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20 Millionen Euro Zusatzkosten? - Politische Debatte um Hochmoselbrücke

CDU beklagt, dass Parlament und Öffentlichkeit nicht informiert wurden

(Zeltingen-Rachtig) Kurz vor den Landtagswahlen gibt es politischen Streit um die Hochmoselbrücke. Die CDU nennt es unverantwortlich, dass die Landesregierung zusätzliche Sicherungsmaßnahmen ausschreiben ließ, ohne das Parlament zu informieren. Das Land rechnet mit maximal 20 Millionen Euro Zusatzkosten, ein Experte mit bis zu 100 Millionen Euro.

06.03.2016
Katharina de Mos
Zeltingen-Rachtig. Über die Höhe der Zusatzkosten für die Hangsicherung beim Bau der umstrittenen Hochmoselbrücke gibt es kurz vor den Landtagswahlen Streit. Infrastrukturstaatssekretär Günter Kern sagte am Samstag als Reaktion auf einen Artikel des Trierischen Volksfreunds, es habe nichts mit der Realität zu tun, über Extrakosten in Höhe von 50 bis 100 Millionen Euro zu spekulieren. Kern zufolge soll die Hangsicherung nach Schätzungen des Landesbetriebs Mobilität (LBM) zusätzlich zwischen zehn und 20 Millionen Euro liegen. Der LBM hatte sich trotz mehrfacher Presseanfragen zuvor nicht konkret über die möglichen Kosten äußern wollen.

Ein Experte, der Aachener Ingenieurgeologe Professor Rafig Azzam, schätzt die Kosten auf bis zu 100 Millionen Euro. Sind die geplanten Hangsicherungsarbeiten doch höchst aufwendig: Sechs dübelrunde Betonschächte sollen ab April 40 Meter tief in den Moselhang getrieben werden. Bei einem Durchmesser von sechs Metern sind ihre Wände einen Meter dick. An diesen Riesendübeln werden insgesamt 120 Anker befestigt, die je 50 Meter tief in den Berg hineinragen, um diesen rückseitig zu sichern. Azzam hatte das Sicherheitskonzept für den Megabau in der Vergangenheit mehrfach als unzureichend und unverantwortlich kritisiert. Die neuen Maßnahmen hält er für geeignet, um die Standsicherheit zu erhöhen.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Alexander Licht, kritisierte das Vorgehen der Landesregierung. Dass Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) die Arbeiten ausschreiben lasse, ohne die Öffentlichkeit und das Parlament zu informieren, sei eine unverantwortliche Vorgehensweise, sagte er. Wie hoch die Kosten wirklich sind, wird sich erst nach der Auftragsvergabe herausstellen. Diese soll laut Ausschreibung ab dem 14. März erfolgen - also frühestens einen Tag nach der Landtagswahl.

Immer wieder hatten Experten angezweifelt, dass die bis zu 160 Meter hohen Pfeiler der gigantischen Moselbrücke auf dem steilen, rutschgefährdeten Hang bei Ürzig sicher stehen werden. Und immer wieder hatten der Landesbetrieb Mobilität und das Mainzer Verkehrsministerium betont, ihr Sicherheitskonzept reiche aus. Die 170 Millionen Euro teure Brücke bei Zeltingen-Rachtig (Kreis Bernkastel-Wittlich) soll 1,7 Kilometer lang werden. Sie ist Teil einer neuen Strecke, die ab 2018 das Autobahnkreuz Wittlich in der Eifel mit dem Hunsrück verbinden soll (siehe Extra). Kritiker bemängeln, die Brücke zerstöre das idyllische Landschaftsbild des Moseltals.
Extra
Das Gesamtprojekt Hochmoselübergang umfasst nicht nur die Brücke, sondern auch ein etwa 25 Kilometer langes Stück Bundesstraße. Die Kosten liegen aktuell bei (noch) 456 Millionen Euro. Davon entfallen rund 170 Millionen auf die Brücke. Kurz vor Beginn der Arbeiten bei Altrich wurden die Gesamtkosten im Sommer 2002 noch mit 260 Millionen Euro beziffert. 2011 wurden sie auf 330 Millionen Euro korrigiert, 2012 auf 375 Millionen Euro. 2014 kündigte das Infrastrukturministerium neben einer weiteren Kostensteigerung um 81 Millionen Euro eine Bauverzögerung an. Statt 2016 soll der Hochmoselübergang erst 2018 fertig werden. Die Sicherung des Eifelhangs könnte weitere zehn bis gar 100 Millionen Euro kosten. kah

 

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