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Die Brandstifter auf dem Dachboden

Theatercompagnie Kulturlabor spielt Biedermann und die Brandstifter - Drei weitere Aufführungen in den kommenden Tagen

(Trier) Die Theatercompagnie Kulturlabor hat eine packende Inszenierung des Max Frisch-Klassikers "Biedermann und die Brandstifter" auf die Tufa-Bühne gebracht. Intensives Spiel der Darsteller und innovative Ästhetik durch Videokunst und Choreographien begeisterten die Besucher.

25.02.2013
Anke Emmerling
Trier. "Biedermann und die Brandstifter" steht in vielen Schulen auf dem Lehrplan. Nicht zuletzt deshalb hat sich die dem Kinder- und Jugendtheater verpflichtete Trierer Theatercompagnie Kulturlabor den Klassiker nun vorgenommen. Unter der Regie von Alexander Ourth ist eine Inszenierung entstanden, die es schafft, den Unterhaltungsanspruch des jungen Publikums mit dessen medial geformten Sehgewohnheiten zu kombinieren.
Wie schon das Weihnachtsstück "Mio mein Mio" setzt auch diese Produktion auf eine Ästhetik, die Elemente aus den Bereichen Fantasy, Film und Computer aufnimmt. Das Bühnenbild wird im Wesentlichen von Videoprojektionen bestimmt, die Ourth mit einer ähnlichen Software am Computer kreiert hat, wie sie auch die Macher des Films Avatar verwendet haben. Sie illustrieren und kommentieren die Entwicklung der Handlung und Innenwelten der Akteure.
Das Stück erzählt, wie Dummheit und Ignoranz zerstörerischen Kräften den Weg zur Unterwanderung der Gesellschaft ebnen. Gottlieb Biedermann, gespielt von Stephan Vanecek, ist ein gewissenloser Unternehmer. Täglich liest er in der Zeitung von Brandstiftungen, die von vermeintlichen Hausierern begangen wurden. Eines Tages steht Herr Schmitz, ein angeblich arbeitsloser Ringer (Ingo Paulick) vor seiner Tür. Mit sämtlichen Registern der Manipulation erreicht er, dass Biedermann ihm auf dem Dachboden Asyl gewährt. Bald hat er dort auch seinen Kumpan Eisenring (Andreas Furcht) und etliche Benzinfässer untergebracht. Biedermann und seine Frau (Marja Krings) wollen nicht sehen, was sich da anbahnt, obwohl die Brandstifter sich ganz offen als solche zu erkennen geben:
Natürlich endet das Ganze in einer Katastrophe. Die Dramatik der Entwicklung wird außer durch die Projektionen auch von starken Zwischenszenen betont. Da warnt und löscht ein Feuerwehrchor, oder es tanzen teuflische Höllenfürsten einen Sensentanz mit dem Tod. Hannah Ma, die den Tod verkörpert, erstellte zudem die ausdrucksstarken Choreographien zu moderner (Rock-)Musik.
Alle Darsteller, neben den genannten auch Tabitha Frehner, Sandro Mariotti und Sebastian Gasper, spielen sehr intensiv und arbeiten präzise die Botschaft des Dramas heraus. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Witzige Regieeinfälle wie das Einblenden einer Facebook-Freundschaftsanfrage, als Biedermann sich den Brandstiftern anbiedert, bringen das Publikum genauso zum Lachen wie karikierende Rollen-Überzeichnungen. Das kommt nicht nur bei der Zielgruppe der 15- bis 19-Jährigen, sondern auch bei den Erwachsenen bestens an.
Weitere Aufführungen im großen Saal der Tufa: Dienstag, 26. Februar, und Donnerstag, 28. Februar, je um 10 Uhr (für Schulen) sowie Donnerstag, 28. Februar, 20 Uhr. Informationen und Karten: elke.reiter@kulturlabor-trier.de