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Trierer Bischof enttäuscht über AfD-Manifest

(Mainz/Trier) Die rheinland-pfälzische AfD-Fraktion hat in einem sogenannten Kirchenpolitischen Manifest die christlichen Kirchen wegen ihrer „heftigen, in weiten Teilen unsachlichen und verletzenden Kritik“ scharf kritisiert und sie zugleich zum Dialog aufgerufen.

06.09.2017
Rolf Seydewitz
Die in den letzten Monaten eingetretene Verhärtung im Verhältnis zwischen AfD und Kirchen sei keiner Seite hilfreich, sagte der kirchenpolitische Sprecher und Trierer AfD-Landtagsabgeordnete Michael Frisch, der das Manifest erarbeitet hat. Laut Frisch steht die AfD für eine Politik aus dem Geist des christlichen Glaubens, das Wahlkampfprogramm trage den Grundprinzipien der christlichen Soziallehre Rechnung. Es sei ein Widerspruch, dass die AfD kritisiert werde, während die Kirchen zu „fragwürdigen Positionen“ anderer Parteien schwiegen.

Zwischen einzelnen Vertretern der Kirchen und der AfD hatte es in der Vergangenheit mehrfach Streit gegeben. So hatte etwa der leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland, Präses Manfred Rekowski, der rechtspopulistischen Partei vorgeworfen, das Christentum zu missbrauchen, um ihre Ideologie zu rechtfertigen. Dabei widerspreche diese Ideologie dem christlichen Menschenbild.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann zeigte sich am Mittwoch in einer ersten Stellungnahme enttäuscht über das Manifest, das hinter den im Vorfeld geweckten Erwartungen zurückbleibe. „Wenn ich den Text lese und öffentliche Äußerungen führender Parteimitglieder der AfD höre, die doch stark davon abweichen und weit radikaler sind, stellt sich mir die Frage, inwieweit diese Positionen von der Partei als ganzer getragen sind“, so der Trierer Bischof.

Zugleich zeigte sich Ackermann bereit, mit dem kirchenpolitischen Sprecher der AfD zu sprechen, wie dies Michael Frisch auch vorgeschlagen hatte. Wenig Verständnis an der AfD-Kritik mancher Kollegen äußerte vor einigen Monaten der emeritierte Trierer Theologieprofessor Wolfgang Ockenfels. Wer wen wähle, sei die Gewissensentscheidung jedes Einzelnen. Seiner Meinung nach sei es jedenfalls „nicht unchristlich, dieser Partei anzugehören oder sie zu wählen“, so Ockenfels.

Der Trierer Bistumspriester Stephan Wahl (ehemals „Wort zum Sonntag“) erneuerte gestern seine wiederholt geäußerte Kritik. Wer eine Äußerung wie die des AfD-Spitzenkandidaten Gauland über Staatsministerin Aydan Özoguz christlich nenne - Gauland hatte von Entsorgung gesprochen - „mag sich in aller Freiheit dieser Truppe anschließen oder sie unterstützen und nur bitte darauf achten, dass sein Rückgrat nicht völlig krumm wird und sein Gewissen Urlaub nimmt.“