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Tesla-Technikchef zu Besuch in Prüm - Sie hätten da ein paar Vorschläge

(Prüm) Der Technikchef des Autoherstellers Tesla hat das Grohmann-Werk in Prüm besucht, das von den Amerikanern übernommen wurde. Gewerkschaft und Betriebsrat forderten Tarifverträge. Und Gründer Klaus Grohmann ist draußen.

01.04.2017
Fritz-Peter Linden
Prüm Klaus Grohmann, Gründer und bisheriger Chef des weltweit tätigen Maschinenbau-Unternehmens Grohmann Engineering in Prüm, ist nicht mehr dabei: Das erfuhren die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung mit Jeffrey Brian Straubel, Technikvorstand des kalifornischen Elektroauto-Herstellers Tesla. Straubel war am Freitag in Prüm und verkündete dort die Nachricht, dass der bisherige Chef sich zum Ausstieg entschieden habe.

Die Amerikaner hatten im Herbst den Prümer Betrieb übernommen (der TV berichtete), Grohmann blieb zunächst Geschäftsführer von "Tesla Grohmann Automation". Auf den 74-Jährigen folgt Lothar Thommes, bisher Vertriebschef für den Automobilsektor.

Das Treffen hatte noch mehr Brisanz: Betriebsrat und die Vertreter der IG Metall wollten Straubel unmittelbar vor der Versammlung dazu auffordern, in Tarifverhandlungen einzuwilligen - "damit man auch in Amerika sieht, dass wir’s ernst meinen", sagte der Trierer Gewerkschaftssekretär Patrick Georg. Dazu kam es aber nicht - Straubel huschte so schnell unerkannt durch die Reihen der mehr als 300 Mitarbeiter vor der Halle 7, dass der erste Versuch scheiterte.
Sie werden dranbleiben: Zwar habe das Unternehmen inzwischen beim Lohn ein Angebot zur Nachbesserung gemacht, sagt Christian Schmitz, ebenfalls von der IG Metall - die Rede ist von 150 Euro, die man den 680 Beschäftigten im Werk zusätzlich auf den Monatslohn packen wolle. "Aber das ist immer noch weit, weit weg vom Tarif."

Zugleich stecke dahinter einer der Gründe, warum man bisher noch nicht mehr Kräfte in die Eifel locken konnte. Tesla Grohmann braucht sie, einige sind auch bereits eingestellt worden. Aber das reicht noch nicht. Wolle man die benötigten Facharbeiter nach Prüm locken, "dann muss man mehr auf den Tisch legen". Das unterstreicht auch der Betriebsratsvorsitzende Uwe Herzig: Er spricht von etlichen Facharbeitern, die "gerne bereit" wären, in Prüm anzuheuern. Zumal viele von ihnen höher qualifiziert seien als sie derzeit eingesetzt würden. "Aber warum soll einer, der jetzt gutes Geld als Produktionshelfer verdient, hierherkommen - für weniger?"

Die Zeit drängt offenbar: Die Mitarbeiter in Prüm seien bereits "an der Kante", sagt Herzig, "wenn nicht sogar schon drüber". Dadurch werde es schwieriger, alle Aufträge (etwa die Hälfte davon sind nicht für Tesla) abzuarbeiten.
Zudem seien die Mitarbeiter stolz auf den Kundenstamm, den man sich erarbeitet habe, da hänge viel Herzblut drin. Diese Kundschaft nun zu verlieren, "das ist die große Sorge, die uns hier umtreibt", sagt Herzig. Und Tesla sei noch nicht auf die Belegschaft zugekommen, um ihr darzulegen, "wie das funktionieren soll".
Deshalb die Aufforderung, in Verhandlungen einzusteigen "und im demokratischen Konsens die Probleme zu beseitigen", sagt Herzig. "Aber daran hapert es."

