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Studentenwohnheim The Flag in Trier: Dicke Luft unter dem Gerüst

(Trier) In der Studentenwohnanlage "The Flag" ist ein Streit zwischen Mietern und Hausverwaltung entbrannt. Aktuell entzündet er sich an Fassaden-Arbeiten. Doch es gibt weit mehr Probleme.

13.11.2017
Lisa Bergmann
Melanie zeigt ein Bild ihrer Schuhe, auf dem Stockflecken blühen. Jan erzählt, dass in seinem Haus zum zweiten Mal in einer Woche der Strom ausgefallen ist. Und Saskia sagt: "Ich kämpfe täglich abends gegen den Schimmel an durch putzen und einer Behandlung mit einem Anti-Schimmel-Mittel, aber die Flecken bleiben." Melanie, Jan und Saskia (alle Namen von der Redaktion geändert), wohnen im Studentenwohnheim "The Flag" auf dem Petrisberg.

189 Appartements hat das Wohnheim, im nebenan errichteten "The Flag II" sind es noch einmal 201. Beide Gebäudekomplexe werden von der Hausverwaltung Laux und Partner verwaltet. Gegen die erheben die Studenten schwere Vorwürfe. In einer Facebook-Gruppe mit 700 Mitgliedern, darunter auch viele ehemalige Mieter, tauschen sie sich aus. Wo es sonst um Alltagsfragen geht - etwa der Suche nach Münzen für die Waschmaschine, oder ob jemand ein Paket annehmen kann, tauchen immer häufiger bestimmte Schlagworte auf: Dreck, Lärm, Schimmel, Mietminderung.


Die Baustelle: Seit Monaten verdecken Gerüste die Fassaden der vier Häuser im Komplex "The Flag I". Die ehemals weißen Fassaden sollten farblich dem 2013 eröffneten "The Flag II" angepasst werden und einen Anstrich in Oliv-Grün bekommen. Eine Aussage, der einige Mieter von Anfang nicht geglaubt haben. "Wer auf Rendite aus ist, macht nichts aus ästhetischen Gründen", sagt Student Philipp. Der 29-Jährige lebt seit vier Jahren in dem Wohnheim. Er vermutet eher, dass Baumängel an den 2010 fertiggestellten Häusern behoben werden sollen.

Und tatsächlich blieb es nicht bei einem neuen Anstrich. Im Oktober entfernten Arbeiter die Dämmplatten an den Fassaden, zurück blieb das nackte Mauerwerk. Nach und nach wird jetzt eine neue Dämmung angebracht. Das sei aber nicht von Anfang an so geplant gewesen, sagt Jürgen Laux, Geschäftsführer der Hausverwaltung. "Der volle Umfang der notwendigen Arbeiten stellte sich erst heraus, nachdem der erstbeauftragte Handwerker das Gerüst gestellt hatte und der Putz an schwer erreichbaren Stellen kontrolliert werden konnte." Erst dann habe man die Mängel an der Wärmedämmung feststellen können, die beim Bau der Häuser offenbar "handwerklich sehr schlecht" ausgeführt worden war.

Die Folgen für die Mieter: Bauen macht Lärm, das merken auch die Studenten gerade. Von montags bis samstags, von 8 bis 17 Uhr lärme der Presslufthammer. Lernen ist da kaum möglich. Schlimmer ist aber die über Wochen bloß liegende Fassade: Bei nass-kaltem Herbstwetter dringen so Feuchtigkeit und Kälte in die Appartements ein. Die Heizung kommt dagegen nicht an. "Wir heizen den Parkplatz mit", sagt Matthias.

Ein Paradies für Schimmel. Der breitet sich vor allem an den nach außen weisenden Wänden aus. Es trifft besonders Mieter mit Eck-Wohnungen, die an jeweils zwei Außenwände der Häuser grenzen. Hier schimmelt es hinter den festgeschraubten Kleiderschränken, teilweise dringt die Feuchtigkeit bis zur Kleidung und den Schuhen vor.
"Natürlich ist die Gefahr der vermehrten Schimmelbildung bei fehlender Dämmung gegeben", sagt Jürgen Laux. Die Mieter müssten aber anerkennen, dass der Hausmeister sich um jeden gemeldeten Fall sofort kümmere. Nach dem Abschluss der Arbeiten, der nach bisherigem Zeitplan für den 22. November vorgesehen ist, wird der Schimmel laut Laux nicht mehr auftreten. "Es sei denn durch falsches Nutzerverhalten."

