region/trier

Er hat einem Todkranken geholfen

(Trier) Lukas Reuter ist Schüler des Humboldt-Gymnasiums Trier und spendete Stammzellen. Damit rettete er ein Leben.

11.11.2017
Trier (red) Im Juli 2016 hat sich der heute 18-Jährige Lukas Reuter am Humboldt-Gymnasium als Stammzellspender registrieren lassen. Typisierung lautet der Fachbegriff. Dabei wird ein Fingerhut voll Blut oder eine Speichelprobe genommen. Seitdem ist der Schüler bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erster Stammzellspenderdatei, als potenzieller Lebensretter registriert. Nahezu täglich sind Teams der gemeinnützigen Stiftung bundesweit unterwegs, um über die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufzuklären. Es geht darum, Menschen zu sensibilisieren, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. Mit Lukas haben dies insgesamt 86 Schulkameraden getan.
Als Lukas dann an einem Nachmittag im Oktober 2017 den Anruf der Stiftung bekam, musste er nicht lang nachdenken und sagte sofort, dass er helfen werde. Auf die Frage, ob seine Mutter Annette Bedenken habe, antwortete sie: "Natürlich! Aber da ich ja selbst seit mehr als 20 Jahren typisiert bin, wusste ich ja, was auf ihn zukommt." Über den Empfänger der Stammzellen weiß Lukas leider nur wenig: "Der Patient soll ein älterer Herr aus Deutschland sein." Auf die Frage, ob er ihn einmal treffen möchte, antwortet er schnell mit: "Klar!". Leider kann dies aus Datenschutz- gründen erst zwei Jahre nach der Spende passieren.
Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt, der die gleichen genetischen Merkmale hat, wie der Patient, sozusagen seine genetische Zwilling. Lukas ist so ein passender Spender.
Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen, gibt es zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner die Stammzellen aus dem Beckenknochen des Spenders. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Lukas hat mittels der zweiten Methode gespendet. Diese ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut - ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome - wie Kopf- und Gliederschmerzen - aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.
Spezielle Gründe für eine Typisierung gab es für Lukas nicht. "Es ist einfach eine gute Sache, sich typisieren zu lassen, aber besondere Gründe brauchte es da keine." Die Spende an sich verlief reibungslos, erzählt der Schüler, der in seiner Freizeit Gitarre spielt. Gleichzeitig lobte er auch die Betreuung durch das Team der Stefan-Morsch-Stiftung. "Alle waren nett, das hat einen sehr positiven Eindruck hinterlassen".
Extra: DIE STEFAN-MORSCH-STIFTUNG

Die Stiftung hat ihren Sitz in Birkenfeld und ist die erste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv "Hoffen - Helfen - Heilen" bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist es, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. So werden täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der stiftungseigenen Spenderdatei von mehr als 450 000 potentiellen Lebensrettern weltweit vermittelt. Die Stiftung ist Mitglied der Stiftung Knochenmark- und Stammzellspende Deutschland (SKD).