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Alles Gute, liebe Gänse

Hätten sie doch nur getwittert, die Gänse da in der Nähe der Stadt Tours. Aber nein - statt leise zu zwitschern, mussten sie schnattern, als der Mönch Martinus sich im Gänsestall versteckt hatte.

11.11.2017
Der andere Martinus, vor viel mehr als 500 Jahren ... Dieser Martin wollte Mönch bleiben und fromm und einsam leben - aber die Gemeinde hatte ihn schon zum Bischof gewählt. Also versteckt er sich im Gänsestall; und die dummen Vögel haben ihn verraten - Tours-Leaks, sozusagen ...
Zur Strafe landen sie bis heute um St. Martin herum auf dem Tisch - lecker gefüllt, schön lange gegrillt - als Martinsgans eben. Das ist eine von den vielen Geschichten um den heiligen Martin von Tours - fast genau so bekannt wie die von dem halben Mantel, den der römische Offizier einem Bettler gibt, der da am Straßenrand fast erfroren ist.
Schon die ganze Woche sind auch in Trier die Martinszüge unterwegs. Viel mehr als nur Lichter-Umzüge mit bunten Laternen. Sondern eben auch die Erinnerung daran, dass Menschen teilen können; dass sie von dem abgeben sollten, was sie haben - damit alle besser leben. Auch wegen dieser Botschaft ist Martin einer der beliebtesten Heiligen der Christenheit; viel mehr Martins-Kirchen als Marien-Kirchen in und um Trier beweisen es. Irgendwie scheinen die Menschen zu wissen, dass sie mit Lichtern in den Händen ganz auf der Höhe der Zeit sind - wie die Mädchen, von denen das Evangelium morgen im katholischen Gottesdienst erzählt: Sie haben ihr Öl dabei und die Lampen, als der Bräutigam nachts mit ziemlicher Verspätung endlich ankommt. Sankt Martin hinterherlaufen und ähnlich wie er mutig teilen und helfen - wer das tut, geht Jesus entgegen, auf dem Weg in eine bessere und erlöstere Welt.
Kolumne Glaube im Alltag