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Luft für Hahn wird immer dünner: Ryanair reduziert Flüge im Sommer

Größter Kunde des Hunsrück-Airports expandiert woanders – Gespräche mit Luxemburg?

(Lautzenhausen) Die irische Fluggesellschaft Ryanair, Hauptkunde auf dem Hahn, wird ihr Angebot auf dem Hunsrückflughafen im Sommer weiter reduzieren. Gleichzeitig verhandelt die Gesellschaft mit umliegenden Flughäfen.

21.12.2015
Bernd Wientjes
40 statt 44 Ziele, fünf statt sechs Flugzeuge: Die irische Fluggesellschaft Ryanair bietet im kommenden Sommerflugplan auf dem Flughafen Hahn weniger Strecken an. Ryanair-Sprecher Robin Kiely bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung den abgespeckten Flugplan. Gleichzeitig teilte er mit, dass die Gesellschaft „mit bis zu 100 Flughäfen in Gesprächen zu einem möglichen weiteren Wachstum von Ryanair“ sei. Konkrete Namen nannte er nicht.

Für den Hahn, der in 2015 mit einem Minus von mindestens 16 Millionen Euro rechnet, dürfte das keine gute Nachricht sein. Das Land Rheinland-Pfalz als Hauptgesellschafter will den chronisch defizitären Flughafen, in den laut EU-Beschluss ab 2023 keine Steuermittel mehr fließen dürfen, verkaufen. Die CDU-Opposition wirft der Landesregierung Konzeptlosigkeit vor.

Kürzlich hatte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) gesagt,  dass Ryanair auch mit dem Luxemburger Flughafen in Kontakt stehe . Gerade mal 100 Kilometer liegen zwischen dem Hahn und dem Luxemburger Findel. Zwar werden seitens des dortigen Flughafens entsprechende Gespräche verneint. Ein klares Dementi aus dem Luxemburger Verkehrsministerium gibt es hingegen nicht. Bei der Fluggesellschaft Luxair, größter Kunde auf dem Findel, scheint man sich bereits mit der drohenden Konkurrenz abgefunden zu haben. Man sei für den Wettbewerb mit weiteren Billigfluglinien gerüstet, sagt ein Luxair-Sprecher.

Ryanair will aber auch innerhalb von Deutschland expandieren. So soll es Verhandlungen mit dem Flughafen Düsseldorf (240 Kilometer vom Hahn entfernt) gegeben haben. „Deutschland ist ein wichtiger Wachstumsmarkt für uns. Wir wollen unsere Marktanteile in den kommenden Jahren von fünf auf 20 Prozent steigern“, sagt Ryanair-Sprecher Kiely. 

Vom 170 Kilometer vom Hahn entfernten Köln aus, wo Ryanair drei Flugzeuge stationiert hat, bietet die Airline derzeit Flüge nach Berlin zu Kampfpreisen (9,98 Euro in den ersten Januar-Wochen) an. Die Berlin-Flüge vom Hahn wurden 2011 eingestellt – mit der Begründung, dass die seitdem geltende Luftverkehrsabgabe (pro Flug ab Deutschland sind 7,50 Euro fällig) innerdeutsche Flüge zu teuer und unrentabel mache.
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