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Marx macht in Trier erst im Mai mobil

(Berlin/Trier) Das Karl-Marx-Jahr 2018 soll Trier weltweit in den Blickpunkt rücken, unter anderem mit einer großen Ausstellung à la Konstantin 2007. Doch die Werbemaschinerie für das Großereignis ist noch nicht so recht angelaufen. Der TV hat mit Verantwortlichen und Beobachtern gesprochen. Dossier zum Thema: Karl Marx 2018

23.03.2016
Roland Morgen
„Ja, wo ist denn unser Marx?“ fragte nicht nur Vulkaneifelkreis-Landrat Heinz-Peter Thiel (53) erstaunt. Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin waren alle rheinland-pfälzischen Zugnummern in Form von Werbematerial öffentlichkeitswirksam vertreten: zum Beispiel die Wormser Nibelungen-Festspiele, der Nationalpark Hunsrück-Hochwald oder der frisch mit dem Titel „Unesco Global Geopark“ geadelte Natur- und Geopark Vulkaneifel.
 
Von Karl Marx, dessen 200. Geburtstag 2018 als ganzjähriges Event gewürdigt werden soll, keine Spur. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Auf gezieltes Nachfragen zückt Patricia Ellendt (43) von Trier Tourismus Marketing GmbH (TTM) eine Infomappe für Fachbesucher, die neben Hinweisen auf Veranstaltungen wie den Unesco-Welterbetag (5. Juni) oder das Multimedia-Spektakel „Nero Hero“ (5./6. August) auch eine Pressemitteilung enthält. Darin heißt es kurz und knapp, Trier werde 2018 ganz im Zeichen von Karl Marx stehen, der dort am 5. Mai 1818 das Licht der Welt erblickt hat. Unter anderem wird eine große Sonderausstellung im Rheinischen Landesmuseum und im Stadtmuseum Simeonstift angekündigt. „Mehr wissen wir leider noch nicht“, sagt die Tourismus-Fachfrau.
 
Noch zwei Jahre bis zum Mega-Event, und auf der weltgrößten Tourismusmesse wird noch nicht dafür geworben – geht das? „Ja!“, sagt Triers Tourismus-Chef Hans-Albert Becker (60). „Aber 2017 müssen wir mit Macht ran ans Thema.“
 
„Jein!“ findet Hans-Helmut Schild (63) von der Firma projekt2508 (Bonn), die für das Marketing der sehr erfolg- und ertragreichen Konstantin-Landesausstellung 2007 in Trier verantwortlich war und in ihrer „Culture Lounge“ auf der ITB Ausstellungen und Kulturevents aus ganz Europa bewirbt.
Schild: „Einerseits ist noch Zeit genug, das Thema Marx richtig anzupacken und zu vermarkten. Andererseits wäre es sehr nützlich, jetzt schon Reiseveranstalter auf sich aufmerksam zu machen.“ So wie es etwa La Valletta (Malta) in der Culture Lounge getan hat – als Kulturhauptstadt Europas 2018.

 
Und wie ist der Stand der Dinge in Sachen Karl-Marx-Jahr? „Natürlich hätten wir uns gerne in Berlin präsentiert. Aber wir sind leider noch nicht so weit, wie wir es gerne wären“, räumt Rainer Auts (50), Geschäftsführer der Karl Marx 2018 – Ausstellungsgesellschaft mbH, auf TV-Anfrage ein. Grund sei, dass die Gesellschaft ja erst vor einem halben Jahr gegründet wurde und alle organisatorischen Abläufe und Abstimmungen „ihre Zeit brauchen“. 
 
Doch nun ist Land in Sicht. Mitte April sollen sechs Kulturmanagement-Agenturen, die sich auf die beschränkte Ausschreibung hin beworben haben, ihre Entwürfe zum Logo und zur Werbelinie präsentieren. Der Aufsichtsrat der Ausstellungs-GmbH (Vorsitzender: Kulturstaatssekretär Walter Schumacher) soll dann Ende April den Sieger küren und auch darüber entscheiden, wann die knapp sechs Millionen Euro kostende große Landesausstellung beginnt und wie lange sie dauert. Anders ausgedrückt: Marx macht erst um seinen 198. Geburtstag herum mobil. „Bis dahin müssen wir uns noch gedulden“, sagt Auts. Auch die Webseite (karl-marx-ausstellung.de) ist noch im Aufbaustadium. 

EXTRA Triers Programm in diesem Jahr
Nero statt Marx: Das Groß?event, mit dem Trier auf der ITB geworben hat, ist, wie bereits 2015, die Ausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ (14. Mai bis 16. Oktober). Dazu sind bereits weit über 1000 Führungen gebucht in den Ausstellungsorten Landesmuseum, Stadtmuseum und Museum am Dom.
Ein weiterer Höhepunkt soll das Multimedia-Spektakel „Nero Hero“ am 5./6. August, 21 Uhr, werden. Das erste Kooperationsprojekt von Theater-Generalintendant Karl Sibelius und Mosel-Musikfestival-Intendant Hermann Lewen lässt „vor und auf der Porta Nigra“ Gegenwart und Antike aufeinandertreffen. rm.Mehr dazu im Internet:
trier-info.de/nerohero
 

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