region/trier

Die Bewerbung ist raus: Trier will die Tour de France

(Trier) Die ADAC-Rallye wird aus Trier zwar möglicherweise verschwinden, sie könnte aber zumindest einmalig durch ein anderes prominentes Sportereignis ersetzt werden: die Tour de France. Trier hat sich für 2017 als Zielort einer Etappe beworben - und nimmt eine Partnerstadt gleich mit ins Boot.

14.03.2016
Michael Schmitz
Sicher ist bisher nur eins: Am 1. Juli 2017 startet die Tour de France in Düsseldorf. Ein 13 Kilometer langes Zeitfahren führt als Prolog am Rheinufer entlang und über die berühmte Königsallee. Das hatte Tour-Chef Christian Prudhomme im Dezember bekanntgegeben. Die nächste Etappe wird am Folgetag durch Erkrath, das Neandertal und Mettmann führen. Offen ist, wohin. Denkbar sind alle möglichen Etappenziele in Frankreich, Belgien oder den Niederlanden – denkbar ist aber auch ein weiterer Etappenzielort in Deutschland. Genau darauf hofft der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Er hat für die Stadt Trier gemeinsam mit Metz eine Bewerbung als Etappenziel eingereicht, bestätigte Leibe am Sonntag dem TV vorliegende Informationen. Eingeweiht und einverstanden war bisher nur ein enger Kreis der Fraktionsspitzen aus dem Stadtrat – und natürlich die Rathausspitze aus Metz. Denn die beiden Partnerstädte erhoffen sich durch die gemeinsame deutsch-französische Bewerbung bessere Chancen auf das Spektakel. 

Ein riesiges Spektakel

Trier als Etappenziel – das könnte der Stadt einen großen Imagegewinn und Werbeeffekt bringen, hofft Leibe. Wenn er sich Fernsehbilder von dem Radfahrerfeld vor den Trierer Sehenswürdigkeiten vorstellt oder entlang der Moselweinberge, dann kommt der Trierer OB regelrecht ins Schwärmen. Von Trier aus könnte die Fahrt weitergehen nach Metz – und von dort auf den Rundkurs durch Frankreich.

Die Tour de France ist nach wie vor eines der größten Sportereignisse der Welt. Nach Angaben der französischen Botschaft wird die Tour in 180 Ländern übertragen. Ein Tross von 4000 bis 5000 Begleitpersonen, darunter zahlreiche Journalisten folgt jeder Etappe – neben Trier würde also mutmaßlich die ganze Region von einem solchen Ereignis direkt profitieren. Welche Kosten für das Etappenziel Trier anfallen würden, weiß auch OB Leibe noch nicht genau. Er geht aber von einem mindestens sechsstelligen Betrag aus und hofft auf möglichst große Refinanzierung über Sponsoren. Bereits im Januar war darüber spekuliert worden, die im Netzwerk Quattropole vereinten Städte Trier, Metz, Luxemburg und Saarbrücken könnten sich eventuell gemeinsam für die Tour bewerben – doch aus den Gesprächen wurde offenbar nichts. 

Weitere Bewerber gibt es auch schon. Rund 250 Städte in Frankreich wollen alljährlich Etappenziel werden. Nachdem klar war, dass Düsseldorf Ausgangsort der Tour sein wird, haben auch weitere deutsche Städte Interesse bekundet. Mannheim etwa. Unter anderem deshalb, weil die Stadt 2017 ein Jubiläum feiert, das gut zur Tour de France passt: Vor dann 200 Jahren unternahm der Mannheimer Ingenieur Karl Drais die ersten Fahrten mit seinem hölzernen Laufrad – dem Vorläufer des Fahrrads. 

Ob Mannheim dann auch die Tour de France begrüßen darf oder Trier oder sonst eine andere deutsche Stadt, wird sich am 18. Oktober herausstellen. Dann wird die bis dahin streng geheime weitere Streckenführung der Tour in Paris bekanntgegeben.
Extra: Kosten und Nutzen
Laut einem Bericht der Rheinischen Post werden die Gesamtkosten für den Tourstart in Düsseldorf auf elf Millionen Euro beziffert, davon gehen rund 4,5 Millionen Euro als Lizenzgebühren an den Veranstalter, die Amaury Sport Organisation (ASO) – eine Tochterfirma eines französischen Pressekonzerns. Durch Nachverhandeln und Sponsoren hoffe man, den Zuschussbedarf um drei Millionen Euro reduzieren zu können, außerdem rechnet man mit einer Gewerbesteuereinnahme durch die Tour von fast zwei Millionen Euro. Einer Studie zufolge werden für das Auftaktwochenende allein für die Gastronomie in Düsseldorf 54 Millionen Euro Umsatz erwartet.

Kommentar: Hoffen ist erlaubt
Die zahllosen prominenten Doping-Stars haben das Image der Tour de France zwar nachhaltig beschädigt, doch das Radfahrspektakel wird auch in Deutschland wieder zunehmend positiv gesehen. Dass von einer Etappe fantastische Bilder weltweit gesendet werden, ist auch bekannt. Man darf also davon ausgehen, dass so ein Sportereignis eine hohe Werbewirksamkeit haben wird. Schaden kann die Bewerbung also sicherlich nicht. Wie die Chancen stehen, ist schwer einzuschätzen. Dass Trier sich mit Metz als deutsch-französisches Duo bewirbt, ist sicher hilfreich. Sollte die Tour tatsächlich durch Trier rollen – und hoffen ist ja mal erlaubt – dann wäre das zwischen Nero (2016) und Marx (2018) ein weiterer Höhepunkt für Trier. Und für die Region, die OB Leibe dann schnell mit ins Boot nehmen müsste. Außerdem wäre es ein prima Anlass, dem ADAC wegen des Wegzugs der Rallye eine lange Nase zu zeigen, nach dem Motto: Großereignisse, das können wir auch ohne euch. m.schmitz@volksfreund.de
 

Empfehlungen

Kommentare