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Per Handy unter den Rock gucken

Im Trierer Simeonstift bringt NFC-Technik multimediale Inhalte auf das Smartphone

(Trier) Das Stadtmuseum im Simeonstift weitet sein multimediales Angebot jetzt auch auf Smartphones aus - die Besucher damit offiziell mit ins Museum nehmen dürfen. Per neuartiger NFC-Technik gibt es dann Zusatzinformationen zu den Exponaten.

03.02.2014
Frank Göbel
Trier. Die meisten Leute und Sachen, um die es in Museen geht, sind alt oder sogar tot. Darum flammt größeres Interesse oft erst auf, wenn man wenigstens einen dieser beiden Zustände selbst so langsam erreicht. Besonders abschreckend am Museumsbesuch für junge Menschen im Jahr 2014: Es herrscht Handyverbot! Damit ist es im Simeonstift jetzt teilweise vorbei: Das Museum liefert ab sofort Begleitinformationen auf die Taschencomputer, womit nicht nur bei der Jugend das Interesse am Ausgestellten gesteigert werden soll, wie Leiterin Bärbel Schulte erklärt: "Die Besucher haben in Sachen Hightech einen hohen Anspruch. Das Museum muss auch ein Ort zum Mitmachen sein."

Videos und Töne herunterladen


Für die multimediale Unterstützung wurde eine App programmiert, die eine noch recht wenig verbreitete Technik nutzt: Die sogenannte Near Field Communication (NFC), also "Nahfeld-Kommunikation" (siehe Hintergrund). Über das ganze Museum sind 15 etwa handtellergroße Markierungen verteilt, die mit dem Handy oder Tablet fast berührt werden müssen, damit der jeweilige Inhalt von der App angezeigt wird - beispielsweise eine Video- oder Audiodatei. Zum Herunterladen der App steht im Museum ein Netzwerk bereit, sodass auch Besucher mitmachen können, deren Handyvertrag kein mobiles Internet beinhaltet. Doch bei vielen Nutzern funktioniert die Technik trotzdem nicht: Zum einen wird die NFC-Technik bisher nur von wenigen Handys unterstützt. Außerdem verlangt die App zwingend ein Android-Betriebssystem. Von den Apple-Produkten besitzt aber ohnehin noch keines eine NFC-Antenne. Mit einem Samsung Galaxy III oder einem Sony Xperia Z1 kann man aber zum Beispiel sofort loslegen: Nach der Installation wird die App gestartet, sobald man das Handy an eine der NFC-Markierungen hält.
"Bei manchen Exponaten ist es ja wirklich ein Problem, dass man im Museum nichts anfassen darf", erklärt Museumsmitarbeiterin Alexandra Orth und demonstriert, wie die neue Technik hilft: Auf dem Display kann man etwa ein 3D-Modell einer reich verzierten Tasse von allen Seiten betrachten - fast so, als hielte man die Tasse selbst in der Hand.

Detaillierte Einblicke


Auch eine Ausstellung regionaler Kleidung aus vergangenen Epochen stößt regelmäßig auf großes Interesse, erklärt Orth. Jetzt kann man per Smartphone den Trierer Damen unter den Rock gucken: Eine Modedesignerin hat die verborgenen Schichten, beispielsweise ein unbequemes Korsett, nachgenäht und sich darin fotografiert. Die Fotos auf dem Display machen deutlich, was das Museum schon aufgrund der räumlichen Enge nicht leisten kann: dass diese äußerlich hübsche Kleidung sehr anstrengend zu tragen war.
An einem der beliebtesten Exponate des Hauses, dem großen Modell der Stadt, kann per Handy eine komplette Führung nachvollzogen werden - sogar eine auf Trierisch, eingesprochen von Lieselotte Haupers, die früher mit ihrem gut besuchten Vortrag halbjährlich vor Ort war.
Die virtuelle Tour wurde konzipiert vom Trierer Unternehmen Tuomi. Dessen Geschäftsführer Johannes Roos sieht Vorteile vor allem in der leichten Bedienbarkeit: "Man muss nur das Handy ranhalten und bekommt ohne weitere Eingaben sofort den richtigen Inhalt angezeigt - das ist auch ideal zum Beispiel für Sehbehinderte", sagt Roos.
Wer das neue Angebot ausprobieren möchte, kann das im Laufe dieser Woche sogar ganz kostenlos: Besitzern von geeigneten Handys erlässt das Museum bis Sonntag den Eintritt und bittet stattdessen um eine kurze Bewertung.
Extra
Die Near Field Communication (Nahfeld-Kommunikation) dient zur drahtlosen Übertragung von Daten über kurze Strecken von meist wenigen Zentimetern. Wie im Stadtmuseum können dabei auch Informationen aus passiven Transpondern ausgelesen werden, also aus Chips, die keine eigene Stromversorgung brauchen. Bisher wird die Technik zum "Micropayment" genutzt, dem Bezahlen kleiner Geldbeträge, etwa in Kantinen. Dabei muss eine Plastikkarte nur kurz in die Nähe eines Lesegerätes gehalten werden, damit das Geld abgebucht wird. fgg

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