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Im Rollstuhl mitten im Fastnachtstrubel: Querschnittsgelähmter Jecke macht beim Rachtiger Umzug mit

Frank Schäfer ist querschnittsgelähmt und macht dennoch seit sieben Jahren beim Rachtiger Umzug mit

(Zeltingen-Rachtig) Seit vielen Jahren baut der Monday-Club für den Rachtiger Fastnachtsumzug (Kreis Bernkastel-Wittlich) einen Motivwagen. Das Besondere: Mit dabei ist Frank Schäfer aus Bernkastel-Kues, der seit einem Verkehrsunfall im Rollstuhl sitzt. Die Männer bauen den Wagen behindertengerecht.

03.02.2016
Winfried Simon
Zeltingen-Rachtig. Es wird gesägt, geschraubt, gehämmert und gestrichen. In der Garage von Wolfgang Gessinger entsteht wieder einmal ein origineller Motivwagen für den Rachtiger Fastnachtsumzug. Die zehn Männer des seit 1983 bestehenden Monday-Clubs haben sich diesmal ein Motiv mit örtlichem Bezug ausgedacht. Den letzten Metzger im Dorf gibt es seit einigen Monaten nicht mehr. "Die letzte Sau, die ist geschlacht, der Junglen hat jetzt zugemacht", steht auf großen Lettern auf dem Wagen.

Bruno Eltges und Roland Jakobs hieven eine schwere Holzplatte auf einen Ständer, um sie zurechtzuschneiden. Frank Schäfer kann das nicht. Er ist querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Er nimmt einen Farbtopf und malt die Sprüche auf das Brett. Außerdem kümmert er sich um die Auswahl der passenden Musik.

Seit 2009 macht er beim Monday-Club mit - trotz seiner Behinderung. Und er wird auch wieder beim Umzug, der am Rosenmontag um 15.11 Uhr startet, dabei sein. In sitzender Position stellt er einen Metzger dar.

Schäfer: "Für mich ist es selbstverständlich, als Rollstuhlfahrer mitzumachen." Der 43-Jährige, der seit dem Unfall im Jahr 1993 querschnittsgelähmt ist, war schon immer ein begeisterter Fastnachter. Zuerst in seinem Geburtsort Zeltingen, jetzt in Rachtig. Dort hat er als ehemaliger Aktiver des Radsportclubs noch viele Freunde und Bekannte. Vor drei Jahren war er sogar der Rachtiger Karnevalsprinz, Ehefrau Andrea Feld-Schäfer seine Prinzessin. "Meine Frau hat mich stets unterstützt", sagt er. Für ihn ist es wichtig, nicht als armer, bemitleidenswerter Mensch wahrgenommen zu werden, sondern als jemand, der wie viele andere im Rollstuhl sitzt und aktiv ist.

Nach seinem Radunfall musste Frank Schäfer sein Leben radikal neu ordnen. Sein Maschinenbaustudium hatte er aufgegeben und auf Informatik umgesattelt. Er ist heute Softwareentwickler an der Landespolizeischule Rheinland-Pfalz im Bereich der Anwendungsentwicklung. Als Behindertenbeauftragter der Landespolizeischule macht Schäfer auf Barrieren aller Art aufmerksam, um somit anderen den Weg zu bereiten, den er selbst schon gegangen ist. Schäfer ist außerdem stellvertretender Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderungen im Kreis Bernkastel-Wittlich.

 

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