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"Enkeltrick"-Betrüger muss sich vor dem Landgericht Trier verantworten

(Trier/Schweich) Betrug per "Enkeltrick" lautet die Anklage gegen einen 33-Jährigen, gegen den am Donnerstag der Prozess vor dem Landgericht Trier begonnen hat. Der Mann will zur Sache keine Aussage machen, und eine geschädigte Zeugin ärgert sich über ihre Arglosigkeit.

21.04.2017
Friedhelm Knopp
"Wenn es mir damals so gut gegangen wäre wie heute, wäre mir das nie, nie, nie passiert. Ich schäme mich dafür", sagt die 77-jährige Zeugin. Die Schweicherin war am 16. November 2016 um 20 000 Euro erleichtert worden. Gegen 10.30 Uhr an diesem Tag hatte ihr vermeintlicher Enkel, der in Süddeutschland lebt, angerufen und sie um 20 000 Euro für einen Wohnungskauf gebeten. Es sei dringend, weil der Kauf am nächsten Tag 8000 Euro teurer werde. Schon um 11.09 Uhr wurden daraufhin in der Volksbankfiliale Schweich 20 000 Euro in großen Scheinen ausgezählt, eingetütet und an die betagte Kundin ausgehändigt. Das Geld stammte von ihrem Sparkonto. Glück für sie: Es wurde später beim Angeklagten gefunden - sie wird alles zurückerhalten.

Der Angeklagte mit Heinzelmännchenbart sitzt zwischen seinen Verteidigern Otmar Schaffarczyk (Trier) und Michael Reuter (Frankfurt) und hört mit unbewegter Miene zu. Mit derselben Miene hat er zuvor die Anklageverlesung von Staatsanwältin Susanne de Renet vernommen. Neben der gelungenen Tat in Schweich wirft sie ihm vor, noch am selben Tag erneut den Trick versucht zu haben - diesmal im Raum Wittlich und als vermeintlicher Neffe. Allerdings hatte dieses auserkorene Opfer sofort Verdacht geschöpft, war zum Schein auf die Sache eingegangen und hatte gleichzeitig die Polizei informiert.

Die Festnahme des Mannes folgte kurz danach auf der A-1-Raststätte Eifel-West, wobei auch die 20 000 Euro aus Schweich sichergestellt wurden. Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er hatte mindestens noch einen Mittäter, der bekannt ist und gegen den gesondert ermittelt wird. Dieser Mann war es vermutlich, der im Schweicher Fall die alte Dame wie verabredet vor der Kirche traf und das Geld entgegennahm. Der "Enkel" hatte ihr zuvor per Telefon erklärt, dass er wegen eines plötzlichen dringenden Termins nicht selber kommen könne. Das konnte er tatsächlich nicht - aber nicht wegen eines dringenden Termins ...
Die Zeugin: "Es erschien dort ein sehr sympathischer junger Mann, dem ich das Geld übergab." In der umfangreichen Fotosammlung, die ihr der Vorsitzende Richter Armin Hardt präsentiert, kann sie den "netten jungen Mann" jedoch nicht identifizieren.

Erst als sich ihr "Enkel" am Folgetag nicht mehr meldete, rief sie bei der Polizeiinspektion Schweich an. Ein Beamter als Zeuge erinnert sich: "Kurze Zeit später war sie erneut am Telefon, diesmal um alles zu widerrufen. Alles habe sich aufgeklärt." Er aber habe den Eindruck gehabt, so der Zeuge, dass es ihr nun peinlich sei, so reingelegt worden zu sein.
Der Angeklagte schweigt zu alledem und äußert sich nur zur Person: Vater unbekannt, fünf Geschwister, häufige Wohnortswechsel der Familie, kein Schulabschluss, keine Lehre, Vorstrafe wegen Betrugs, von Hartz 4 gelebt, manchmal ausgeholfen als Reiniger im Teppichhandel von Verwandten.
Die Verhandlung vor der Dritten Großen Strafkammer wird am 8. Mai, 9 Uhr, fortgesetzt.