Tesla übernimmt Grohmann: Es war vergangenen November die Nachricht des Jahres für die Wirtschaft in der Eifel. Der TV wollte wissen, was das bedeutet, welches Gewicht der Standort fürs Unternehmen künftig haben wird. Damals gab Tesla an, dass weitere Standorte in Deutschland folgen sollen, wobei Prüm als "initial base", als Anfangsbasis also, dienen soll "für das Hauptquartier von ,Tesla Advanced Automation Germany‘" (advanced automation: fortgeschrittene Automatisierung). Was so viel heißt wie: In Prüm fangen wir an, die Zentrale wird dann woanders entstehen. Oder? Es war bisher nicht zu erfahren. Eine Antwort auf diese und weitere Fragen seitens Tesla steht aus - gestellt haben wir sie im Januar, aber außer einer kurzen E-Mail ohne nennenswerten Inhalt kam von Tesla bisher nichts ("Das ist die neue Offenheit der Weltenretter", scherzt einer aus der Branche).

Auch in Prüm ist von der bisherigen Führungsriege um Klaus Grohmann nichts zu hören, was auch nur einen Halbsatz rechtfertigen würde.
Also hörten wir uns da um, wo man zu Auskunft bereit war: In der bisherigen Grohmann-Kundschaft. Wie sieht man da den Einstieg von Tesla? "Wir haben Grohmann in der Vergangenheit schätzen gelernt als zuverlässigen und guten Lieferanten", sagt Michael Rebstock, Sprecher der BMW AG. Die Zusammenarbeit mit den Eifelern sei "unter dem Strich immer zufriedenstellend" gewesen.

Dass diese jetzt einem Konkurrenten gehören, müsse nicht unbedingt zu Problemen führen: "Die meisten Automobilzulieferer arbeiten ja für verschiedene Hersteller. Da müssen Sie sich auch darauf verlassen, dass da fair gespielt wird." Wie sich nun die neue Eigentümerstruktur für die Beziehung zu BMW auswirken werde, "können wir noch nicht sagen". Man werde die Entwicklung aber beobachten und gegebenenfalls "die notwendigen Konsequenzen" ziehen.

Aber das, sagt Michael Rebstock, betreffe BMW nicht allein: "Die gesamte Branche ist ja da Kunde und schaut sich an, wo das hingeht." In München werde man "auf jedwede Entwicklung eingerichtet sein und sich vorbereiten". BMW, mit den Modellen i3 und i8 (und sechs Hybrid-Autos) ebenfalls bereits elektrisiert, bleibt also vorerst cool.
Und was sagt man in Stuttgart? Die Daimler AG war sogar einige Jahre lang Anteilseigner bei Tesla: 2009 stieg sie mit 9,1 Prozent bei den Kaliforniern ein und verkaufte wenige Jahre später wieder mit großem Gewinn. Man kooperierte bei der Motorenentwicklung für diverse Smart- und Mercedes-Modelle, Tesla liefert auch weiterhin Elemente an Daimler: "Wir beziehen den kompletten Antriebsstrang für die B-Klasse electric drive von Tesla", sagt Pressesprecherin Silke Walter. Auch bei Grohmann ist man Kunde - welche Elemente man genau von den Eifelern erhalte, sagen die Stuttgarter allerdings nicht.

So weit, so entspannt? Die Autobranche, sagt Gewerkschaftler Christian Schmitz, werde nicht einfach zusehen, wenn ein Konkurrent und Geschäftspartner "zu Dumpinglöhnen" arbeite und die branchenüblichen Sozialstandards nicht einhalte. Zudem stelle sich die Frage: Was geschieht mit dem Standort Prüm, "wenn Tesla einmal das Know-How für seine Giga-Fabriken hat"? Denn die stehen nicht in der Eifel.

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SPITZENUNTERNEHMEN IM SONDERMASCHINENBAU
 
Extra
Grohmann Engineering (heute: Tesla Grohmann Automation), vor fünf Jahrzehnten von Ingenieur Klaus Grohmann gegründet und seit 1983 in Prüm, zählt zu den Spitzenunternehmen im Sondermaschinenbau für automatisierte Fertigungslösungen. In Prüm entstehen zum Beispiel Fertigungsstraßen für elektrische Servolenkungen im weltweiten Automobilbau. Im Werk arbeiten 680 Beschäftigte, weitere 120 hat man an Standorten in Süddeutschland, den USA, in China und Vietnam. Der jährliche Umsatz, zu dem man keine Angaben macht, soll bei etwa 150 Millionen Euro liegen. Im November gab Tesla-Chef Elon Musk bekannt, dass man Grohmann kaufen werde, seit Januar ist die Übernahme vollzogen.