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Keine Zeit fürs Ehrenamt: Sportvereine in der Region plagen Existenzängste

Schwierige Suche nach Vorsitzenden und Schatzmeistern – Clubs brauchen neue Strategien

(Trier/Bitburg/Wittlich) Die Zahl ist alarmierend: Mehr als ein Drittel aller Sportvereine in Deutschland plagen Existenzängste. Ein Grund: Sie finden keine ehrenamtlichen Mitarbeiter. Während sich der Trend weiter zu verschärfen droht, versuchen Verbände wie der Sportbund Rheinland zu helfen.

25.01.2013
Mirko Blahak
Die Situation beim SV Trittenheim war trostlos. Als vor mehreren Jahren der damalige Vorsitzende nicht mehr weitermachen wollte, wurde der Club aus dem Kreis Trier-Saarburg eine Zeit lang nur kommissarisch geführt. Bis sich die Frage stellte: Verschwindet der Sportverein von der Bildfläche?

Das Beispiel ist kein Einzelfall. Laut aktuellem Sportentwicklungsbericht haben 35,5 Prozent der deutschlandweit 91.000 Sportvereine „mindestens ein existenzielles Problem“. Der Anteil hat seit 2009 deutlich zugenommen. Vor allem die Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern bereitet Sorgen. Christoph Breuer, Sportwissenschaftler an der Kölner Sporthochschule, schließt eine weitere Verschärfung der Lage nicht aus.

In Rheinland-Pfalz liegen die Zahlen im Bundestrend. „Schwierig ist vor allem die Suche nach Vorsitzenden oder Schatzmeistern. Übungsleiter finden sich dagegen einfacher“, präzisiert Martin Weinitschke, Geschäftsführer des Sportbunds Rheinland (SBR). In Rheinland-Pfalz gibt es 1,46 Millionen Sporttreibende in knapp 6300 Vereinen. Fast jeder dritte Einwohner ist demnach Mitglied in einem Sportverein.

Die Gründe für die Probleme sind vielfältig. Die Anforderungen ans Ehrenamt sind gestiegen. „Vorstandsarbeit erfordert heute viel mehr Wissen. Zum Beispiel im Steuerbereich“, berichtet Barbara Berg, Leiterin der SBR-Management-Akademie. Hinzu komme ein Mentalitätswandel. „Sportvereine wurden früher vor allem als Solidargemeinschaft aufgefasst, in der man selbstverständlich mitarbeitet. Heute sind viele Mitglieder vor allem Kunden, die eine Dienstleistung erwarten.“ Ein größer gewordener Druck in der Arbeitswelt sowie gestiegene schulische Verpflichtungen sorgen außerdem dafür, dass weniger Zeit für ein Ehrenamt bleibt. Probleme sind aber auch hausgemacht. „Die Mitarbeitersuche nach dem Zufallsprinzip funktioniert nicht mehr“, sagt Berg. Die Akademie schult deshalb Vereinsvorstände.

Eine Gruppe junger Leute, die damals den SV Trittenheim nicht sterben lassen wollte, hat sich auch an den Sportbund gewandt. Mit Erfolg. Der Verein hat sich vom reinen Fußballclub zu einem Mehrspartenverein entwickelt. Die Mitgliederzahl ist von 70 auf 220 gestiegen.

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