg festgestellt, dass beim Bau eines Marktes zur Sicherung der Grundversorgung in Nittel keine Nachteile für bestehende Geschäfte in Wincheringen zu befürchten sind (der TV berichtete mehrfach).
Nachdem beide Gemeinderäte dem Einzelhandelskonzept im Dezember 2015 zugestimmt hatten, wurde es im nächsten Schritt bekanntgegeben. Über die im Zuge dieser Offenlegung eingegangenen Einwendungen müssen die Gemeinderäte nun erneut beraten. In Wincheringen war dies zwischenzeitlich der Fall, in Nittel wird das Thema in einer der kommenden Ratssitzungen auf der Tagesordnung stehen.
Michael Naunheim, Pressesprecher der Verbandsgemeinde Konz, betont, dass sich an den Grundlagen der gebotenen Kooperation aus Sicht der Konzer Verwaltung seit Dezember 2015 nichts geändert habe. Peter Hein, Ortsbürgermeister von Nittel, teilt diese Ansicht.
Elmar Schömann, Ortsbürgermeister von Wincheringen, sagt: "Wir wollen die Entwicklung der Nachbargemeinde Nittel nicht blockieren." Aber es müsse auch darauf geschaut werden, dass die Gemeinde sich künftig weiter wirtschaftlich entfalten könne. Deshalb halte man an den Plänen fest, an der Brücke nach Wormeldange ein Gewerbegebiet vorzusehen. Dieser Bereich soll im Einzelhandelskonzept weiter als Potenzialfläche ausgewiesen werden.
Zudem hat der Wincheringer Rat seine Position erneut deutlich gemacht, wonach das Einzelhandelskonzept erst dann wirksam werden soll, wenn der neue Raumordnungsplan für die Region Trier in Kraft tritt. Letzterer wird seit 2014 diskutiert und sieht im Einklang mit dem Landesentwicklungsplan vor, dass die Gemeinden Wincheringen und Nittel in Fragen der Grundversorgung miteinander kooperieren. Zurzeit werden die gegen die Raumordnungsplanung erhobenen Einwände ausgewertet.
Ob diese Bemühungen um die Beilegung des Streits der beiden Nachbargemeinden letztlich Erfolg haben, ist zumindest zweifelhaft. Die Spekulation von Teilen der Einwohnerschaft in Nittel, dass mit einem Netto-Discountmarkt (siehe Infobox) "ein Markt auf unterster Stufe" in der 2400-Einwohner-Gemeinde geplant sei, scheint nicht zuzutreffen. Die Pressestelle des Discounters, der zur Edeka-Gruppe gehört, antwortet auf TV-Anfrage: "Derzeit ist keine Neueröffnung einer Netto-Filiale in Nittel geplant."
Aber auch die Edeka-Handelsgesellschaft Südwest mbH, die zwischenzeitlich mal bekundet hatte, als Betreiber eines Supermarkts in Nittel zur Verfügung zu stehen, hat sich von dem Vorhaben distanziert. Isabell Schönhuth, Pressereferentin der Edeka-Handelsgesellschaft Südwest mbH, sagt auf TV-Anfrage: "Aktuell können wir zum Standort Nittel keine Aussage treffen, da Fragen zu den bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen noch nicht geklärt sind."
Der Nitteler Norbert Arnoldy ist frustriert, dass der Supermarkt bislang noch nicht realisiert werden konnte - obwohl er immer wieder als Argument für das Neubaugebiet Wiesengraben herangezogen wurde. Um das Projekt voranzutreiben, hat der Geschäftsführer der Casaporta GmbH Mitgliedern des Gemeinderats vorgeschlagen, das Grundstück zu kaufen, um darauf eine Halle für einen Supermarkt zu errichten. "Wenn die Gemeinde mir die Fläche überließe, würde ich dort sofort bauen. Der Ort braucht endlich wieder einen Lebensmittelmarkt", sagt er. Sein Eindruck sei, dass auch die Mitglieder des Gemeinderats keine genauen Informationen darüber hätten, was der aktuelle Stand des Verfahrens sei. "Immer, wenn man nachfragt, heißt es, die Verträge stünden kurz vor dem Abschluss", sagt Arnoldy.
Das sei nicht möglich, sagt Nittels Ortsbürgermeister Peter Hein: "Die Gemeinde hat das Grundstück der Firma Beda-Regiebau GmbH aus Trier verkauft, Über den Preis haben wir Stillschweigen vereinbart." Im notariellen Kaufvertrag sei vorgegeben, dass auf diesem Grundstück ein Supermarkt gebaut wird. Die Größe des Markts ist laut Hein zwischenzeitlich zweimal aus Planungserfordernissen geändert worden.
Inzwischen sei - wie ursprünglich auch - wieder festgelegt, dass ein großflächiger Markt mit mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen soll. Das entspricht einem großen Markt mit Frischetheke und Bäckerei.
Kommentar
Meinung
Vergebene Chance zur Weiterentwicklung

Es ist vertrackt. Die Gemeinde Nittel will einen Supermarkt, weil es in dem 2400-Einwohner-Dorf nach dem Schließen des letzten Tante-Emma-Ladens vor einigen Jahren keinen Nahversorger mehr gibt. Um das Problem zu lösen, entwickelt man an der Obermosel ein Neubaugebiet und plant am Rande von diesem auch einen Supermarkt. Ein Interessent für das Grundstück ist schnell gefunden, und er sichert auch zu, einen Betreiber für den Supermarkt zu haben. Man verkauft dem Investor das Grundstück, und alles könnte gut werden. Doch dann beginnt der Ärger. Nittel ist - Stand der Regionalplanung - kein Grundversorgungszentrum. Genehmigungsfähig ist nur ein Markt, der nicht mehr als eine Fläche von 800 Quadratmetern hat. Für heutige Supermarktmaßstäbe keine ausreichend große Marktfläche. Man plant neu, muss nervenaufreibende Verhandlungen mit der Nachbargemeinde führen - und trotzdem sieht es jetzt so aus, dass die Nitteler noch lange Zeit auf einen Spatenstich für den Supermarkt warten müssen. Denn nach dem Verkauf des Grundstücks an einen einzelnen Investor hat die Gemeinde nur noch wenig Einfluss darauf, dass ein Nahversorger nach Nittel kommt. Und so ist zu befürchten, dass das Land eines Tages in Bauland für Einfamilienhäuser umgewandelt wird, weil sich kein Supermarktbetreiber mehr findet. Für Nittel eine vergebene Chance, den Ort weiterzuentwickeln. saarburg@volksfreund.de
Extra: DIE HANDELSGESELLSCHAFT EDEKA IM MARKT

Die Netto Marken-Discount AG und Co. KG ist wie die Edeka Handelsgesellschaft Südwest mbH ein Tochterunternehmen der Edeka Zentrale AG und Co. KG. Bundesweit gilt die Netto Marken-Discount AG nach Aldi und Lidl mit knapp 4200 Filialen als drittgrößter Discounter. Sie beschäftigte Ende 2013 etwa 70 000 Mitarbeiter. Im gleichen Jahr betrug der Umsatz rund 11,3 Milliarden Euro. Die Edeka Handelsgesellschaft Südwest ist eine von sieben Regionalgesellschaften der Edeka-Gruppe. Sie hat ihr Absatzgebiet in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Südhessen und Teilen Bayerns. Der Gesellschaft gehören etwa 1450 Märkte in Süddeutschland. Sie beschäftigte Ende 2013 etwa 43 500 Mitarbeiter und machte im Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von rund acht Milliarden Euro.