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Von Braunschweig nach Pronsfeld: Blickfang fürs Bahnmuseum

(Pronsfeld) Schritt für Schritt entwickelt sich das kleine Bahnmuseum am Prümtalradweg in Pronsfeld zum großen Schmuckstück. Neuester Blickfang: ein Waggon aus den 1940er Jahren, wie er damals auch durch die Eifel ratterte.

20.11.2015
Fritz-Peter Linden
Pronsfeld. Da segelt er im Nieselregen heran, der alte Waggon: 75 Jahre hat er auf dem Buckel, aus Braunschweig hat ihn eine Spezialfirma in die Eifel transportiert. Es handelt sich um einen "zweiachsigen Durchgangswagen 3. Klasse". Mit sechs Abteilen und je zehn Holzbänken. Und wenn er fertig restauriert ist, soll ein kleines Bistro rein.
Drittklassig - das passt nicht als Bezeichnung für das stetig wachsende Bahnmuseum, das die Pronsfelder da am Prümtalradweg haben entstehen lassen, fast alles in ehrenamtlicher Arbeit. Winfried Richards, bis 2009 Ortsbürgermeister (heute nennt er sich scherzhaft Hobby-Bahnhofsvorsteher) erinnert sich an die Anfänge vor genau zehn Jahren: 2005 habe man nach einer Musikvereinsprobe mit den Plänen für das kleine Museum begonnen, "als das mit dem Radweg akut wurde".
Motto: "Mensch, da müssen wir doch was machen, das an die Bahn erinnert, bevor alles weg ist." Bald war auch das erste Ausstellungsstück aufgetan: Richards’ Bruder Alfred, der in Bremen arbeitete, fand bei einem Schrotthändler eine kleine, alte Lok, eine "ölgefeuerte Kleinlokomotive", kurz Köf. Zum Schnäppchenpreis von 2800 Euro wurde man sich handelseinig und schaffte die "Köf" per Tieflader in die Eifel. "In einem jämmerlichen Zustand" sei die Kleine damals gewesen, aber knapp 20 Freiwillige, erzählt Richards, hätten das bald geändert - "die haben das Dingen auseinandergebaut, gesandstrahlt, gelackt und gepinselt".
Seitdem haben sie noch so einiges mehr zurechtgepinselt: Schienen, Weichen, Weichenkästen, einen Prellbock und eine Waggonwaage anno 1927. Unternehmer und Privatleute spendeten ebenfalls: Zoobetreiber Hans Walpott stiftete Signale, und von Jochen Kettel, der im ehemaligen Stadtkyller Bahnhof wohnt, erhielten sie ein paar Schranken vom ehemaligen Bahnübergang in Prüm. Informationstafeln erläutern die Historie der Westeifelbahn und der Pronsfelder Station.
Am 14. Juni 2009 feierten sie die Einweihung - die Eröffnung übernahm Richards noch selbst als letzte Amtshandlung nach 35 Jahren, denn seine Nachfolgerin Monika Winkelmann war schon gewählt. Seitdem lädt der Musikverein jeden Sommer zum Fest an der "Museumsmeile" ein.
Kurz: Da ist richtig etwas entstanden, zumal auch der benachbarte Wohnmobil-Stellplatz bestens angenommen wird.
Das sieht man auch bei der Kreisverwaltung so und fördert deshalb im Rahmen der Dorferneuerung die Erweiterung des Museums, zu der bald auch ein Mehrgenerationen-Spielplatz kommen soll. Denn der neue alte Waggon ist nicht ganz so günstig zu haben wie die kleine Lok: Alles in allem, sagt Winfried Richards, müsse man für Kauf und Transport gut 16 000 Euro hinlegen. Das Meiste zahlt die Gemeinde, wie hoch der Förderanteil ist, steht noch nicht fest.
Klar ist aber: Der Begriff Museum ist nicht zu hoch gegriffen. Richards erinnert sich an die ersten Pläne, das Ganze als "Denkmal" zu bezeichnen. Damals habe ein Herr aus dem Hunsrück, der sich ebenfalls mit der Bahnhistorie befasse, gesagt: "Ihr seid ja bekloppt. Ihr müsst das als Museum titulieren!" Inzwischen ist wirklich eins draus geworden. Ein sehenswertes.
Meinung
Erste Klasse

Wer durch Pronsfeld kommt, schaut wirklich gerne zweimal hin: Das Museumsmeilchen am Radweg ist erste Klasse und bestens in Schuss. Dank einer guten Idee und vieler freiwilliger Helfer. So macht man das, Chapeau! f.linden@volksfreund.de
Extra
Pronsfeld war ein lokaler Bahnknotenpunkt: Den Anschluss ans deutsche Eisenbahnnetz, sagt der frühere Ortsbürgermeister Winfried Richards, feierte man 1886. Über die Verbindungen Prüm-Gerolstein (Eröffnung 1883) und Bleialf-St. Vith (1888) waren überregionale Ziele leicht mit dem Zug zu erreichen. Im Jahr 1907 folgten die Strecken nach Waxweiler (8,5 Kilometer) und nach Neuerburg (25,4 Kilometer). Auch Güter wurden transportiert, vor allem land- und forstwirtschaftliche Produkte und Baustoffe. Die Bahn, sagt Richards, habe vielen Arbeit geboten, die Linie "hatte für die wirtschaftliche Entwicklung der Region große Bedeutung, diente aber auch militärischen Zwecken. So stellten die Strecken in den Weltkriegen sowie beim Westwallbau wichtige Transportlinien dar." Im Jahr 2006 war alles vorüber, damals wurden die Gleise abgebaut, ebenso die Pronsfelder Bahnhofsanlagen. Heute führt der Prümtalradweg über die Trasse. fpl

 

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