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Hochmoselübergang: Inszenierung auf der Rastanlage (Fotostrecke)

(Zeltingen-Rachtig) Der Hochmoselübergang soll mehr sein als eine Brücke. Architekten haben sich Gedanken gemacht. Ein besonderer Steg ist der Favorit. Dossier zum Thema: Hochmoseluebergang

17.03.2017
Clemens Beckmann
Zwei Staatssekretäre, Peter Bleser aus Berlin und Andy Becht aus Mainz, sind da. Und hätte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nicht einen noch wichtigeren Termin gehabt, wäre er auch ins Kelterhaus Schorlemer in Zeltingen gekommen, sagt Christian Weibrecht, einer seiner Ministerialdirigenten. Ein solcher auf EU-Ebene ausgeschriebener Wettbewerb sei auch ein Novum, sagt Edeltrud Bayer, Leiterin des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier. 14 Büros hatten sich für den Wettbewerb „B 50 Rastanlage Moselblick mit Aussichtspunkt“ beworben. Fünf von ihnen holen sich ihr Preisgeld ab: zwischen 20 000 und 3500 Euro. Eines von ihnen wird auch den Auftrag zur Umsetzung des Projektes bekommen.

Dafür stellt der Bund immerhin bis zu fünf Millionen Euro zur Verfügung. Höchst wahrscheinlich ist das der erste Preisträger: das Landschaftsarchitekturbüro „Kraft.Raum“ aus Krefeld. Es hatte sich, wie berichtet, mit einer Anlage beworben, in deren Mittelpunkt ein mehr als 1000 Meter langer Steg steht, die sich an der Hangkante entlang windet.
„Wir werden aber jetzt noch einmal mit den Preisträgern verhandeln“, sagt Christoph Heckel von den Trierer Landschaftsarchitekten BGH Plan.

Es organisiert den Wettbewerb (bis zur Auftragserteilung) im Auftrag des LBM. Geprüft werde jetzt unter anderem, ob die Preisträger überhaupt in der Lage sind, das Projekt bis Ende 2018 umzusetzen. Genau wie Hans-Michael Bartnick (LBM) geht aber auch er davon aus, dass schon viel schief laufen müsste, damit das Krefelder Büro den Auftrag nicht bekommt.

Warum überhaupt dieser Wettbewerb? Alles, so Peter Bleser, Staatssekretär im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung, fing mit einem Vorschlag des Hundheimer Künstlers R. O. Schabbach an. Er wollte die 160 Meter hohe Brücke illuminieren lassen.

Dieser Vorschlag fand kein Gehör in Berlin. Doch es wurde der Gedanke geboren, den Hochmoselübergang mit einer besonderen Rastanlage für Autos und Busse auszustatten. Sie soll den Blick ins Tal ermöglichen und Autofahrer dazu ermuntern, nicht einfach weiterzufahren, sondern das Tal zu besuchen.

Das Votum des neunköpfigen Preisgerichts für die Rastanlage mit Steg fiel einstimmig aus. „Bewusst verzichten die Verfasser auf ein mit der Brücke konkurrierendes Bauwerk“, heißt es in der Begründung.

Die Rede ist von einem „spannenden Erlebnisweg mit drei gut inszenierten Aussichtsschwerpunkten. Und weiter: „Die Freizeitanlage verspricht ebenfalls eine hohe Attraktivität. Insgesamt verspricht der Entwurf eine hervorragende Inszenierung.“

„Wir haben nicht gegen die Brücke gearbeitet“, drückt es Wolfgang Hilgers, einer von zehn Mitarbeitern des Büros aus. Sie haben auch eine Sommerrodelbahn mitgeplant. Ihr Bau scheint aber eher unwahrscheinlich, sagt Christoph Heckel.
Im Preisgericht saßen neben Fachleuten auch Vertreter aus der Region. Einer von ihnen ist der Zeltingen-Rachtiger Ortsbürgermeister Manfred Kappes. Der Steg sei attraktiver als ein Aussichtsturm, glaubt er. Im Vorfeld war öfter von einem Turm als möglicher Attraktion gesprochen worden. Der, so die Experten, müsse aber mehr als 60 Meter hoch sein, damit ein Blick ins Tal überhaupt möglich ist.

Kappes sieht den Steg als „Erlebnispfad“ an. „Und so etwas lässt sich gut vermarkten“, sagt er.
Meinung
Mehr als ein Zugeständnis

Eine 160 Meter hohe Brücke mit illuminierten Pfeilern: Das wäre ein Hingucker gewesen und hätte der Region auch überregional gut zu Gesicht gestanden. Die Entscheidung „Kein Dübel in einen Pfeiler“ ist aber zu akzeptieren. Es ist aber zu begrüßen, dass an diesem Mammutbauwerk überhaupt etwas passiert, das über die eigentliche Nutzung hinaus geht. Die Diskussion über Sinn oder Unsinn dieser Straßenverbindung hat sich beruhigt. Dass nicht wenige Menschen nie ihren Frieden mit der Brücke machen werden, bleibt aber Fakt. Eine Attraktion, die selbst genutzt und auch vermarktet werden kann, darf kein Zugeständnis, sondern muss eine Selbstverständlichkeit sein. Der Erlebnissteg an der Hangkante hätte das Zeug dazu. c.beckmann@volksfreund.de 

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