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Nach dem Brand in Trier-Euren: Unterkunft für die Bewohner gesucht

(Trier.) Aus bislang ungeklärter Ursache ist im Dachgeschoss eines Wohnhauses in Trier-Euren in der Nacht zum Donnerstag ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr fand einen 25-Jährigen tot in seinem Zimmer, konnte aber einen anderen Bewohner retten. Jetzt gibt es Details zum Ablauf der Nacht.

17.03.2016
Marcus Hormes
Donnerstagmorgen, gegen 0.20 Uhr. Eleonore Daniel, Gastwirtin der Hopfenstube mitten in Trier-Euren, macht sich gerade fertig für den Heimweg, als sie aufschreckt. „Es hat draußen laut geknallt. Ich dachte zuerst, es sei ein Autounfall“, erzählt die Wirtin. „Doch dann sah ich auf dem Dach gegenüber Qualm und wusste: Da brennt es!“

Das Feuer wütet im ehemaligen Kloster St. Augustinus in der Eisenbahnstraße. Dort leben elf geistig oder körperlich behinderte Menschen in einer Wohngemeinschaft des Vereins Lebenshilfe Trier. Vereinsvorstand Wolfgang Enderle schildert im Gespräch mit dem TV, was passiert ist: „Rauchmelder haben angeschlagen. Unsere Nachtbereitschaft, die im Erdgeschoss schläft, hat dafür gesorgt, dass die Bewohner ins Freie kommen. Die Feuerwehr war schnell vor Ort.“ Einer der Bewohner sitze meist im Rollstuhl, könne aber kurze Strecken gehen und habe es nach draußen geschafft. Das 2011 barrierefrei umgebaute Haus hat auch einen Aufzug.

Keine Gewalteinwirkung

Stadt-Pressesprecher Hans-Günther Lanfer beschreibt das Vorgehen der Feuerwehr: Die Einsatzkräfte erfahren beim Eintreffen, dass noch zwei Bewohner vermisst werden, und greifen sofort ein. In einem Dachgeschosszimmer finden sie einen 25-jährigen Mann – er ist tot. Einen Mann Anfang 50 treffen sie schlafend in einem anderen Raum an und bringen ihn vorsorglich zur Untersuchung ins Krankenhaus.

Die Polizei fragt Wirtin Eleonore Daniel, ob die Geretteten vorläufig in ihrer Gaststube versorgt und von Notfallseelsorgen betreut werden können. „Natürlich hab’ ich sofort zugesagt und sie ins Warme geholt“, sagt Daniel. „Ich sehe diese Menschen jeden Morgen an der Bushaltestelle. Im Sommer kommen sie zu mir eine Limo trinken. Dass einer von ihnen gestorben ist – schrecklich!“

Den Brand hat die Feuerwehr gegen 1 Uhr unter Kontrolle. Die Nachlöscharbeiten dauern jedoch noch die ganze Nacht. Im Einsatz sind neben Polizei und Mitarbeitern der Stadtwerke rund 50 Rettungskräfte, darunter die Berufsfeuerwehr Trier mit beiden Wachen, der Löschzug Euren sowie die Schnelle Einsatzgruppe, bestehend aus Malteser Hilfsdienst Irsch und DRK Trier-Stadt, und zwei Notärzte.

Das Dachgeschoss ist ausgebrannt, das Gebäude vorübergehend nicht mehr bewohnbar. Der Schaden liegt laut Polizei im sechsstelligen Bereich. Der Bürgersteig vor dem Haus ist inzwischen mit Absperrbaken gesichert, weil noch Dachschindeln herabstürzen könnten.

Am Donnerstagnachmittag teilt die Polizei mit, nach bisherigen Ermittlungen sei das Feuer im Zimmer des Getöteten ausgebrochen. Es gebe weder Hinweise auf Brandstiftung noch auf eine technische Ursache. Und der Knall? Polizeisprecher Uwe Konz: „Das muss keine ursächliche Explosion gewesen sein. Es kann während eines Brands Knallgeräusche geben.“ Die Obduktion des Toten ergibt keinen Hinweis auf Gewalteinwirkung. Die Untersuchungen zur genauen Todesursache – denkbar wäre etwa eine schwere Rauchgasvergiftung – dauern noch an.

Extra: Die Bewohner
„Der Tod des Bewohners war für uns alle ein Schock“, sagt Lebenshilfe-Vorstand Wolfgang Enderle. Die geretteten Bewohner sind notdürftig im Lebenshilfe-Wohnheim Theobaldstraße untergekommen, das ohnehin voll belegt ist. Enderle: „Wir suchen dringend nach einem Haus, um sie unterzubringen. Viele haben ihre persönlichen Dinge verloren.“
Wer helfen will, kann sich unter Telefon 0651/463972-20 melden.

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