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Kölsch ganz ohne Humtata

(Stadtkyll) Starke Songs, gewitzte Texte und großartiges Instrumentalhandwerk: Gerd Köster und Frank Hocker spielen mit Helmut Krumminga in Stadtkyll.

31.08.2017
Fritz-Peter Linden
Stadtkyll Der Satz bringt schon alles zusammen: "Wir sind melancholische Frohnaturen", sagt Gerd Köster. Und das, ergänzt der Sänger und Texter, könne man auch beim Konzert am Samstag in Stadtkyll erleben: "Et jit jät ze Laache - und es wird auch mal ruhig zwischendurch."
Wir, das sind Köster und Gitarrist Frank Hocker. Seit mehr als 30 Jahren machen sie zusammen Musik, anfangs noch mit der "Schroeder Roadshow", bald darauf im Duo. Mit Texten im Dialekt, aber jenseits der Karnevalsbühnen.
Das geht? Ja, wenn man es so macht wie die beiden und alles zusammenbringt, was ihre Einflüsse ausmacht: von Blues bis Country, von Rock bis Folk.
Aber eben auch Heimatliches: die "Krätzjer" - diese kleinen, liebevollen rheinischen Geschichten voller Schalk und Spaß. Das alles steckt in ihren Liedern, und es wird stimmig zusammengemischt. Eins der erwähnten, in diesem Fall lässig (Pardon, so viel Karneval muss sein:) schunkelnden Krätzjen haben sie auch auf der neuen Platte - und sind damit richtig aktuell: Es ist die Geschichte von "Selfie Elfie und Twitter Pitter", die anfangs Katzenbildchen im Internet "teilen" - und am Ende ein kühles Grab. Weil sie vor lauter Foto-Posterei und Twitterei am Steuer mit dem Auto in den Graben gerauscht sind.
Sehr schöne Musik kommt immer wieder dabei heraus, mal mitreißend euphorisch, mal melancholisch, mal räudig rausgehauen - wie "Wa’sch nit kenne ka’sch nit ligge" (Was ich nicht kenne, kann ich nicht leiden), eine Nummer, die man wahrscheinlich nicht auf einem AfD-Parteitag hören wird.
Und alles auf Kölsch - aber fern von den jecken Bühnen und dem Täterää der fünften Jahreszeit. Das ist Absicht: "Es ist uns einigermaßen gelungen", sagt Gerd Köster, "da eine Nische zu finden. Dass man glaubwürdig Kölsch singt und lebt - ohne in diese Sitzungsmühle hineinzugeraten." Oder in die Selbstverliebtheitsmühle, die man ja von den Domstädtern ebenfalls kennt: "Ja, wir haben mehr Lieder über Köln als über Feinstaub", sagt Köster und lacht.
Die Musiker präsentieren am Samstag unter anderem ihr neues, im Frühjahr veröffentlichtes Album "A’s kla?" und viele weitere Songs aus all den gemeinsamen Jahren. Mit dabei haben sie beim Auftritt in Stadtkyll einen weiteren Ausnahmemusiker: Helmut Krumminga, der mehr als 15 Jahre lang bei BAP Gitarre spielte und auch auf der neuen Köster-Hocker-CD zu hören ist.
Dass sie in der Trio-Besetzung immer noch gemeinsam unterwegs sind, hätten sie beim ersten Mal nicht erwartet: "Wir dachten damals: Drehen wir mal ein Ründchen", sagt Köster. Kleine Besetzung, kein großer Aufwand, bei dem man sich möglicherweise in die Pleite spiele. "Und jetzt machen wir das, mit Unterbrechungen, schon seit 1996." Und es klingt noch immer wie neu.
Das Konzert ist am Samstag, 2. September, 20 Uhr, im Festsaal des Restaurants "La Sirena" in Stadtkyll. Karten kosten 19 Euro im Vorverkauf, an der Abendkasse 23 Euro.
Verkaufsstellen: Restaurant La Sirena, Stadtkyll, Telefon 06597/900623; Elektro Maus, Stadtkyll, Telefon 06597/ 961153; online bei KölnTicket und eventim und über den Trierischen Volksfreund mit der TV-Ticket-Hotline 0651/7199-996.