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Mosel-Weinbautag: 600 Winzer danken dem lieben Gott

(Bernkastel-Kues.) Riesenandrang in der Mosellandhalle in Bernkastel-Kues: Mehr Winzer als sonst wollten sich über Pflanzenschutz und neue Technik informieren – zum Beispiel über einen weiteren Vollernter für die Steillage.

11.01.2017
Clemens Beckmann
Ob Winzer Frühaufsteher sind? Wer zum Mosel-Weinbautag kommt, sollte es sein. Sonst muss er im Gang stehen, an der Wand lehnen oder auf einer Stufe sitzen. Es sind nicht wenige, die dies am Eröffnungstag tun müssen. Dabei ist die Mosellandhalle auf dem Kueser Plateau nicht klein. rund 450 Stühle stehen dort – sie reichen bei weitem nicht – genauso wenig wie die Parkflächen vor dem Gebäude. „So viele Leute waren noch nie hier“, sagt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel und seit Jahren bei der Veranstaltung dabei. 

Vieles ist sehr speziell bei solchen Veranstaltungen. Nur Insider können es verstehen. Manches ist aber von existenzieller Bedeutung – nicht nur für den Berufsstand, sondern für die ganze Region. Denn vom wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg der Winzer hängt auch das Wohl anderer Leistungsträger (Handwerker, Hotels, Restaurants) ab. 
Matthias Porten, Technikexperte des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel, besitzt die Gabe, die Zuhörer mitzureißen. Wenn er von der Entwicklung des Vollernters für die Steillage berichtet, glaubt man bei den Fahrten dabei zu sein. 

Der regionale Aspekt: Die Firma Hoffmann Landmaschinentechnik in Piesport produziert ihn bereits. Fünf Maschinen gibt es bisher. „Zwei laufen in Franken, einer in Portugal, einer in Frankreich und einer hier“, sagt Porten. Was er auch sagen will, aber nicht ausspricht. Offenbar zählt der Prophet im eigenen Land nicht so viel.
Mittlerweile gibt es einen weiteren Anbieter – eine Firma aus Südtirol. Der Prototyp war zwei Tage an der Mosel im Einsatz. Er hat noch mehr Kinderkrankheiten als der Vollernter aus Piesport. Porten sieht Platz für beide und hofft, dass sich die Macher gegenseitig hochschaukeln. 

Ein perfekt arbeitender Vollernter würde vielen Winzern die schwere Erntearbeit erleichtern. Das wäre ein wichtiger Schritt in eine auskömmliche Zukunft. Und das würde der gesamten Region zugutekommen. Zur Veranstaltung gehört der Bericht des Weinbaupräsidenten zur Lage in der Region. Dazu gehört in diesem Jahr auch zwingend ein Rückblick auf 2016.

 „Es war ein extremes Jahr – mit Hagel, Trockenheit, Nässe, Hitze und Schädlingen – mit Totalausfällen bei der Ernte aber auch Übermengen“, sagt Rolf Haxel. Viele Winzer freuen sich aber über einen guten Jahrgang. „Dafür sollten wir auch dem alten Mann im Himmel danken“, gibt sich Haxel demütig. Er hat vor dem Weinbautag die Arbeit vieler Kollegen gelobt. Doch er scheut auch die Kritik nicht. „Es gibt Winzer, die bei den Fassweinen schlechte Qualitäten anbieten. Es muss ihnen doch klar sein, dass die Kellereien die nicht nehmen.“ 

Weinbaustaatssekretär Andy Becht (FDP), seit wenigen Monaten im Amt, feiert seine Premiere beim Weinbautag. 
Er lockt mit Sätzen wie: „Sie wollen guten Wein machen, wir wollen gute Politik machen. Wir haben uns gesucht und gefunden. Sie haben den Beweis schon erbracht. Ich bin noch in der Bringschuld.“