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53. Neujahrsempfang der Vereinigung Trierer Unternehmer: Wirtschaft in Zeiten des Wahlkampfes

(Trier) Mit rund 560 Besuchern hat die Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) ihren 53. Neujahrsempfang in der Europahalle in Trier gefeiert. Im Wahlkampfjahr waren die Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung auf die Grußworte von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und der CDU-Landesvorsitzenden Julia Klöckner gespannt.

17.01.2016
Heribert Waschbüsch
Der traditionelle Neujahrsempfang ist gleich im Januar für die regionale Wirtschaft der Höhepunkt. Mit hochkarätigen Vorträgen schickt die VTU ihre Gäste und Mitglieder ins neue Jahr, zieht Resümee und gibt eine Einschätzung auf das kommende Wirtschaftsjahr. Auch 2016 punktete die VTU mit einem eloquenten, witzigen und charmanten Impulsgeber. Moritz Freiherr Knigge hatte allerdings starke Konkurrenz. Der Vorsitzende der VTU, Frank Natus, begrüßte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und die CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende Julia Klöckner als Gastrednerinnen: „Wir wollen unseren Mitgliedern Gelegenheit bieten, sich im Wahlkampfjahr von beiden Kandidatinnen ein Bild zu machen.“

Frank Natus zog zunächst ein zufriedenes Resümee für die regionale Wirtschaft – ein stabiles Wachstum werde begleitet von der höchsten Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und einer sehr niedrigen Arbeitslosenquote in der Region.

Bei aller Zufriedenheit machen dem VTU-Chef doch auch die weltweiten Krisen Sorgen. Der Russland/Ukraine-Konflikt, die Schwäche der Bric-Staaten um Brasilien oder die Chinas lassen ihn trotz der guten Ausgangslage vorsichtig ins neue Jahr blicken. Seine Wünsche an die Politik in Bund und Land: die Erbschaftsteuerreform, für Natus in vielen Teilen ungerecht und ein Bürokratiemonster, soll noch einmal überarbeitet werden. Er regt sogar an, die Erbschaf´tsteuer grundlegend zu reformieren, etwa mit einer Flatrate-Besteuerung von zehn Prozent. Seit Jahren mahnt die Wirtschaftsvereinigung auch die „wichtigen Infrastrukturmaßnahmen“ in der Region an. So beklagt Natus den lahmenden Fortschritt beim A1-Lückenschluss und wiederholte die Forderung der Wirtschaft, die West- und Nordumfahrung Trier voranzutreiben.

Als gemeinsame politische und gesellschaftliche Aufgabe sieht Frank Natus die Zuwanderungspolitik an. „Wir müssen weiter Flüchtlinge aufnehmen, wir müssen aber auch sehr genau hinschauen und wissen, wer zu uns kommt.“ Jeder müsse Werte, Gesetze, Religionsfreiheit und Frauenrechte einhalten und respektieren. Mit seinen Anliegen spielte der VTU-Vorsitzende den beiden politischen Gastrednerinnen den Ball zu.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer sieht die Wirtschaft im Land, geprägt vom Mittelstand, in einer sehr guten Verfassung. Sie stellte vor allem das Flüchtlingsproblem in der Vordergrund. „Rheinland-Pfalz ist bisher das einzige Land, das von allen Flüchtlingen Fingerabdrücke nimmt und sie registriert.“ Nach einer ersten Zeit der Improvisation im Sommer seien die Aufgaben nun sehr gut verteilt.

Mit Blick auf die Kölner Ereignisse: „Die Bürger sollen wissen, dass sie in Rheinland-Pfalz einen verlässlichen Staat haben.“ Eine gelungene Integration sei für das Land auch eine Chance, etwa wenn es um Fachkräfte gehe. Und mit Blick auf die VTU-Wunschliste: „Der A1-Lückenschluss ist auch für mich eine Herzenssache, die ich unterstütze.“
Die CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende, Julia Klöckner, legte in Sachen Infrastruktur noch etwas drauf. Für sie ist der Hochmoselübergang ebenso wichtig wie der A1-Lückenschluss. Zudem versprach sie, sich für die Nord- und Westumfahrung einzusetzen. Zu den Kölner Ereignissen findet sie: „Ins Land kommen nicht nur Heilige, und hier leben nicht nur Heilige.“ Deshalb wolle sie mehr Polizisten im Land und die Justiz besser besetzen. In der Bildungspolitik will die CDU-Kandidatin auf den Ministerpräsidentenposten die duale Ausbildung pushen.

 Der Vorsitzende der VTU, Frank Natus, brachte die Meinung vieler Unternehmer nach den Reden auf den Punkt: „Wie die Wahl in wenigen Wochen auch ausgeht, wir werden auf jeden Fall eine sehr engagierte, sympathische Ministerpräsidentin bekommen.“

Moritz Freiherr Knigge, Nachfahre von Adolph Freiherr Knigge, nahm die Herausforderung, nach den beiden Spitzenpolitikerinnen ans Rednerpult zu müssen, sportlich und meisterte die Aufgabe hervorragend. „Erfolgsfaktor Wertschätzung – besser miteinander“, brachte Moritz Freiherr Knigge den Zuhörern nahe. „Als Unternehmer stehen sie auf einem Sockel, und dabei sind sie immer Vorbild“, erinnerte er an die Aufgaben. Dass sich diese Wertschätzung zu und zwischen Mitarbeiten, Kollegen, Mitmenschen rechne, sei nur ein Faktor. Es mache auch jedem selbst das Leben leichter. Bei den folgenden Gesprächen hatten die Gäste also Themen und Anschauungsmaterial, für den Abend und das Jahr 2016.

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