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Alles dreht am großen Rad: Kylltal-Trassenweg geht bald in Betrieb, Glaadter Hütte eröffnet

Kylltal-Trassenweg geht bald in Betrieb, Glaadter Hütte eröffnet

(Jünkerath-Glaadt) Die Vorfreude wächst: Am Sonntag, 3. Mai, eröffnet der Kylltalradweg mit viel Programm in allen Dörfern zwischen Jünkerath und Büllingen. Und direkt an der Trasse werden Susanna Vinken und Simon Cox pünktlich mit der Glaadter Hütte fertig sein, die nicht nur Radler beherbergen soll. Dossier zum Thema: Topthemen

10.04.2015
Fritz-Peter Linden
Jünkerath-Glaadt. Das Projekt Glaadter Hütte hat dann doch ein bisschen mehr gekostet - Zeit, Aufwand, Arbeit, Geld: Aber Susanna Vinken und Simon Cox - das Ehepaar ist seit vorigem Jahr Besitzer des früheren Hauses Manstein (der TV berichtete) - haben nachgelegt: Der ursprünglich vor allem für Radfahrer vorgesehene Betrieb mit kleiner Menükarte wird deutlich ausgeweitet, bietet Restaurant, 32 Betten und eben alles, was der Radler braucht.
"Wir haben zwei Köche eingestellt. Wir planen ein bisschen mehr Gastronomie und einen größeren Biergarten", sagt Susanna Vinken. Und: "Die Küche läuft schon." Wie kam es dazu? "Durch den Zuspruch in der Gemeinde", sagt Cox. "Und die große Nachfrage." Also habe man das Konzept erweitert. Und lande wohl bei einer Investition von einer dreiviertel Million Euro. Die Hoffnung, dass sich das rechnet, ist groß - zumal am Haus schon bisher so viele Radler vorbeigerollt sind, dass seine Frau gesagt habe: "Hier braucht man ja nur ein Kuchenblech rauszuhalten."
Der erste große Test ist dann am Glaadter Kirmessonntag, 3. Mai: Dann nämlich wird der Kylltalradweg auf der Bahntrasse zwischen Jünkerath und der Grenze zu Belgien mit großem Programm eröffnet. Deshalb sind an diesem Donnerstag etliche Vertreter der beteiligten Länder und Kommunen nach Glaadt gekommen, um den dicken Termin gebührend anzukündigen.
Denn dieser, sagt der Euskirchener Landrat Günter Rosenke, "zeugt davon, dass hier etwas Besonderes passiert". Und dass er froh darüber sei, wie beide Bundesländer gemeinsam das Projekt umgesetzt hätten, das sei Tourismus- und Wirtschaftsförderung im besten Sinn.

Millionen-Wertschöpfung


Harald Enders, Chef des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Gerolstein, erinnert an die Möglichkeiten, die sich mit der Fertigstellung eröffnen: "Dadurch wachsen wir praktisch mit der Vennbahn zusammen." Auch wenn auf belgischer Seite noch nicht alles asphaltiert ist, wie Wolfgang Reuter von der Gemeinde Büllingen darlegt: Aber am Eröffnungstag werde sich Büllingen trotzdem beteiligen, der Weg sei, dank einer feinen Schotterauflage, durchaus befahrbar. Die Asphaltierung soll im Lauf des Jahres erfolgen. Und danach heißt es dann: problemlos rollen von Jünkerath bis hinein nach Belgien und dann rauf nach Aachen oder runter nach Luxemburg.
Harald Enders rechnet mit einer Wertschöpfung von drei bis vier Millionen Euro im Jahr, dabei orientiert er sich an einer Studie zum Maare-Mosel-Radweg, der auf 50 Kilometern Länge und bei 67 000 Nutzern jährlich auf acht Millionen komme.
Hauptsache, das Angebot entlang der Strecke stimmt - in Glaadt sieht es schon sehr danach aus. Und in den anderen Gemeinden freut man sich ebenfalls und will überall zum Eröffnungstag einiges bieten: Man wisse in Dahlem und Kronenburg, sagt Bürgermeister Jan Lembach, "vor Begeisterung schon gar nicht mehr, wohin". Ähnlich ist es in Losheim: "Das hier könnte eine tolle Sache werden", sagt Bürgermeister Rudolf Westerburg mit Blick auf die Glaadter Hütte - und hofft, dass entlang der Strecke weitere Angebote entstehen.
"Die Hallschlager sind wie jeck auf den Radweg", sagt Ortsbürgermeister Dirk Weicker, der dort bereits jetzt "Leute ohne Ende" fahren sieht. Die hat auch Diane Schmitz, Chefin der Verbandsgemeinde Obere Kyll, registriert: "Man sieht schon jetzt, wie viele den Radweg nutzen. Das ist echt der Wahnsinn."
Das Programm in den Dörfern zur Eröffnung bringt der TV in Kürze.
Meinung
Begründete Begeisterung

Man spürt es deutlich : Die Begeisterung erfasst so langsam alle, die irgendwie mit dem Kylltalradweg zu tun haben. Und dass zum Beispiel in Glaadt und Stadtkyll schon Gastronomen dabei sind, ein passendes Angebot entlang der Strecke zu entwickeln, ist ein toller Anfang. Denn der Radweg bietet eine Menge Chancen: Er wird jedes Jahr viele tausend Menschen ins Obere Kylltal bringen. Und die würden sich gewiss darüber freuen, wenn man sie entsprechend empfängt, dann geben sie auch gerne Geld aus. f.linden@volksfreund.de
Extra
Der Kylltalradweg führte bisher zwischen Jünkerath und der Grenze zu Belgien nicht über die Bahntrasse, sondern teils über die Bundesstraße 421. Im Jahr 2006 kauften Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die Strecke von der Bahn für 500 000 Euro. Den Umbau zum Radweg bestreiten der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Gerolstein und Straßen NRW gemeinsam: Der Kreis Euskirchen (Anteil: 7,5 Kilometer) verantwortet den Bau der Fahrbahn (zwei Millionen Euro), während der LBM die Erneuerung der 29 Brücken übernahm (2,5 Millionen). Die Eröffnung ist am Sonntag, 3. Mai, mit Aktionen von 10.30 bis 18 Uhr. fpl