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"Natürlich spüren wir den Druck"

Sonderkommission will Fall Tanja Gräff klären und muss sich rechtfertigen

(Trier) Eine 20-köpfige Sonderkommission kümmert sich um den Fall Tanja Gräff. Der TV hat die Soko gestern Nachmittag besucht. Dossier zum Thema: Tanja Gräff

30.05.2015
Rolf Seydewitz
Trier. Es ist purer Zufall: Wer im Gebäude der Trierer Kriminaldirektion im fünften Stock aus dem Aufzug steigt und aus dem Flurfenster Richtung Norden schaut, hat die roten Felsen, die Hochschule und den Weisshauswald fest im Blick.

Irgendwo in diesem Bereich hat sich vor acht Jahren etwas abgespielt, was die Trierer Mordermittler immer noch nicht geklärt haben - trotz immensen Aufwands. Immerhin wurde vor knapp drei Wochen das Skelett der seit Juni 2007 vermissten Studentin Tanja Gräff gefunden. Aber wie und wodurch ist die 21-Jährige gestorben? - Diese Frage ist immer noch ungeklärt.

Eine andere Frage beschäftigt viele Menschen aus der Region aber mindestens genauso: Warum wurde Tanja Gräff nicht früher gefunden? Die Stelle, an der Forstarbeiter ihr Skelett entdeckten, liegt Luftlinie nur ein paar Hundert Meter von der Stelle entfernt, wo Tanja in der Nacht ihres Verschwindens zuletzt lebend gesehen worden war.

Man muss Christian Soulier, dem Chef der im fünften Stock untergebrachten Soko, diese Frage gar nicht erst stellen. Er fängt an, über die umfangreichen Suchmaßnahmen und das unzugängliche Gelände am Fuß der roten Felsen zu berichten, kaum dass man den Raum der Sonderkommission betreten hat. Anzeichen für den Druck, unter dem die Trierer Ermittler seit gut zwei Wochen stehen?

"Natürlich spüren wir den Druck", sagt Kriminaldirektor Lothar Butzen, "aber auch wir wollen ein Ergebnis haben." Was die Kripobeamten wurmt ist, dass plötzlich niemand mehr von ihren noch gar nicht so lange zurückliegenden Ermittlungserfolgen wie die Festnahmen im Fall der getöteten 16-jährigen Trierer Schülerin oder des tödlichen Überfalls auf einen Geschäftsmann im Vulkaneifelkreis spricht. "Dabei sind es doch die selben erfahrenen Ermittler", sagt Soulier, "die auch im Fall Tanja Gräff mit an Bord sind."

Der Soko-Leiter und sein Vize Dirk Finkler listen noch einmal alle Suchaktionen der vergangenen acht Jahre auf. Allein die roten Felsen seien vier Mal abgesucht worden, sagt Soulier - auch mit Leichen- und Personenspürhunden. Wie unzugänglich das Gelände sei, in dem die sterblichen Überreste Tanjas gefunden wurden, haben laut Soulier die Zeugenaussagen der Forstarbeiter gezeigt. "Ein Arbeiter sagte, der Bereich sei für keinen Menschen zugänglich gewesen; ein anderer meinte, man habe Schwierigkeiten gehabt, dort hinzukommen." Letztlich habe es vier Tage gedauert, bis die relativ übersichtliche Fläche dort freigeschlagen worden sei.

Eine Erkenntnis haben die Trie rer Ermittler daraus immerhin schon gewonnen: Tanjas Leichnam kann an dieser unzugänglichen Stelle nicht abgelegt worden sein.