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Terrassen-Kunstwerk im Trierer Tiergarten (Video)

(Trier) Im Tiergartental in Trier-Olewig werden sieben Hektar Steillage neu bepflanzt. Davor erhalten die bis zu 60 Grad steilen Hänge aber eine ungewöhnliche Form. Spezialisten machen das möglich. Und der Regen kommt dafür wie gerufen. Dossier zum Thema: extra

14.09.2017
Rainer Neubert
Das Quietschen und Rattern der großen Raupe zerreißt die Ruhe im idyllischen Tiergartental. Durch den Regenschleier sind auch die Umrisse des gelben Baggers zu erkennen, der da mitten im Steilhang klebt und Böschungen in den Berg fräst. Für die noch reifenden Trauben im Tal ist der viele Regen in dieser Woche nicht gut. Das schlechte Wetter kommt Georg-Fritz von Nell dennoch gerade recht. „Wenn es weiterhin so trocken geblieben wäre, hätten wir unser Terrassierungsprojekt in diesem Jahr nicht mehr realisieren können“, sagt der Winzer. Trocken? Aber es hat doch im Juli und August ziemlich viel geregnet!

Um zu verstehen, was von Nell damit meint, ist ein Standortwechsel nötig. Mit Gummistiefeln an den Füßen, nur einige Schritte von der mächtigen Baggerschaufel entfernt, wird sofort klar, wo das Problem liegt: Die Erde staubt bei jeder Verlagerung als wäre noch trockener Hochsommer. „Wir gehen nicht einmal einen Meter in die Tiefe, aber da ist keine Feuchtigkeit, die wir brauchen, damit die Terrassen planiert und die Böschungen sofort eingesät werden können.“ Die rasche Begrünung sei wichtig, um Erosion zu vermeiden. Noch im Herbst soll entlang der Kante jeder Terrasse eine Reihe Reben gepflanzt werden.

Mehr als 18.000 Reben, überwiegen Riesling, sollen in den Lagen Tiergarten, Unterm Kreuz, Benediktinerberg und Kurfürstenhofberg drei Jahre später Trauben für hochwertigen Wein liefern. „Dieser Weinberg gehört zu den besten Lagen in Trier“, ist Winzer von Nell überzeugt, dessen Weingut im Herzen des Tals nur einen Steinwurf von den inzwischen beeindruckenden Geländeterrassen entfernt liegt. Zwar passen auf die Terrassen weniger Rebstöcke als bei einer herkömmlichen Bepflanzung in der Vertikalen. Dafür bekommen die Pflanzen bessere Wachstumsbedingungen, mehr Boden, mehr Luft, mehr Licht.

 „Die Qualität des Weins wird höher sein“, ist von Nell überzeugt, der nach eigenen Angaben einen hohen fünfstelligen Betrag in die Umgestaltung und Neubepflanzung investiert. 

Verantwortlich für die Flurbereinigung im Tiergartental ist das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel. Im Kompetenzzentrum für den Steillagenweinbau geht es dort auch um Arbeitserleichterungen. Manfred Heinzen ist der Projektleiter für das Tiergartental. „Querterrassierungen für die maschinelle Bearbeitung sind so an der Mosel noch wenig bekannt“, sagt er und beschreibt weitere Vorteile dieser Anbauform: „Ausschwemmungen bei Starkregen werden vermieden, Und die Begrünung der Böschungen ist gleichzeitig ein landespflegerischer Ausgleich für die Maßnahmen.“

Bauingenieurin Alexandra Candels wird deutlicher: „Das sind im Grunde geringfügige Eingriffe, aber die Terrassen werten die Landschaft auf.“ Terrassierungen gebe es bereits in Brauneberg, Serrig und Bernkastel-Kues. „Diese Größe ist allerdings außergewöhnlich.“

Wie riesig der geschwungene Steilhang im Tiergarten ist, in dem die Baggerführer der Steinacher Spezialfirma „Schwörer Erd- und Wegebau“ ihr schweres Gerät mit quietschenden und ratternden Ketten tanzen lassen, wird beim Blick von einer der frisch angelegten Terrassen deutlich. „Hier dürfen normalerweise natürlich keine Fußgänger unterwegs sein“, sagt Georg-Fritz von Nell. „Das wäre zu gefährlich.“ 

Mögliche Zugänge hat er deshalb zum Unmut einiger Anwohner auf der Höhe bereits im Frühjahr mit einem Zaun abgesperrt. Doch nachdem die oberste Terrasse geschoben war, mussten die Bagger abgestellt werden. „Es war einfach zu trocken, auch in den folgenden Monaten. Da hat die Firma immer wieder gesagt, dass es nicht möglich ist weiterzumachen.“ 

Doch dank Orkantief Sebastian und seinen nassen Geschwistern geht es nun doch noch voran im Olewiger Tiergartental, das, nur einen Steinwurf von der Innenstadt entfernt, von Spaziergängern, Radfahrern und Läufern als Naherholungsgebiet beliebt ist. Die meisten Reaktionen zu der neuen Form der lange brachliegenden Hänge sind positiv. Winzer von Nell ist vom Erfolg des Projekts überzeugt: „Das ist auch eine Vorsorge für die nächste Generation im Weingut.“