region/rlp

Wird der Hahn chinesisch? - Konsortium aus dem Reich der Mitte will Hunsrück-Flughafen kaufen

(Lautzenhausen/Mainz) Ein chinesisches Firmenkonsortium hat gute Aussichten, den Flughafen Hahn zu kaufen. Bereits seit zwei Jahren bestehen Verbindungen des Hunsrückflughafens zu Teilen der Investorengruppe. Auch die luxemburgische Frachtfluggesellschaft Cargolux ist über Umwege an der Gesellschaft beteiligt.

23.02.2016
Bernd Wientjes
Lautzenhausen/Mainz. Im April 2014 reiste Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mit einer Wirtschaftsdelegation nach China. Einen Monat später verkündete der Flughafen Hahn einen Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Airport Zhengzhou in der Provinz Henan, rund 700 Kilometer südlich von Peking. "World Cargo Airports Alliance" lautete der vielversprechende Name der Zusammenarbeit, zu der sich auch noch der russische Flughafen Nowosibirsk gesellte.

Viel gebracht hat die Allianz dem Hunsrückflughafen allerdings nicht. Einmal pro Woche ist im vergangenen Jahr ein Frachtflug von New York über den Hahn nach Zhengzhou gegangen. Doch gut möglich, dass die Kooperation vor fast zwei Jahren bereits mit Hintergedanken unterzeichnet worden ist. Denn nach Informationen unserer Zeitung gehört ein Konsortium um Investoren und Firmen aus der chinesischen Provinz Henan zu zwei ernsthaften Interessenten, die den finanziell angeschlagenen Flughafen Hahn kaufen wollen.

Seit einem Jahr läuft das Verkaufsverfahren. Auch beim zweiten potenziellen Bieter soll es sich um chinesische Investoren handeln, hinter denen möglicherweise ein Ableger des deutschen Paketdienstleisters DHL und des Online-Händlers JD.com steckt. Dieser will expandieren und sucht Drehkreuze für seine Frachttransporte. Die 24-Stunden-Fluggenehmigung auf dem Hahn wäre da durchaus von Vorteil.

Beste Chancen für den Kauf des Hunsrückflughafens hat aber wohl die HNA Group aus der Provinz Henan. Die 2000 als Unternehmensgruppe für die staatliche Verwaltung von Industrie und Handel gegründete HNA ist an einigen Fluggesellschaften beteiligt, unter anderem an der chinesischen Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express. Diese wiederum hat vor einem Jahr dem Hahn überraschend den Rücken gekehrt und fliegt nun von München aus. Dadurch ging der Frachtumschlag auf dem Hahn mit einem Schlag um fast 40 Prozent zurück.

Branchenkenner schließen vor dem Hintergrund der laufenden Verkaufsverhandlungen nicht aus, dass der Rückzug von Yangtze River Express (hier das Heck einer Maschine, Foto: dpa) durchaus strategisch gewesen sein könnte, um so den Kaufpreis durch einen deutlichen Rückgang des Frachtgeschäftes zu drücken. Fast zeitgleich mit dem Beginn des Verkaufsverfahrens hat der Frachtflieger aus China den Hunsrück verlassen.
HNA ist auch an der gerade gegründeten Gesellschaft Cargolux China, einer Tochtergesellschaft der luxemburgischen Frachtfluggesellschaft Cargolux, beteiligt. Cargolux China, die ab 2017 ihren Betrieb aufnehmen will, wird ihren Firmensitz am Flughafen Zhengzhou haben - dem Airport also, mit dem der Hahn seit zwei Jahren kooperiert. Betreiber des Flughafens ist die chinesische Investorengruppe HNCA, die wiederum seit zwei Jahren mit 35 Prozent an Cargolux in Luxemburg beteiligt ist. Eine Woche nach dem Einstieg der Chinesen bei Cargolux hat der Hahn seine Kooperation mit eben jener HNCA unterzeichnet. Cargolux hat daraufhin verschnupft reagiert, weil die Gesellschaft nicht informiert war.

Nun könnte es aber dazu kommen, dass Cargolux künftig über die Verbindung mit den chinesischen Gesellschaften HNA und HNCA über Umwege am Hahn beteiligt sein wird.
Unklar ist, ob es noch vor der Landtagswahl am 13. März zum Verkauf des Hahn kommen wird. "Wir werden den Verkaufsprozess weder beschleunigen noch verzögern", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer dem Volksfreund. "Die Weichen sind gestellt. Der Verkaufsprozess läuft."

Ohne einen baldigen Verkauf drohe dem Hahn, der zu 82,5 Prozent im Besitz des Landes ist, in diesem Jahr die Pleite, sagt Alexander Licht, CDU-Fraktionsvize im Landtag. Mindestens 16 Millionen Euro betrug das Minus des Hunsrückflughafens im vorigen Jahr. Das Land stellt dem Hahn im laufenden Haushalt 20 Millionen Euro als mögliches Darlehen bereit, um die Liquidität zu sichern.

Licht will in den heute beginnenden zweitägigen Landtagsberatungen, den letzten vor der Wahl, von der Landesregierung wissen, wie es um den Verkauf des Hahn steht. Der rheinland-pfälzische FDP-Chef Volker Wissing fordert vom Land, die Konzepte möglicher Interessenten auf ihre Auswirkungen auf die Region hin zu überprüfen, um ein "Verhandlungschaos" wie am Nürburgring zu vermeiden. "Es darf beim Verkauf von Landeseigentum nicht länger zugehen, wie bei Rudis Resterampe", sagt Wissing.

 

Empfehlungen

Kommentare