Andere Mieter beklagen, dass seit Beginn der Arbeiten mehrfach Strom und Heizung ausgefallen seien. Von diesen Ausfällen weiß Laux offenbar nichts. Wegen einer defekten Pumpe seien lediglich Heizung und Warmwasserversorgung unterbrochen gewesen, die Pumpe habe man innerhalb von zwei Tagen ausgetauscht.

Noch mehr Ärger: Nicht nur die Arbeiten an der Fassade und die Folgen bringen die Mieter auf. Auch unabhängig von den akuten Pro blemen mit der Baustelle gebe es immer wieder Reibereien mit der Hausverwaltung. Nach Angaben der Studenten sind die Nebenkostenabrechnungen fast jedes Jahr fehlerhaft. Kautionen würden in manchen Fällen erst Monate oder gar Jahre nach dem Auszug ausgezahlt. Oft seien die Waschmaschinen dreckig oder defekt. Die Kommunikation mit der Hausverwaltung sei generell schwierig, der für The Flag zuständige Mitarbeiter meist weder telefonisch noch via E-Mail erreichbar. "Den erreicht man nur genau einmal, nämlich wenn man den Mietvertrag unterschreiben will", sagt Philipp.

Laut Laux war der Mitarbeiter vier Wochen lang krank und deshalb nicht erreichbar. Zweimal sei Laux in dieser Zeit persönlich zur Sprechstunde in The Flag erschienen. "Hier kam es zu keiner einzigen Beschwerde. Ebenfalls hielten sich die schriftlichen Beschwerden in nicht auffälligem Rahmen."

Philipp und einige andere Mieter haben wegen der Beeinträchtigung durch die Baustelle bereits eine Mietminderung erwirkt. Doch Philipp genügt das nicht, er will ausziehen. Gemeinsam mit seiner Freundin sucht er gerade nach einer neuen Bleibe: "Ich will einfach wieder meine Ruhe haben."

Drei Fragen an Expertin Anita Merten-Traut

Ass. jur. Anita Merten-Traut ist Geschäftsführerin des Mietervereins Trier.

Was müssen Mieter in Kauf nehmen, wenn ein Haus renoviert wird?
Anita Merten-Traut: Instandsetzungsmaßnahmen am Haus muss der Mieter dulden, insbesondere, wenn es sich um Außenarbeiten handelt. Selbstverständlich müssen die Interessen des Mieters insofern berücksichtigt werden, dass er Informationen erhält beispielsweise im Hinblick auf die Aufstellung eines Gerüstes.Dann nämlich muss der Mieter seine Hausratversicherung informieren.

Unter welchen Umständen ist eine Mietminderung möglich?
Merten-Traut: Eine Mietminderung ist möglich, sofern durch Lärm oder Schmutz der Gebrauchswert der Wohnung beeinträchtigt ist. In diesem Fall ist auch eine Fristsetzung nicht nötig, da der Vermieter den Mangel ja nicht abstellen kann. Die Höhe der Minderung hängt vom Einzelfall ab, in der Regel sind es aber zehn bis zwanzig Prozent.

Was muss der Mieter tun, um diese Mietminderung durchzusetzen?
Merten-Traut: Die Minderung ist ein einseitiges Recht des Mieters. Er braucht dies nicht zu beantragen. Laut Gesetz ist die Miete gemindert, wenn ein Mangel besteht. Dennoch empfiehlt es sich, dem Vermieter mitzuteilen, dass die Miete für den laufenden Monat unter Vorbehalt gezahlt wurde. Dann kann nämlich auch im Folgemonat der Minderungsbetrag verrechnet werden.

www.mieterverein-trier.de