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„Der Beste Schoppen“ - In Zeltingen-Rachtig kommt es auf den ersten Schluck an

(Zeltingen-Rachtig) Der Wettbewerb „Der Beste Schoppen“ geht bereits in die 19. Runde. Bis zu 250 Lokale aus ganz Deutschland stellen ihre offenen Moselweine an.

05.04.2017
Clemens Beckmann
Was für eine Karriere! Der Qualitätstest „Der Beste Schoppen“ startet in seine 19. Auflage. Alle Gastronomiebetriebe und konzessionierten Winzerwirtschaften können ihre offenen Ausschankweine von Mosel, Saar und Ruwer zum Wettbewerb einreichen. Das Besondere an dem Wettbewerb: Gastgeber und Winzer bewerten gemeinsam mit Fachleuten die Qualität der Schoppenweine und arbeiten so kontinuierlich daran, das Angebot für die Gäste zu verbessern.

Seit dem Start des Wettbewerbs im Jahr 1999 wurden mehr als 18?300 Weine aus dem Anbaugebiet bewertet. Etwa 550 Unternehmen der regionalen Gastronomie und Weinwirtschaft arbeiten Jahr für Jahr zusammen und geben dem Gast Orientierungshilfe bei der Auswahl offener Weine. 

Der Wettbewerb ist ein Kooperationsprojekt: Beteiligt sind die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, die Industrie- und Handelskammern Trier und Koblenz, das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR), der Hotel-und Gaststättenverband (Dehoga) Rheinland-Pfalz und die Weinwerbung (Verein Moselwein). In einem Pressegespräch im Hotel Deutschherrenhof in Zeltingen-Rachtig, der „Neuentdeckung des Jahres“ im Vorjahreswettbewerb, gaben die Träger am Mittwochnachmittag den Startschuss für 2017. 

Sie rechnen damit, dass in diesem Jahr etwa 1400 bis 1500 Weine eingereicht werden. Damit würde die Gesamtzahl der bisher getesteten Weine bei fast 20.000 liegen. 

An der Zielsetzung hat sich in den fast 20 Jahren nichts geändert. Bereits der erste Wein, den ein Gast in einem Lokal genießt, soll schmecken. Tut er das nicht, wird es wahrscheinlich zu keiner zweiten Bestellung kommen. Der Gast wird sich möglicherweise vom Wein abwenden. „Und das ist keine gute Werbung für eine Weinregion, die auch stark vom Tourismus abhängig ist“, sagt Weinwerbungs-Geschäftsführer Ansgar Schmitz. 

Getestet wird beim Wettbewerb in elf Kategorien: Riesling trocken, halbtrocken und lieblich; Elbling trocken und halbtrocken; Rivaner trocken und halbtrocken; weiße Burgundersorten trocken und halbtrocken; Rose/Weißherbst/Blanc de noir und Rotwein trocken. 

Am Anfang waren es nur fünf Sorten. Auch hier ist also eine Entwicklung festzustellen. 

Dehoga-Vorsitzender Gereon Haumann spricht von einem „grandiosen Wettbewerb“ – quantitativ wie qualitativ. 1999 seien 138 Weine angestellt worden, 2016 mehr als zehn Mal so viele. Er wünsche sich so eine Entwicklung auch in anderen Bereichen. Der Wein sei aber mit das beste der regionalen Produkte. 

Damals, so Haumann, sei es die Idee gewesen, Biertrinkern den Wein näher zu bringen. Das sei hervorragend gelungen. Albrecht Ehses (IHK Trier) lobt die gute Zusammenarbeit zwischen Gastronomen und Winzern. „Es sind sogar Freundschaften entstanden“, sagt er. 2500 Wettbewerbsunterlagen gingen in den nächsten Tagen an mögliche Teilnehmer heraus. 

Alle Fäden laufen bei Projektleiter Dieter Reiss (Constantin Consulting Bernkastel-Kues) zusammen, der auch schon seit Anfang an dabei ist. Es habe einen ungeheuren Qualitätsanstieg gegeben, berichtet er. „Die Weine, die damals durchkamen, hätten es heute schwer“, sagt er im Rückblick. 

Es sei auch alles viel professioneller geworden. Auf einer Datenbank könne alles Wissenswerte über Gastronomen, Winzer und Weine abgelesen werden. Und es haben sich Partner gefunden, die für die Preise geradestehen, zum Beispiel die Volks- und Raffeisenbanken und Gerolsteiner. 

Riesling sei beständig bei den Angeboten, berichtet Reiss. Rose und Weißburgunder seien auf dem Vormarsch, Rivaner gehe zurück. Dies spiegele auch den Trend im Konsumverhalten der Verbraucher wider. 

Der Wettbewerb spiele sich natürlich vorrangig auf der regionalen Ebene ab. Es gebe aber auch Gastronomiebetriebe im Rest von Deutschland und auch im Ausland, die von dem Wettbewerb begeistert sind und sich beteiligen. 

Siegerweine werden in Kröv präsentiert

Es wird drei Regionalproben geben: in Trier (13. Juni), in Ediger-Eller (20. Juni) und in Bernkastel-Kues (27. Juni). Die Finalprobe ist am 6. Juli im Steillagenzentrum in Bernkastel-Kues. Die Siegerweine werden am 18. Juli in Kröv präsentiert. Verschiedene Unternehmen stellen Preise bereit. Ermittelt werden unter anderem die „Neuentdeckung des Jahres“ und der beste Betrieb in der Kategorie „Weingut mit Gastronomie“. Nur Gastgeber, die mindestens drei Weine einreichen, können eine Betriebsauszeichnung erhalten. 
 

Kommentar

Ein Nebenprodukt hat sich zum Knaller entwickelt

Hat der Qualitätssprung beim Schoppenwein auch auf die übrigen Weine abgestrahlt? Oder ist im Sog des allgemeinen Aufschwungs in diesem Bereich auch der Schoppenwein besser geworden? Es ist egal! Hauptsache es ist so. 
Wer zurückdenkt und ehrlich mit sich ist, muss zugeben: Vor 20 Jahren war der Schoppen in den Gasthäusern ein Nebenprodukt. Rot oder weiß, trocken oder lieblich – mehr gab es nicht. Was heute teilweise als Schoppen ausgeschenkt wird, gab es damals nicht einmal in der Flasche. 

Die Ideengeber des Wettbewerbs haben im Traum nicht damit gerechnet, was aus dem Projekt geworden ist und wie es sich entwickelt hat. Die Basis ist nicht nur zahlenmäßig viel größer geworden sondern hat auch enorm an Qualität zugelegt. Und auch wenn niemand seine Bilanzen offenlegt, dürfte es keine Frage sein, dass beiden Seiten, Gastronom und Winzer, von dieser Entwicklung profitieren. Darauf dürfen sie auch ruhig stolz sein.