region/trier

Rüstungsfirma testet Panzer in Trier

Wehrtechnische Dienststelle der Bundeswehr in Kürenz ist wichtig für private Unternehmen - Aufgabenfeld wächst

(Trier) Die Wehrtechnische Dienststelle 41 bleibt nicht nur verschont von den Schließungen im Rahmen der Bundeswehrreform. Die Prüfstelle für Panzer und andere Kriegsfahrzeuge erhält sogar neue Aufgabengebiete dazu. Das freut auch die private Rüstungsindustrie.

25.11.2011
Christiane Wolff
Trier. Die Wehrtechnische Dienststelle 41 (WTD, siehe Extra) ist eine Einrichtung der Bundeswehr. Doch auf dem Gelände auf dem Trierer Grüneberg arbeiten keine Soldaten. Die 370 Mitarbeiter, vorrangig Techniker und Ingenieure, sind zivile Mitarbeiter der Armee. Und gestestet werden auch nicht nur Panzer, Minensuchfahrzeuge und LKW, an deren Kauf die Bundeswehr interessiert ist. Die WTD 41 ist auch ein wichtiger Dienstleister für die private Waffenindustrie. "Das Prüfgütesiegel der WTD Trier ist weltweit das beste, das man für Ketten- und Radfahrzeuge erhalten kann", sagt Christoph Müller, Unternehmenssprecher bei Krauss-Maffei Wegmann (KMW). KMW ist eines der größten europäischen Rüstungsunternehmen, sitzt in München und beliefert weltweit Armeen mit Kriegsfahrzeugen. "Wir lassen nahezu alle unsere Fahrzeuge in Trier testen", sagt Müller.
Zur KMW-Produktpalette gehört auch der Kampfpanzer Leopard 2. Laut unbestätigter Medienberichte will Saudi-Arabien bis zu 200 dieser Leopard-2-Panzer kaufen (siehe Extra). "Zu dem gesamten Saudi-Arabien-Komplex sage ich nichts, das unterliegt alles höchster Geheimhaltung", sagt KMW-Sprecher Müller. Die WTD selbst hält sich ebenfalls zurück: Nicht alle Varianten des Kampfpanzers Leopard II würden in Trier getestet, erklärt ein Sprecher des Koblenzer Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung.
Der Trierer Bundestagsabgeordnete Manfred Nink (SPD) war von 1981 bis 2001 als Techniker bei der WTD beschäftigt. Dass Kriegsfahrzeuge in Trier geprüft würden, sei generell nicht zu beanstanden, erklärt Nink. "Unsere Soldaten müssen schließlich sichere Fahrzeuge haben." Der Export von Leopard-2-Panzern in Länder wie Saudi-Arabien sei allerdings ein ganz anderes Thema und werde nicht von ihm befürwortet. Zusammen mit seinem Fraktionskollegen Fritz Rudolf Körper, Mitglied des Verteidigungsausschusses, hat Nink diese Woche die WTD besucht. Dass der TV zumindest teilweise an dem Besuchsprogramm teilnimmt, hatte die Bundeswehr abgelehnt.
Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen bewertet die WTD differenziert. Dass die Dienststelle nicht im Zuge der Bundeswehrreform geschlossen wird, und der damit verbundene Erhalt der Arbeitsplätze "wiegt für einen Oberbürgermeister natürlich schwer", erklärt er. "Das Ziel weiterer weltweiter Abrüstung darf dabei aber nicht aus den Augen verloren werden", betont Jensen. "Ich würde es begrüßen, wenn die WTD sich schrittweise von militärischen Aufgaben auf zivile Nutzungen umstellt." Wie die Panzerprüfstelle konkret anders genutzt werden könnte, erläutert der OB zwar nicht. Aber: "Dass in Trier auch Kriegsgerät für den Waffenexport getestet wird, lehne ich insbesondere bezüglich ihrer Verwendung in Krisengebieten ab", betont der Mitbegründer der Trierer Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF).
Doch statt ihre Zuständigkeiten einzuschränken, soll die WTD 41 nach TV-Informationen weitere Aufgaben übernehmen: Während bislang nur Landfahrzeuge getestet wurden, sollen in Trier künftig auch Amphibienfahrzeuge geprüft werden. Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) will das noch nicht bestätigen. Über die künftige "Anzahl der Dienstposten" und die "etwaige Übernahme anderer Aufgaben" würde erst im "Rahmen der Feinausplanung zur Neuausrichtung der Bundeswehr" entschieden, teilt ein BWB-Sprecher in typischem Bundeswehrdeutsch mit. Ende März nächsten Jahres soll die Detailplanung abgeschlossen sein.
Dem Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann käme die Ausweitung der Trierer WTD 41 offenbar zupass: "Amphibienfahrzeuge sind mit Sicherheit ein Zukunftsthema, das an Bedeutung gewinnen wird", erklärt KMW-Sprecher Christoph Müller.
Extra
Die Wehrtechnische Dienststelle 41 liegt auf einem rund 210 Hektar großen Grundstück in Trier-Kürenz. Sie ist die einzige amtliche Prüftstelle für landgebundene Rüstungsfahrzeugsysteme in Deutschland. Laut Bundeswehr arbeiten dort zurzeit noch 369 Mitarbeiter, 200 davon Beamte, die übrigen Arbeitnehmer. Im Zuge der Bundeswehrreform soll die Mitarbeiterzahl auf 355 reduziert werden. Seit 2005 testet die WTD 41 Fahrzeuge auch beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Für ihre Einsatzzeit vor Ort wechseln die Mitarbeiter der drei bis vier Mann starken Teams dann kurzfristig vom Beamten- oder Arbeitnehmerstatus in den Soldatenstatus. woc
Extra
Der Sicherheitsrat der Bundesregierung hat nach Medienberichten im Juni einstimmig beschlossen, dass deutsche Leopard-2-Kampfpanzer nach Saudi- Arabien geliefert werden dürfen. Es wäre das erste Mal, dass Deutschland ein arabisches Land in einer Krisenregion mit schwerem Kriegsgerät aufrüstet. Angeblich will Saudi Arabien mehr als 200 deutsche Panzer kaufen. Als die nordafrikanischen Bürgerproteste im März Bahrain erreichten, schickte Saudi-Arabien der Regierung des Nachbarstaats 150 Panzer und Tausende Soldaten zur Unterstützung. Der Leopard-2-Panzer in der Version A7+ ist elf Meter lang und vier Meter breit, wiegt 67,5 Tonnen, hat einen 1500-PS-Motor, schießt mit seiner 120-Kaliber-Kanone bis zu vier Kilometer weit und fährt durch zwei Meter tiefes Wasser. Der Kampfpanzer kostet etwa drei Millionen Euro. woc